• 08.08.2012
      06:30 Uhr
      Urlaubsland Bayern (3/3) Von Campern und Wellnessfreaks - Thema: Urlaub weißblau | tagesschau24
       

      In den 60ern wird das Urlaubmachen zum Massenphänomen - dafür sorgen gesetzlicher Urlaubsanspruch und gestiegener Wohlstand. Immer mehr Reisende rollen im eigenen PKW, auch nach Bayern - Camping und Urlaub auf dem Bauernhof entsprechen dem Zeitgeist zunehmender Individualisierung. Und auch das Skilaufen wird zum Volkssport und bringt im Winter neue Gäste nach Bayern. Skilifte pflastern die Berge zu, gesichtslose Hotelanlagen lassen damals schon befürchten, dass das Alpenland zur austauschbaren Ferienregion verkommt.

      Mittwoch, 08.08.12
      06:30 - 07:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      In den 60ern wird das Urlaubmachen zum Massenphänomen - dafür sorgen gesetzlicher Urlaubsanspruch und gestiegener Wohlstand. Immer mehr Reisende rollen im eigenen PKW, auch nach Bayern - Camping und Urlaub auf dem Bauernhof entsprechen dem Zeitgeist zunehmender Individualisierung. Und auch das Skilaufen wird zum Volkssport und bringt im Winter neue Gäste nach Bayern. Skilifte pflastern die Berge zu, gesichtslose Hotelanlagen lassen damals schon befürchten, dass das Alpenland zur austauschbaren Ferienregion verkommt.

       

      Die Gegenbewegung folgt in den späten 60er Jahren: Naturschützer prangern immer mehr die Totalerschließung der Berge und den Ausverkauf der Landschaft an - das wertvollste, was Bayern hat - und so entstehen die ersten deutschen Nationalparks auf Bayerischen Boden: der Nationalpark Bayerischer Wald und der Alpennationalpark Berchtesgaden sind erste Versuche, den Tourismus mit dem Umweltschutz zu versöhnen. Für den Bayerischen Wald bedeutete das aber auch staatliche Strukturförderung im wirtschaftlich schwachen Zonenrandgebiet. Die Olympiade in München 1972 kurbelt derweil noch einmal den Auslandstourismus an: schicke Hostessen werben im Dirndl für die bayerische Hauptstadt und sorgen mit dafür, dass für die internationalen Gäste Bayern und die für den Tourismus mitentwickelte bayrische Folklore zum Synonym für Deutschland werden. Bayern verzeichnet neue Besucherrekorde mit den Reisenden aus Übersee - wobei vor allem die großen Events wie das Oktoberfest und der Christkindlesmarkt in Nürnberg das Bild Bayerns im Ausland prägen - und dazu gehören Bier, Dirndl und Lederhosen als Inbegriff bayerischer Gemütlichkeit - und die Inszenierung altdeutscher Weihnacht und Fachwerkidyllen in Franken. Vor allem Rothenburg wird nun auch in Asien zum Urbild der deutschen Stadt - besonders in Japan: mit manch seltsamen Blüten - japanische Preisschilder werden in den Rothenburger Souvenirläden selbstverständlich. Derweil möchten auch andere bayerische Regionen am touristischen Boom teilhaben - neue künstliche Ferienlandschaften entstehen - wie das fränkische Seenland, das mit seinen Sandstränden um die fünf Stauseen sogar Südeuropa Konkurrenz machen möchte. Mit der Wende rollt noch einmal eine neue Urlauberwelle nach Bayern. Viele Ostdeutsche haben vor allem ein Ziel: die Berge, 1990 wird ein Rekordjahr. In der vergrößerten Bundesrepublik bekommt Bayern als Tourismusziel Nr.1 aber auch Konkurrenz: Berlin löst München als heimliche Hauptstadt ab, den Alpen stehen nun km-lange Ostseestrände als ebenso attraktive Urlaubslandschaften gegenüber. Last-Minute-Reisen und immer billigere Angebote im Internet sorgen für zusätzliche Konkurrenz. Die gelungene Selbstvermarktung und immer neue Marketingkonzepte werden wichtiger, in Zeiten, in denen aus Kurgästen Wellnessfreaks und aus Wanderern Walker werden, und Outdoorfans mit immer neuen Funsportarten die Landschaft erobern. Was ist für die Gäste heute das Unverwechselbare an Bayern - und suchen sie überhaupt noch das Bayerische in Bayern - oder suchen sie wie überall austauschbare Freizeitlandschaften mit Erlebnischarakter. Und wie kann ein Land, das so vom Tourismus geprägt ist wie Bayern, darauf reagieren?

      Bayern ist noch immer das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen, im Ausland werden Bayern und Deutschland häufig gleichgesetzt. Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Bayern seit über hundert Jahren ist offenkundig. Ein Großteil der Infrastruktur Bayerns ist durch den Tourismus verursacht und wurde durch den Tourismus überhaupt bezahlbar. Ein wesentlicher Effekt dabei: verschiedene Mentalitäten, ja Zivilisationen prallen aufeinander. Der verbürgte Ausruf eines genervten Oberländers bringt es auf den Punkt: "Saupreiss, japanischer!" Doch vor allem aus einem anderen Grund lohnt sich der Blick in die Geschichte des Urlaubslands Bayern: Der Tourismus hat den Blick auf Bayern geprägt und das Bild der Bayern von sich selbst maßgeblich mitbestimmt: Der vergnügliche Dreiteiler mit verblüffenden Einsichten in das Wesen der Bayern und ihrer Gäste ist nicht nur eine Zeitreise in die schönsten Urlaubsregionen Bayerns. Er erzählt auch die Erlebnisse berühmter und weniger bekannter Bayerntouristen. Die Reihe bleibt nicht beim anekdotisch Schwärmerischen. Sie berichtet von der Armut und "Rückständigkeit" der bald dann prosperierenden Urlaubsregionen von der Rhön bis zum Karwendel und spürt den Zeugnissen des planmäßigen Aufbaus einer touristischen "Infrastruktur" nach dem Ersten Weltkrieg nach; sie zeigt, wie Operette und Film dabei halfen, Bayern zur gefragtesten Urlaubsregion Deutschlands zu machen und wie der Massentourismus nach dem Zweiten Weltkrieg Bayern in der Welt berühmt machte - aber auch das Bild der Bayern von sich selbst veränderte.

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      Mittwoch, 08.08.12
      06:30 - 07:15 Uhr (45 Min.)
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 31.05.2020