• 21.11.2011
      23:15 Uhr
      Klaus Kinski: Ich bin kein Schauspieler Ein Portrait von Christoph Rüter | WDR Fernsehen
       

      Klaus Kinski war einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, die nach dem 2. Weltkrieg den Sprung zur Weltkarriere schafften. Er hatte das Vermögen, durch bloße Anwesenheit Menschen in den Bann zu schlagen.

      Montag, 21.11.11
      23:15 - 00:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Klaus Kinski war einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, die nach dem 2. Weltkrieg den Sprung zur Weltkarriere schafften. Er hatte das Vermögen, durch bloße Anwesenheit Menschen in den Bann zu schlagen.

       

      Kinski sagte über den Schauspieler Kinski "Ich spiele nicht, ich bin das."

      Geprägt wurde Klaus Kinski im englischen Kriegsgefangenenlager. In einem Alter, in dem sich andere zum Mann ausbilden, wurde er zur 'Frau', zum Transvestiten, da er alle weiblichen Hauptrollen im Lagertheater spielen musste. Homosexuelle Kontakte unter Zwang gehörten für ihn zum Lageralltag.

      Mit einer Frauenrolle sorgte er dann auch im Berlin von 1948 für einen Skandal. Die Aufführung "Die menschliche Stimme" von Cocteau wurde verboten und Klaus Kinski erkannte, dass er über eine gewisse Kraft und Ausstrahlung verfügte, die das Publikum von den Sitzen riss und spaltete. Er wurde zum Ereignis.

      Normale Regeln des Zusammenlebens galten für Kinski nicht, obwohl er eigentlich immer höflich sein wollte und dauernd versuchte, nach bürgerlichen Gesetzen zu leben. Viermal heiraten, viermal Nest bauen, viermal der Versuch von Familie, Kindern und bürgerlichem Glück - und viermal scheitert er. Zuletzt überrollt er mit seiner Vaterliebe den spätgeborenen Sohn - eine Art Wiedergutmachung für seine anderen, zu kurz gekommenen Kinder, vor allem aber für sich selbst.

      Die Liebe zum Sohn ist der erste und letzte Versuch, ein wenig Abstand zu sich selbst zu gewinnen. Tausend Rollen und das eigene, kleine, private Ich nicht gefunden.

      Hass oder Liebe, das sind die Pole zwischen denen sich das Leben von Klaus Kinski elektrisierte. Er war einer der Schauspieler, die es von Beginn ihrer Karriere an wagten, immer wieder nach dem Absoluten zu greifen - schonungslos gegen sich und andere. Alle Extreme vereinten sich in seiner Person: hart oder großzügig, zärtlich oder brutal, humorvoll oder undurchdringlich, arrogant oder hingebungsvoll. Wer mit ihm zu tun hatte, wurde extrem gefordert, weil Kinski sich extrem forderte - sein Leben lang.

      Filmausschnitte belegen Kinskis einzigartige Kunst, sich Rollen untertan zu machen und gleichzeitig die hypnotische Fähigkeit, sich ganz in einer Rolle aufzulösen. Er hatte das Zeug zum Weltstar und wollte es nicht werden.

      "Dieser Mann war ein Klischee. Nichts was wir über ihn wissen, ist wahr, also kann alles wahr sein..." schrieb DIE ZEIT anlässlich seines Todes.

      "In der spießigen Dumpfheit der Adenauer-Ära sorgte einzig der wahrhaft 'tollwütige' Exhibitionist Klaus Kinski für gewittrige Entladungen einer öffentlichen, 'ungeschützten' Subjektivität und einer extrem süchtigen emotionalen Launenhaftigkeit: ein stimm- und körpergeiler Erotiker des Ungebärdigen. ...das sei der Mann, den zu hassen das Publikum liebte. ...Die Spur, die er hinterlassen hat, riss in vierzig Jahren viele zu ihm hin und stieß ebenso viele von ihm ab; er hat sich viel herausgenommen - mehr als sich die meisten unter uns wagten, die nie so hoch pokerten wie er und ihn dafür in einem Atemzug ebenso bewunderten wie verabscheuten. Zwischen diesen Polen elektrisierte sich ihm sein Leben, das er gelebt und vorgeführt hat: eines im anderen ununterscheidbar. ...ein Kind, das sich entschlossen hatte, sein Leben lang nicht 'erwachsen' zu werden und das unverschämte Glück hatte, es bis zuletzt bleiben zu können."

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