• 21.09.2019
      23:10 Uhr
      Deutschland-Reportage: Endstation Abschiebeknast Die Häftlinge von Ingelheim | tagesschau24 Mediathek
       

      Sie möge Deutschland - aber Deutschland möge sie nicht, sagt die Thailänderin an diesem Nachmittag in der Rechtsberatung der Diakonie im Ingelheimer Abschiebegefängnis. Sie ist Anfang 40 und hat in einem Massagesalon im Ruhrgebiet gearbeitet. Bei einer Razzia ist sie verhaftet worden. Ihr Visum war schon lange abgelaufen und der Aufforderung zur Ausreise war sie mehrmals nicht nachgekommen. Deshalb ist sie in Haft. Und hat Angst, dass ihre Familie und ihr Sohn zu Hause in der Nähe von Bangkok erfahren, dass sie im Rotlicht-Milieu jenes Geld verdient hat, das sie monatlich nach Hause schickte.

      Samstag, 21.09.19
      23:10 - 23:40 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Sie möge Deutschland - aber Deutschland möge sie nicht, sagt die Thailänderin an diesem Nachmittag in der Rechtsberatung der Diakonie im Ingelheimer Abschiebegefängnis. Sie ist Anfang 40 und hat in einem Massagesalon im Ruhrgebiet gearbeitet. Bei einer Razzia ist sie verhaftet worden. Ihr Visum war schon lange abgelaufen und der Aufforderung zur Ausreise war sie mehrmals nicht nachgekommen. Deshalb ist sie in Haft. Und hat Angst, dass ihre Familie und ihr Sohn zu Hause in der Nähe von Bangkok erfahren, dass sie im Rotlicht-Milieu jenes Geld verdient hat, das sie monatlich nach Hause schickte.

       

      Sie möge Deutschland - aber Deutschland möge sie nicht, sagt die Thailänderin an diesem Nachmittag in der Rechtsberatung der Diakonie im Ingelheimer Abschiebegefängnis. Sie ist Anfang 40 und hat in einem Massagesalon im Ruhrgebiet gearbeitet. Bei einer Razzia ist sie verhaftet worden. Ihr Visum war schon lange abgelaufen und der Aufforderung zur Ausreise war sie mehrmals nicht nachgekommen. Deshalb ist sie in Haft. Und hat Angst, dass ihre Familie und ihr Sohn zu Hause in der Nähe von Bangkok erfahren, dass sie im Rotlicht-Milieu jenes Geld verdient hat, das sie monatlich nach Hause schickte.

      Auch der 21-jährige Solyman wird Deutschland in wenigen Tagen zwangsweise verlassen. Der junge Afghane hat drei Jahre in Österreich gelebt; um dort der Abschiebung zu entgehen, wollte er weiter nach Frankreich. Auf dem Weg dorthin hat ihn die deutsche Polizei aufgegriffen und nach Ingelheim gebracht. Nach Afghanistan will er nicht zurück. Dort sei sein Leben in Gefahr, erzählt er. Warum? So richtig mag er das zunächst nicht sagen. Aber dann bricht es doch aus ihm raus. Er habe gesehen, wie ein Mädchen vom eigenen Vater verbrannt worden sei, nur weil sie eine heimliche Beziehung zu einem Jungen hatte, den sie liebte. Er scheint eine ähnlich grausame Strafe zu befürchten. Denn nach einer Sitzung der Dorfältesten habe sein Vater ihm gesagt, er müsse das Land sofort verlassen, sagt er. Sonst drohe ihm der Tod.

      Einrichtungen wie das Gefängnis in Ingelheim tauchen in den überhitzten politischen Diskussionen um Zuwanderung und Abschiebung immer wieder auf. Einblicke in den Alltag eines Abschiebeknastes gibt es hingegen selten, normalerweise ist der Ort für Kamerateams tabu. Ausnahmsweise durften die Reporter Kai Diezemann und Thomas Niemietz dort eine Woche drehen. Ein eindrucksvoller und nachdenklicher Film über Zuwanderung und enttäuschte Hoffnungen.

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