• 31.12.2011
      09:50 Uhr
      Nachtcafé Ernstfall Humor? - Talkshow mit Wieland Backes | SR Fernsehen
       

      Gäste:

      • Ingo Appelt
      • Alexander Kissler
      • Dr. Ludger Stratmann
      • Adele Neuhauser
      • Niccel und Emil Steinberger
      • Christian Eisert

      Samstag, 31.12.11
      09:50 - 11:20 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Gäste:

      • Ingo Appelt
      • Alexander Kissler
      • Dr. Ludger Stratmann
      • Adele Neuhauser
      • Niccel und Emil Steinberger
      • Christian Eisert

       

      Mit Humor gelingt das Leben besser. Ob in der Beziehung, bei der Arbeit oder gar im Stau: Wer das Leben mit einem lachenden Auge sehen kann, nimmt vieles leichter und findet so oft einen Weg aus aussichtslosen Situationen.

      Nur wenn wir vorsätzlich witzig sein wollen, gelingt uns das nicht immer. Was bei Comedians und Kabarettisten so leicht aussieht, ist in Wahrheit harte Arbeit, jahrelanges Training und nicht zuletzt perfektes Timing. Dabei gibt es auch im Alltag komische Situationen, über die wir spontan lachen können - aus purer Lebenslust, aber auch aus Schadenfreude. Doch der Humor hat auch Grenzen: Während bei zotigen Witzen der Eine kaum an sich halten kann, ist dem Anderen die Situation peinlich, weil die vermeintlich geschmacklosen Äußerungen seine Lachnerven überhaupt nicht reizen. So mancher sucht heute verzweifelt nach Niveau bei Comedyshows, während sich wilde Massen in Stadien kollektiv lachend auf dem Boden wälzen. Ist Witz lebensnotwendig? Kann man Humor erlernen? Welche Rolle spielt er im Alltag? Und wie erhält man sich den Humor, wenn man sonst im Leben nichts zu lachen hat? Unter anderem mit dem Comedian Ingo Appelt und dem Kabarettisten Emil Steinberger.

      Die Gäste: Ingo Appelt genießt den Ruf des "Enfant Terrible" der deutschen Comedyszene. Das Spiel mit der Geschmacksgrenze sieht er als sportliche Herausforderung - auch auf die Gefahr hin, den Bogen zu überspannen. "Meine Auftritte basieren nun mal auf trial and error, ich probiere es einfach aus, und wenn's schief geht, geht's schief" - was mitunter sehr zur öffentlichen Empörung beträgt.

      Für Alexander Kissler ist diese Art von Comedy unerträglich: "Sich in schlechtsitzender Kleidung hinzustellen und Schimpfwörter runter zu leiern, das ist keine komische Kunst", so der Kulturjournalist. Vielmehr würden Comedians mit ihrer "Unterleib-Komik" einen erheblichen Beitrag zur Volksverdummung leisten. Aber auch an manchen Kabarettisten lässt er kein gutes Haar: In seinen Augen sind sie Oberlehrer und Nörgler, die ihre Inhalte lediglich aus der Politikerbeschimpfung schöpfen.

      Auf der Bühne ist er "Doktor Stratmann" - doch auch im richtigen Leben hatte er fast 25 Jahre den weißen Kittel an: Ludger Stratmann. Er weiß, wovon er spricht, wenn er in seinem medizinisch-satirischen Kabarett die Medizingläubigkeit der Patienten oder die Abrechnungsmentalität der Ärzte aufs Korn nimmt. Dauerbrenner ist seine Kunstfigur Jupp, der Ruhrpott-Hypochonder: "Wenn das Publikum mit entspannten Gesichtszügen nach Hause geht, dann habe ich mein Ziel erreicht - ein gutes Gefühl ohne Rezeptblock zu erzeugen." Die Nähe von Humor und Tragik kennt die österreichische Schauspielerin Adele Neuhauser gut. Das Lebensgefühl ihrer Jugend war bestimmt von Todessehnsucht und mehreren Selbstmordversuchen. Ihr Sinn für Humor und die Schauspielerei halfen ihr, sich am Ende voll und ganz für das Leben zu entscheiden. "Mit Humor kann ich mein Leben vollständiger wahrnehmen und muss die traurigen Seiten in mir nicht mehr verdrängen." Der Kontakt zwischen Niccel und Emil Steinberger wuchs in einer zehn Jahre andauernden Brieffreundschaft zum Thema Humor.

      Was andere zum Lachen bringt, ist für Christian Eisert ernsthafte Arbeit. Als Comedyautor schreibt er Gags für Größen wie Harald Schmidt, Alfons oder Kurt Krömer. Dabei strickt er die Pointen nach einem festen Muster. Dieses technische Wissen um den Aufbau raubt Eisert persönlich allerdings jede Freude am Lustigen: "Eine Komödie im Fernsehen analysiere ich eher, als dass sie mich zum Lachen bringt." An der Bar: In Zeiten von Terrorismus und Umweltkatastrophen bleibt so manchen das Lachen im Halse stecken. Dagegen hat Niccel Steinberger ein Lachseminar entwickelt: "Es passiert so viel Schlimmes im alltäglichen Leben, da braucht man den Humor als Ventil, um überleben zu können." Dabei hilft die Lachtrainerin, Fröhlichkeit und Humor wieder neu zu aktivieren.

      Das Nachtcafé ist keine Arena für Exhibitionisten und Voyeure. Zynismus und Krokodilstränen haben keinen Platz, wohl aber Menschen aller Art, die den Zuschauern etwas zu erzählen haben.

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