• 16.02.2018
      23:30 Uhr
      Euroblick Blick auf Land und Leute | tagesschau24
       

      Themen:

      • Tschechien: Präsidentenwahl in gespaltener Gesellschaft
      • Großbritannien: Wie Osteuropäer schikaniert werden
      • Slowenien und Kroatien: Wem gehört die Bucht?

      Moderation: Natalie Amiri

      Freitag, 16.02.18
      23:30 - 00:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      VPS 23:25

      Themen:

      • Tschechien: Präsidentenwahl in gespaltener Gesellschaft
      • Großbritannien: Wie Osteuropäer schikaniert werden
      • Slowenien und Kroatien: Wem gehört die Bucht?

      Moderation: Natalie Amiri

       

      Stab und Besetzung

      Natalie Amiri
      • Tschechien: Präsidentenwahl in gespaltener Gesellschaft

      Er hat es wieder geschafft: Milos Zeman ist der alte und neue Präsident Tschechiens und setzte sich gegenüber Jiri Drahos durch.
      Ihm ist mehr als ein Achtungserfolg gelungen: Jiri Drahos, Chemieprofessor aus Prag und Politikneuling. In den Umfragen vor der Stichwahl sah es sogar lange so, als ob er den Amtsinhaber am Ende schlagen könnte. Ganz hat es aber nicht gereicht.
      Seit mehreren Jahren scheint Tschechien unaufhaltsam Richtung Populismus zu driften. Mit verantwortlich dafür: Milos Zeman. Der tschechische Präsident hat zwar fast nur repräsentative Aufgaben, gilt aber als wichtiger Meinungsmacher. Und dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, polarisiert gerne und ist bekannt für seine deutliche Rhetorik gegenüber Migranten. So scheut er sich nicht, bei einer Versammlung von Rechtsextremen aufzutreten und den Islam als eine Religion des Hasses zu bezeichnen. In einem Interview im Privatfernsehen nennt er die Minderheit der Roma arbeitsscheu. Milos Zeman spaltet die Gesellschaft. Viele Bürger sind verärgert: "Ich möchte, dass mein Präsident sich anständig und nicht vulgär ausdrückt." "Ich erwarte mehr Respekt und Seriosität, dass wir uns für unseren Präsidenten nicht mehr schämen müssen."
      Der in ländlichen Gebieten beliebte und von Intellektuellen geschmähte Milos Zeman steht für eine pro-russische und pro-chinesische Politik.
      Der Politikwissenschaftler Michal Klima beschreibt Zeman als eine Art tschechischen Trump. Er sei sehr aggressiv, arrogant und angreifend gegenüber Journalisten.
      Ganz anders dagegen sein Herausforderer bei der Stichwahl: Jiri Drahos. Der 68-jährige Intellektuelle, Professor für physikalische Chemie und ehemals Vorsitzender der tschechischen Akademie der Wissenschaften, pflegt eher die leisen und nachdenklichen Töne.
      Jiri Drahos ist ein Politik-Neuling. Ihm ist gegen den Amtsinhaber mehr als ein Achtungserfolg geglückt. Erstmals seit mehreren Jahren vermittelte er den Tschechen den Eindruck und die Hoffnung, dass man den Populismus eindämmen kann.
      Selbst bei heiklen Themen wie Migration gibt sich Jiri Drahos zurückhaltend. Er ist Verfechter der EU-Mitgliedschaft und befürwortet anders als Zeman die EU-Sanktionspolitik gegenüber Russland.
      Der 68-Jährige spielt Klavier und singt im Chor. Fast die Hälfte der Wähler bedauern, dass er nicht gewonnen hat.
      Viele waren die die Eskapaden des alten Zynikers auf der Prager Burg leid. Trotzdem hat es nicht gereicht: Milos Zeman hat gewonnen.
      Nun wird er eine wichtige Rolle bei der schwierigen Regierungsbildung spielen. Andrej Babis, der amtierende Ministerpräsident, war damit im ersten Versuch gescheitert. Er bekam keine Mehrheit. Unter anderem deswegen, weil die Polizei gegen ihn wegen EU-Subventionsbetrug ermittelt. Seine Immunität wurde inzwischen aufgehoben.
      Der alte und neue Staatspräsident hat aber schon angekündigt, Babis einen zweiten Versuch zur Regierungsbildung zu gestatten. Das alles kann sich lange hinziehen. Stabile politische Verhältnisse in Tschechien: Sie sind nicht in Sicht.

      • Slowenien und Kroatien: Wem gehört die Bucht?

      Malerisch schön und friedlich liegt es da, das bei Touristen so beliebte slowenische Küstenstädtchen Piran. Und niemand hier ahnt auch nur etwas von den kleinen Dramen, die sich nur wenige Seemeilen von hier entfernt draußen in der Bucht abspielen.
      Der kroatische Fischer Ecio hat es jedenfalls eilig: er und sein Kumpel Adriano werfen die Netze so schnell es geht aus, bevor die slowenische Polizei anrückt. Dabei ist die kroatische schon da - sie gibt den Fischern seit Verlassen ihres Hafens im kroatischen Savudrija gleich mit zwei Booten Geleitschutz.
      Mit hoher Geschwindigkeit rauscht das slowenische Polizeiboot heran. Aus der Sicht der slowenischen Behörden fischen die Kroaten nunmehr in fremden, nämlich slowenischen Gewässern.

