• 04.02.2011
      05:00 Uhr
      Isolation und Sinnesentzug Sechs Versuchspersonen im Bunker | arte
       

      Der Psychologe Ian Robbins hat mit einem Tabu gebrochen: Nachdem er durch die psychologische Betreuung ehemaliger Guantanamo-Häftlinge bekannt wurde, wagte er ein Experiment, das seit 40 Jahren aus ethischen Gründen untersagt ist.

      Freitag, 04.02.11
      05:00 - 06:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      Der Psychologe Ian Robbins hat mit einem Tabu gebrochen: Nachdem er durch die psychologische Betreuung ehemaliger Guantanamo-Häftlinge bekannt wurde, wagte er ein Experiment, das seit 40 Jahren aus ethischen Gründen untersagt ist.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Charles Colville

      Um die Auswirkungen von Isolation und Sinnesentzug bei normalen Menschen zu untersuchen, sperrte er sechs freiwillige Versuchspersonen 48 Stunden lang in winzige, schalldichte Zellen eines Bunkers und filmte sie mit Infrarotkameras. Die Hälfte der Probanden verbrachte die Zeit in völliger Dunkelheit, während die andere Hälfte Handschuhe und Brille trug und über Kopfhörer einer gleichbleibenden Beschallung ausgesetzt war, was ihre sinnliche Wahrnehmung stark beeinträchtigte. Beim Versuch traten zwei Phänomene zutage: Die meisten freiwilligen Probanden litten unter Halluzinationen. Offenbar produzierte ihr unterstimuliertes Gehirn aus Informationsmangel allmählich immer mehr Eigenwahrnehmungen, darunter beispielsweise Schlangen, Zebras oder Flugzeuge, das Gefühl, auf feuchten Laken oder im Morast zu liegen. Am zweiten Tag begannen einige Personen, wie Käfigtiere in ihrer Zelle auf- und abzuschreiten, um trotz des wachsenden Gefühls der Bedrohung und Unsicherheit zumindest einen Schein von Aktivität und Körperkontrolle zu bewahren.
      Beim Verlassen des Bunkers empfanden alle Glück und Erleichterung, litten aber - glücklicherweise nur vorübergehend - an erheblicher Konzentrations- und Gedächtnisschwäche. Die Männer - seltsamerweise nicht die Frauen - waren überdies stark beeinflussbar.
      Die Versuchsergebnisse können die Forschung über die Auswirkungen der Haftbedingungen auf die Psyche der Gefängnisinsassen bereichern. Insbesondere die größere Beeinflussbarkeit eröffnet interessante Perspektiven für die Erklärung des Stockholmsyndroms, bei dem der Häftling oder die Geisel ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern beziehungsweise Peinigern aufbauen.

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      Freitag, 04.02.11
      05:00 - 06:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 24.06.2018