• 08.03.2018
      21:02 Uhr
      Maischberger Das Gladbecker Geiseldrama: ein ewiges Trauma? | tagesschau24
       

      "Gladbeck" bewegt auch 30 Jahre nach dem Verbrechen die Gemüter. Drei Tage lang hielten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner 1988 die Republik in Atem: Sie überfielen eine Bank, nahmen Geiseln, flohen und töteten zwei Menschen. Bis heute sind die Vorwürfe gegen eine hilflose Polizei und gegen Journalisten, die jede Distanz zu den Tätern verloren, nicht verhallt. Warum nicht?
      Gäste:

      • Johnny Bastiampillai (Ex-Geisel)
      • Ulrich Kienzle (Journalist)
      • Gisela Friedrichsen (Gerichtsreporterin)
      • Joe Bausch (Gefängnisarzt)
      • Manfred Protze (Reporter bei Gladbeck-Geiseldrama)
      • Bernd Heinen (Chef der uniformierten Polizei NRW)

      Donnerstag, 08.03.18
      21:02 - 22:15 Uhr (73 Min.)
      73 Min.

      "Gladbeck" bewegt auch 30 Jahre nach dem Verbrechen die Gemüter. Drei Tage lang hielten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner 1988 die Republik in Atem: Sie überfielen eine Bank, nahmen Geiseln, flohen und töteten zwei Menschen. Bis heute sind die Vorwürfe gegen eine hilflose Polizei und gegen Journalisten, die jede Distanz zu den Tätern verloren, nicht verhallt. Warum nicht?
      Gäste:

      • Johnny Bastiampillai (Ex-Geisel)
      • Ulrich Kienzle (Journalist)
      • Gisela Friedrichsen (Gerichtsreporterin)
      • Joe Bausch (Gefängnisarzt)
      • Manfred Protze (Reporter bei Gladbeck-Geiseldrama)
      • Bernd Heinen (Chef der uniformierten Polizei NRW)

       

      Der ARD-Zweiteiler zeigt auf packende Weise: "Gladbeck" bewegt auch 30 Jahre nach dem Verbrechen die Gemüter. Drei Tage lang hielten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner im August 1988 die Republik in Atem: Sie überfielen eine Bank, nahmen Geiseln, flohen mit ihnen durch Deutschland und die Niederlande, töteten zwei Menschen. Bis heute sind die Vorwürfe gegen eine hilflose Polizei und gegen Journalisten, die jede Distanz zu den Tätern verloren, nicht verhallt. Warum nicht?

      Gäste:

      • Johnny Bastiampillai (Arzt und Ex-Geisel)

      Als Siebenjähriger wurde der Arzt mit seiner Familie von Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski in einem Bus als Geisel genommen. "Ich habe mich später gefragt, wieso die Polizei nicht viel früher etwas unternommen hat. Es hätte viele Möglichkeiten für einen Zugriff gegeben." Stunden verbrachten sie in der Hand der Geiselnehmer, bis die Situation völlig außer Kontrolle geriet. "Heute muss man sagen, dass auch die Polizei die Eskalation herbeigeführt hat", sagt der 36-jährige. Dass Degowski wieder auf freiem Fuß ist, kann er nicht verstehen: "Die Freilassung ist für mich unerträglich."

      • Ulrich Kienzle (Journalist)

      Als damaliger Chefredakteur von Radio Bremen verantwortete er 1988 das berühmte Interview eines Reporters mit dem Täter Hans-Jürgen Rösner, das in den ARD-Tagesthemen ausgestrahlt wurde. Ulrich Kienzle verteidigt seine Entscheidung, den Beitrag als "ein einmaliges, monströs abschreckendes Dokument der Menschenverachtung" zu senden. Der Polizei hingegen wirft der Journalist und Fernsehmoderator Versagen vor: "Sie hatten einen Job: die Presse von dem Wagen der Täter fernzuhalten, und das ist nicht gelungen."

      • Gisela Friedrichsen (Gerichtsreporterin)

      Die Journalistin sieht die Freilassung von Geiselgangster Dieter Degowski kritisch. "30 Jahre Haft sind nicht unbedingt dazu angetan, aus einem Menschen einen besseren Menschen zu machen", sagt Gisela Friedrichsen, die den Fall vor Gericht beobachtete. Zwar müsse laut Rechtsprechung jeder Mensch die Chance haben, die Freiheit wiederzuerlangen, "die Erfahrung zeigt aber, dass es oftmals keine Besserung gab, sondern die Menschen noch kaputter waren als vorher", erklärt die Gerichtsreporterin der "Welt". Sie glaubt, dass Degowski kaum eine Perspektive auf ein normales Leben nach der Haft habe.

      • Joe Bausch (Gefängnisarzt)

      Seit mehr als 30 Jahren behandelt der Mediziner die Häftlinge in der JVA Werl. Einer seiner Patienten war Dieter Degowski. Der Gefängnisarzt und Schauspieler ("Tatort") verteidigt die Entscheidung, den Geiselnehmer auf freien Fuß zu setzen: "Alle Entscheidungen, die bei einem so prominenten, exponierten Gefangenen zu treffen sind, werden mit großer Sorgfalt und doppelt und dreifach geprüft." Joe Bausch ist überzeugt davon, dass ein weniger prominenter Häftling bei gleicher Führung früher aus dem Gefängnis entlassen worden wäre.

      • Manfred Protze (Reporter bei Gladbeck-Geiseldrama)

      In einem Taxi verfolgte der damalige dpa-Reporter die flüchtenden Gangster, als der Bus mit den Geiseln mitten auf der Autobahn anhielt. Kidnapper Hans-Jürgen Rösner feuerte mehrere Schüsse auf Manfred Protze und den Taxifahrer ab, traf glücklicherweise nur das Auto. "Ich hatte mich nicht ausreichend informiert, wie gewalttätig die Geiselnehmer waren. Ich dachte, die haben zwar Knarren, machen davon aber keinen Gebrauch. Das war ein Fehler", erklärt der heutige Sprecher des Deutschen Presserates.

      • Bernd Heinen (Chef der uniformierten Polizei NRW)

      Der ranghöchste Polizist von Nordrhein-Westfalen gesteht zu, dass die Polizei beim Gladbecker Geiseldrama einige Fehler gemacht habe. "Wir haben aber unsere Lehren aus dem Fall Gladbeck gezogen", sagt der Inspekteur der Polizei NRW. Sie hätten die Pannen der Polizei eingehend analysiert und danach das taktische und psychologische Vorgehensmuster bei Geiselnahmen
      entscheidend professionalisiert.: "So etwas würde heute nicht mehr passieren", glaubt Bernd Heinen, der heute auch die Spezialeinheiten von Nordrhein-Westfalen befehligt.

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