• 24.06.2012
      21:02 Uhr
      Zapp Spezial Ich bin Wagner - Du bist Deutschland - Über den "Bild"-Zeitungs-Kolumnisten Franz Josef Wagner | tagesschau24
       

      Franz-Josef Wagner ist der wohl meistgelesene Boulevard-Journalist Deutschlands. Mit seiner Kolumne "Post von Wagner" auf Seite zwei der "Bild"-Zeitung erreicht er jeden Tag zwölf Millionen Leser. Sein Markenzeichen: gnadenlose Subjektivität, eiskalte Respektlosigkeit und die unstillbare Lust an der Polarisierung. Dieser Stil "zwischen Genie und Wahnsinn" hat dem früheren Polizeireporter und langjährigen Chefredakteur der "Bunten" den Namen "Gossen-Goethe" eingetragen. Wagners Kommentar zu diesem Markenzeichen: "Der Unterschied zwischen Goethe und mir ist, dass Goethe zwar jeden Tag schrieb, aber nicht jeden Tag veröffentlichte."

      Sonntag, 24.06.12
      21:02 - 21:30 Uhr (28 Min.)
      28 Min.
      Stereo

      Franz-Josef Wagner ist der wohl meistgelesene Boulevard-Journalist Deutschlands. Mit seiner Kolumne "Post von Wagner" auf Seite zwei der "Bild"-Zeitung erreicht er jeden Tag zwölf Millionen Leser. Sein Markenzeichen: gnadenlose Subjektivität, eiskalte Respektlosigkeit und die unstillbare Lust an der Polarisierung. Dieser Stil "zwischen Genie und Wahnsinn" hat dem früheren Polizeireporter und langjährigen Chefredakteur der "Bunten" den Namen "Gossen-Goethe" eingetragen. Wagners Kommentar zu diesem Markenzeichen: "Der Unterschied zwischen Goethe und mir ist, dass Goethe zwar jeden Tag schrieb, aber nicht jeden Tag veröffentlichte."

       

      Doch nicht nur in seinen Kolumnen pflegt Wagner einen eigenwilligen und gelegentlich dadaistischen Stil. Diese Erfahrung musste auch der Autor Thomas Leif machen, der mit der NDR/SWR-Koproduktion "Ich bin Wagner - Du bist Deutschland" das erste Fernsehporträt des umstrittenen "Bild"-Kolumnisten angefertigt hat. "Franz-Josef Wagner ist eine cholerische Sphinx, völlig unberechenbar und jemand, der sich die Medien prinzipiell vom Hals hält. Zwei Jahre hat es gedauert, bis wir das erste Interview aufzeichnen konnten", so Leif über die Arbeit mit einem Protagonisten, "der partout nicht porträtiert werden wollte und Angst vor der Kamera hatte".

      Für die Distanz zu den Medien hat Wagner Gründe. Bis heute hat er zehn bis zwanzig Einladungen zu den einschlägigen Talk-Shows "von Christiansen bis Illner" abgelehnt: "Ich habe jedes Mal nein gesagt. Ich glaube, dass das Fernsehen ganz unbarmherzig ist. Das Fernsehen zeigt jedes nicht Perfekte tödlich genau. Jedes Überlegen, nicht schlagfertig zu sein. Das sind negative Dinge, die mir schaden und auch meinen Mythos zerstören würden."

      Der Chefkolumnist des Springer-Verlags gilt als Erfinder des "Romanes auf 15 Zeilen", den er jeden Tag zwischen 15.30 und 18.00 Uhr in seiner Berliner Wohnung in einen Laptop tippt. Woher nimmt der frühere Domspatz in Regensburg, Möbelpacker in Paris und Hafenarbeiter in Hamburg die Lust an der Provokation? "Erstens will ich den Leser nicht langweilen, zweitens will ich ihn unterhalten, drittens will ihn zum Nachdenken zwingen, zum Widerspruch. Er soll sich aufregen und mir sagen: ... die Scheiße, die er wieder verzapft hat ... oder auch: Ich kann ohne diesen Typ nicht leben. Dahin schreibe ich." 60 Prozent der Leser hassen diesen Stil, 40 Prozent lieben ihn. "Jeden Tag anders, mal 60 so, mal 40 so, das ist schon eine sehr polarisierende Geschichte, die ich da jeden Tag mache," bilanziert der "konservative Anarchist".

      Wagners Post ist nicht selten ein geistiges Attentat. So musste sich die SPD-Politikerin Andrea Nahles gefallen lassen, als "Münte-Mörderin" stigmatisiert zu werden. Dazu Wagner: "Ach, es gibt schon den einen oder anderen Satz, den ich so nicht mehr schreiben würde. Wenn ich merke, dass ich wirklich jemanden verletzt habe, dann tut es mir schon sehr leid. Aber es ist halt so. Gesagt ist gesagt. Und ich selber stecke ja auch viel ein." Was steckt Wagner ein? "Kollegenschelte, Häme, dass sich die spitzen Federn des Feuilletons sich über meine Kolumnen hermachen. Aber das genieße ich natürlich auch."

      Nach mehr als tausend Kolumnen und vielen Briefen an die Mächtigen der Republik schätzt Wagner den politischen Einfluss des Springer-Verlags als eher gering ein. Vor der Konzern-Zentrale sagte er: "Hier wird keine Politik gemacht, im Kanzleramt wird Politik gemacht. Hier wird Politik begleitet, aber nicht aktiv gemacht."

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