      Die seit 1. Januar veränderte Grenzziehung in der Bucht von Piran wird von der slowenischen Polizei strikt überwacht. Dabei hat Ecio sein Leben lang genau hier gefischt; er versteht die Welt nicht mehr.
      Was dann geschieht, erinnert stark an eine Groteske. Jeder Versuch der Annäherung des kleineren slowenischen Polizeiboots wird vom größeren kroatischen vereitelt. Den Slowenen bleibt nach mehreren Versuchen nur eine Aufforderung per Lautsprecher an die kroatischen Fischer, die slowenischen Hoheitsgewässer umgehend zu verlassen - unter Androhung hoher Geldstrafen.
      Die kroatische Polizei wiederum sieht sich mit ihrem Handeln im Recht. Sie befolgt nur die Anweisung ihrer Regierung, wonach die durch Slowenien erfolgte neue Grenzziehung in der Bucht von Piran unrechtmäßig sei. Die Regierung in Zagreb nämlich ficht den vor einem halben Jahr erfolgten Schiedsspruch des Schiedshofs in Den Haag an - wegen zuvor erfolgter Verfahrensunregelmäßigkeiten. Nun pocht man auf neue Grenzverhandlungen mit Slowenien.
      Die slowenische Regierung hingegen hat kein Interesse an Neuverhandlungen. Für sie ist der erfolgte Schiedsspruch des Den Haager Tribunals bindend.
      Die kroatischen Fischer Ecio und Adriano jedenfalls haben längst genug: Fischen unter Polizeischutz und die ständige Angst vor hohen Bußgeldern, das machen sie jetzt nicht mehr mit. Sie wollen aufhören. Denn hinzu kommt: Fische gibt es hier ohnehin immer weniger...

      • Großbritannien: Wie Osteuropäer schikaniert werden

      Für EU-Bürger wächst der Druck - vor wenigen Jahren noch willkommene Arbeitskräfte, steigt nun mit der aufgeheizten Diskussion über den Brexit auch die Zahl der Anfeindungen gegen sie. Diese Überwachungskameras wurden nicht gegen Diebe installiert, sondern wegen der polnischen Nachbarn gegenüber. Sie zielen geradewegs ins Kinderzimmer.
      Ausgerichtet gegen die polnische Familie, weil die EU-Bürger sind. Es ist mehr als ein bizarrer Nachbarschaftsstreit in der Gemeinde Great Yarmouth im Osten Englands, der sich gegen die polnische Familie P. richtet, sagt Dorota Darnell, während die Nachbarin mit dem Auto wegfährt.
      Anfangs hat Dorota Darnell nur polnische EU-Bürger bei ihren Aufenthaltsanträgen beraten, nachdem sie sich selbst durch die britische Bürokratie gekämpft hatte. Doch jetzt hilft sie auch beim Gang zur Polizei, wenn Familien bedroht werden, einfach weil sie EU-Bürger sind. Und immer mehr brauchen Hilfe. Die Kameraüberwachung von Agnezska P. ist ein weiterer fremdenfeindlicher Fall. Agnezska und ihre Familie leben seit vier Jahren in der Straße. Erst vor zwei Jahren sei die britische Nachbarin hergezogen. Die Drohungen begannen mit dem Brexit 2016 - und das nicht nur durch die eine Nachbarin.
      Darnell berät die betroffene Familie. Sie ist einmal selbst aus Polen nach Großbritannien gekommen; ein Job als Bankangestellte hatte sie angelockt. Heute ist sie selbständig und hilft Landsleuten, die ganz besondere Probleme haben wie die Familie P. Mutter Agnezska will ihr Gesicht nicht zeigen; sie fürchtet, dass die Attacken noch heftiger werden.
      Ein Polizist soll gesagt haben, sie könnten ja wegziehen. Mehr als 70 Prozent haben in Great Yarmouth für den Brexit gestimmt. Das Seebad an der Nordsee gehört zu den Anti-EU-Hochburgen der Insel. In den Bars und Restaurants arbeiten viele aus osteuropäischen EU-Staaten, noch mehr auf den Feldern der Landbetriebe außerhalb. Die Brexit-Befürworter schüren wohl auch deshalb die Stimmung gegen die Migranten.
      Doch so einfach ist es nicht. Teatime im 200 Kilometer entfernten Birmingham. Wie überall in Großbritannien treffen sich mittlerweile regelmäßig EU-Bürger, um über Brexit-Probleme zu sprechen. Sie haben sich zusammengeschlossen in einer Bürgerinitiative mit dem Namen "die drei Millionen" - so viele EU-Bürger leben auf der Insel: Deutsche, Franzosen, Polen wie Kassia Talbot: sie hat in Polen ihren britischen Mann geheiratet; gemeinsam sind sie umgezogen.
      Zum Schulende holt Kassia Talbot ihren Sohn ab; ihre beiden Kinder wur

      den in Großbritannien geboren, in einem kleinen Ort im Großraum Birmingham - eigentlich bekannt für seine Offenheit auch gegenüber Zugezogenen aus Europa. Doch damit ist es schon im Fish und Chips-Laden an der Einkaufsstraße vorbei.
      Kassia Talbot hat mittlerweile den britischen Pass angenommen. Sie konnte mit der Unsicherheit, am Ende als EU-Bürgerin abgeschoben zu werden, nicht leben. Obwohl er als Pfarrer arbeitet und seine ganze Autorität eingesetzt hat, meint Ehemann James, war es eine Tortur mit stundenlangen Telefonaten.
      Wie die polnische Familie P. in Great Yarmouth. Ohne die Hilfe von Dorota Darnell wären sie alleine: Mit den Kameras und der antipolnischen Nachbarin. Wir versuchen zum Abschied mit der Frau zu reden, klingeln an der Tür. Drinnen hören wir Geräusche, doch niemand macht auf.

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