• 04.04.2018
      18:00 Uhr
      Zu teuer, zu klein, schon weg Wenn Wohnungssuche zum Albtraum wird | PHOENIX
       

      In Deutschland fehlen rund eine Million Wohnungen. Bezahlbarer Wohnraum ist ein knappes und teures Gut geworden. "37┬░" begleitet Familien in der Gro├čstadt, die verzweifelt ein Zuhause suchen.

      Zu viert auf 54 Quadratmetern: Angelina und Sven aus M├╝nchen suchen f├╝r ihre vierk├Âpfige Familie eine gr├Â├čere Wohnung. Ivana, alleinerziehende Mutter aus Stuttgart, hat Angst, nach einer Eigenbedarfsklage mit ihren Kindern auf der Stra├če zu landen.

      Mittwoch, 04.04.18
      18:00 - 18:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      In Deutschland fehlen rund eine Million Wohnungen. Bezahlbarer Wohnraum ist ein knappes und teures Gut geworden. "37┬░" begleitet Familien in der Gro├čstadt, die verzweifelt ein Zuhause suchen.

      Zu viert auf 54 Quadratmetern: Angelina und Sven aus M├╝nchen suchen f├╝r ihre vierk├Âpfige Familie eine gr├Â├čere Wohnung. Ivana, alleinerziehende Mutter aus Stuttgart, hat Angst, nach einer Eigenbedarfsklage mit ihren Kindern auf der Stra├če zu landen.

       

      Angelina (34) lebt mit ihrem Mann Sven (29) und den beiden S├Âhnen Alessandro (9) und Lautaro (2) in einer kleinen Zweizimmerwohnung in einer Hochaussiedlung in M├╝nchen. Beide Eltern sind berufst├Ątig, Angelina als Angestellte bei einem Fachanwalt, ihr Mann als Spediteur. Wenn der Vater morgens um 4:30 Uhr rausmuss, ist gleich die gesamte Familie wach. Die beiden Jungs teilen sich ein Zimmer. Der Gro├če muss viel zur├╝ckstecken, sich still verhalten, wenn der Kleine schl├Ąft. "Lange geht das nicht mehr gut", sagt Angelina, die eigentlich gern noch ein drittes Kind h├Ątte. Doch auch sie leidet unter dem "Wohnstress". Angelina ist an Multipler Sklerose erkrankt und br├Ąuchte dringend einen R├╝ckzugsraum und ein richtiges Bett. Die Eltern schlafen im Wohnzimmer auf der Couch. Wenn die ausgeklappt ist, ist das Zimmer voll. Sie k├Ânnten 1000 Euro f├╝r eine gr├Â├čere Wohnung zahlen. Doch daf├╝r finden sie nichts.

      In M├╝nchen kostet eine Mietwohnung im Durchschnitt 16,40 Euro pro Quadratmeter, kalt, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Selbst auf dem Land haben sie es schon versucht. Doch da gibt es keine Krippenpl├Ątze. Dann m├╝sste Angelina aufh├Âren zu arbeiten. Zerbricht die Familie an den engen Wohnverh├Ąltnissen?

      Ivana (43) aus Stuttgart, selbstst├Ąndige Kosmetikerin mit eigenem Salon, lebt seit 13 Jahren mit ihren beiden Kindern in einem Mehrfamilienhaus in der Stuttgarter Innenstadt. Jetzt soll die Witwe mit ihren Kindern ausziehen. Ihr Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet. Die Fristverl├Ąngerung, die sie vor einem Jahr erk├Ąmpft hatte, ist abgelaufen. Doch sie findet nichts Neues. Es f├Ąllt ihr schwer, die vielen Absagen nicht pers├Ânlich zu nehmen. Ihr einziger Wunsch: nicht auf der Stra├če zu landen. Ivana verbringt viele schlaflose N├Ąchte. Kommt es zur R├Ąumung? Und bleibt der Familie dann nur das Obdach in einer Sammelunterkunft, wie das Jugendamt bereits angek├╝ndigt hat? Diesen Gedanken versucht sie zu verdr├Ąngen, versucht, den Alltag f├╝r die Kinder, so gut es geht, aufrechtzuerhalten.

      So banal es klingt: Wohnen ist nicht irgendeine Ware. Es ist ein elementares Gut. "Unsere Wohnung ist mehr als vier W├Ąnde und ein Dach ├╝ber dem Kopf. Sie ist doch unser Zuhause. Es geht um unsere Existenz", so Ivana.

      Auch im Norden Deutschlands sieht es nicht besser aus. Michaela (41) arbeitet freiberuflich als Coach und im Marketing f├╝r Hamburger Firmen. Sie wohnt zusammen mit ihrer Mutter in einer gro├čen Altbauwohnung in Barmbek-S├╝d. Hier ist sie gro├č geworden. Hier haben sie die Gro├čmutter gepflegt, die im selben Haus wohnte. Doch vor einigen Jahren wurde das Haus verkauft, und mit dem neuen Besitzer hat der Druck begonnen. Seitdem k├Ąmpfen Michaela und ihre Mutter gegen Modernisierungsma├čnahmen und massive Mieterh├Âhungen. Zwei Mal ziehen sie vor Gericht und versuchen, die R├Ąumungsklagen ihres Vermieters abzuschmettern. Als Mieter f├╝hlen sie sich nicht mehr willkommen. Vergleichbarer Wohnraum ist in ihrem Quartier nicht leicht zu finden. Sie m├╝ssten doppelt so viel Miete aufbringen. Und sie haben gro├če Konkurrenz auf dem ausgereizten Hamburger Wohnungsmarkt.

      Es ist ├╝berall dasselbe: In den Metropolen spielen die Mietpreise verr├╝ckt. In den vergangenen Jahren sind sie geradezu explodiert. Das Durchschnittseinkommen liegt in Deutschland bei 3000 Euro brutto. Die L├Âhne steigen l├Ąngst nicht so rasant wie die Mieten. Und die in vielen St├Ądten geltende Mietpreisbremse ist wirkungslos. Vermieter sind nicht verpflichtet, die bisherige Mieth├Âhe zu nennen. Strafen f├╝r ├╝berteuerte Mieten haben sie nicht zu bef├╝rchten. Die Mieter haben das Gef├╝hl, der Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt hilflos ausgesetzt zu sein. Sie fragen sich: Wann und warum ist es so weit gekommen?

      "37┬░" hat die drei Familien aus M├╝nchen, Stuttgart und Hamburg ein halbes Jahr lang auf ihrer verzweifelten Suche nach einer neuen, bezahlbaren Wohnung begleitet. Wird es f├╝r sie ein Happy End geben?

      Film von Almut Faass

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