• 25.04.2018
      06:45 Uhr
      Wunderkinder Die 50er Jahre in Berlin | PHOENIX
       

      Die 50er Jahre in Berlin sind Weltfestspiele und Kalter Krieg, „Onkel Tobias vom Rias“ und Junge Pioniere, Spießigkeit und Rock’ n’ Roll. Kinder wachsen im Spannungsfeld der offenen, aber gespaltenen Stadt auf. Berliner erzählen von ihren 50er Jahren in West- und Ost-Berlin, eine bewegende Zeit, ein Aufbruch ins Leben.

      Mittwoch, 25.04.18
      06:45 - 07:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Die 50er Jahre in Berlin sind Weltfestspiele und Kalter Krieg, „Onkel Tobias vom Rias“ und Junge Pioniere, Spießigkeit und Rock’ n’ Roll. Kinder wachsen im Spannungsfeld der offenen, aber gespaltenen Stadt auf. Berliner erzählen von ihren 50er Jahren in West- und Ost-Berlin, eine bewegende Zeit, ein Aufbruch ins Leben.

       

      Einen Knicks und Diener müssen sie machen, die Kinder der 50er Jahre. Fleißig und bescheiden sollen sie sein, dankbar, dass sie nicht mehr hungern müssen. Den Eltern steckt der Krieg noch in den Knochen. Sie streben nach Ordnung und Sicherheit, haben Nachholbedarf an einem Leben ohne Sorgen. Sie hüllen sich in Schweigen über die Schrecken der Nazi-Zeit. Kinder haben zu parieren und werden nicht „in Watte gepackt“. Statt zuhause spielen sie draußen in den Trümmern, die es überall noch gibt, oder auf der Straße.

      Nur allmählich geht es damals aufwärts in Berlin. Mit der Gründung zweier deutscher Staaten ist die Stadt seit 1949 dauerhaft geteilt. Es gibt zwei Währungen und zwei Gesellschaftssysteme. Berlin wird in den 50er Jahren zum Brennpunkt des Kalten Krieges - die Grenze mitten in Berlin aber bleibt offen. Die Kinder wachsen in diesem Spannungsfeld auf: Vom Aufstand am 17. Juni 1953 bis hin zum Berlin-Ultimatum 1958/59.

      Die 50er Jahre sind in der geteilten Stadt aber nicht nur konfliktreich, sie sind auch ein Jahrzehnt des Aufbruchs. Mit den Weltfestspielen der Jugend 1951 in Ost-Berlin versucht die DDR, sich internationales Ansehen zu verschaffen. Und West-Berlin wird mit amerikanischen Finanzspritzen zum glitzernden „Schaufenster des Westens“. Der Ku’damm wird zum Aushängeschild des Wirtschaftswunders. Aus den USA schwappt der Rock ’n’ Roll herüber. In RIAS und AFN kann man die neue Zeit hören, im Westen und im Osten. Eine Musik der "Halbstarken", ein Hauch von Rebellion gegen die spießige Welt der Erwachsenen.

      In "Wunderkinder" erzählen Zeitzeugen von ihren 50er Jahren in West- und Ost-Berlin. Heidemarie Fischer erinnert sich an ihre strenge Erziehung. Es setzte „Katzenköpfe“, auch in der Schule, wenn sie sich nicht richtig benahm. Sie wohnte mit ihrer Mutter in West-Berlin. Das Geld war knapp, deshalb ging man in Ost-Berlin zum Friseur. Antonia Meiners, die in einem östlichen Vorort aufwuchs, durfte nicht nach "drüben" fahren. Ihr Vater war Kommunist. Als Kind glaubte sie daran, dass im Westen nur die Bösen lebten.

      Erika Schallert hingegen lebte damals in Prenzlauer Berg und ging in West-Berlin zur Schule. Am 17. Juni 1953 geriet sie auf dem Heimweg am Potsdamer Platz in eine brenzlige Situation, als dort Schüsse fielen. Bernd Feuerhelm, in Kreuzberg aufgewachsen, erinnert sich an die Verklemmtheit seiner Kindheit. Erst im Rock ’n’ Roll fand er ein Lebensgefühl, das ihm entsprach. Roswitha Wollenberg aus Charlottenburg wollte der Enge und der Angepasstheit immer entfliehen.

      Die Reisen mit ihren Eltern im ersten kleinen Auto nach Italien sind bis heute für sie unvergesslich. Martin Buchholz verbrachte seine Kindheit und Jugend im Wedding. Er litt unter dem Schweigen über die Vergangenheit. Das „Tagebuch der Anne Frank“ rührte ihn zu Tränen. Mit gemischten Gefühlen blicken die Zeitzeugen auf die bewegten 50er Jahre in Berlin zurück: prägende Kinder- und Jugendjahre, eine Zeit des Aufbruchs ins Leben.

      Film von Karin Reiss

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