• 14.03.2018
      20:15 Uhr
      Superbauten der Geschichte (1/2): Der Reichstag Film von Friedrich Scherer | PHOENIX
       

      Wie kaum ein anderes Gebäude verkörpert der Berliner Reichstag die Geschichte Deutschlands vom Kaiserreich bis heute. Vor allem ist er ein "Überlebenskünstler". In Brand gesetzt, zerschossen und erobert, fast abgerissen, ummauert und verlassen, verhüllt und am Ende auferstanden wie Phönix aus der Asche, bildet er die Höhen und Tiefen deutscher Vergangenheit ab – und nicht nur der parlamentarischen. Er ist ein Zeuge guter und schlechter Zeiten, ein Ort der Wendepunkte deutscher Geschichte.

      Mittwoch, 14.03.18
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 20:14
      Stereo

      Wie kaum ein anderes Gebäude verkörpert der Berliner Reichstag die Geschichte Deutschlands vom Kaiserreich bis heute. Vor allem ist er ein "Überlebenskünstler". In Brand gesetzt, zerschossen und erobert, fast abgerissen, ummauert und verlassen, verhüllt und am Ende auferstanden wie Phönix aus der Asche, bildet er die Höhen und Tiefen deutscher Vergangenheit ab – und nicht nur der parlamentarischen. Er ist ein Zeuge guter und schlechter Zeiten, ein Ort der Wendepunkte deutscher Geschichte.

       

      Wie kaum ein anderes Gebäude verkörpert der Berliner Reichstag die Geschichte Deutschlands vom Kaiserreich bis heute. Vor allem ist er ein "Überlebenskünstler". In Brand gesetzt, zerschossen und erobert, fast abgerissen, ummauert und verlassen, verhüllt und am Ende auferstanden wie Phönix aus der Asche, bildet er die Höhen und Tiefen deutscher Vergangenheit ab – und nicht nur der parlamentarischen. Er ist ein Zeuge guter und schlechter Zeiten, ein Ort der Wendepunkte deutscher Geschichte.

      Mit feierlichem Zeremoniell wurde das Gebäude am 5. Dezember 1894 eingeweiht. Auf dem Königsplatz vor dem Reichstag in Berlin stand das Militär in Reih und Glied, die gesamte Regierung, Abgeordnete, Heerscharen von Journalisten und viele Schaulustige waren erschienen, um die Schlusssteinlegung zu erleben, die Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich vornahm. Der jedoch war alles andere als begeistert von dem neuen Bau. "Reichsaffenhaus" nannte er ihn abschätzig und ließ auch den Architekten Paul Wallot seine Missbilligung spüren. Der neue Sitz des Parlaments war Wilhelm II. ein Dorn im Auge, am liebsten hätte er ohne die Volksvertreter geherrscht. Doch ließ sich das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen. Otto von Bismarck hatte die Deutschen 1871 unter preußischer Führung geeint. Das deutsche Kaiserreich war als Bündnis zwischen preußischer Königsmacht und bürgerlicher Nationalbewegung entstanden. Zwar hatte der Reichstag als gesamtdeutsches Parlament nur beschränkte Befugnisse, aber er bot auch der Opposition, etwa den Sozialdemokraten, ein Forum.

      Im Tiergarten, auf einem ehemaligen Exerzierplatz, wurde 1884 mit dem Bau des Parlamentsgebäudes begonnen. Der Frankfurter Architekt Paul Wallot hatte sich mit seinen Entwürfen gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Seine Kuppel aus Stahl und Glas war damals Hightech, rund 74 Meter überwölbte sie den Sitzungssaal im Zentrum des Baus. Auf dem Giebel plante Wallot die Inschrift "Dem deutschen Volke", doch bei der Einweihung des Reichstags war die Marmortafel leer. Der Kaiser hatte die Widmung verhindert. Erst im Ersten Weltkrieg genehmigte er zähneknirschend die Inschrift. Doch da waren seine Tage bereits gezählt.

      Am 9. November 1918 verkündete der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstages aus den Zusammenbruch der Monarchie. Die Ausrufung der Republik gilt als Sternstunde des "Superbaus". Fünfzehn Jahre danach, am 27. Februar 1933, wurde der Brandanschlag auf das Gebäude zum Fanal der Hitlerdiktatur. Bis heute sind die Umstände ungeklärt. Der Film geht den Spuren nach: Wie konnte es einem Einzeltäter gelingen, einen so verheerenden Brand auszulösen? Oder steckten doch die Nazis hinter dem Anschlag? Das Hitler-Regime erklärte die Kommunisten zu den Schuldigen. Noch in der Nacht rollte eine Verhaftungswelle über Deutschland hinweg. Am 1. März 1933 wurde die "Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat" erlassen, die wichtige Grundrechte außer Kraft setzte. Der Reichstagsbrand beschleunigte den Prozess hin zu einer Diktatur. So geriet das Gebäude zum Symbol für den Anfang und den Untergang der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Am Ende des von den Nazis entfesselten Vernichtungskrieges hissten Rotarmisten auf dem Dach des Reichstages die sowjetische Siegesfahne. Der russische Kriegskorrespondent Jewgeni Chaldej machte ein Foto, das zur Ikone wurde. Der Film spürt dem berühmten Bild noch einmal nach und rekonstruiert, wie es wirklich entstanden ist.

      Im Kalten Krieg wurde der Reichstag zum Sinnbild des geteilten Deutschlands. Während der Wendezeit geriet er zum Schauplatz der Wiedervereinigung. Die Bilder von der bewegenden Einheitsfeier am 3. Oktober 1990 gingen um die Welt. Nach kunstvoller Verhüllung durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude und aufwändigem Umbau mitsamt neuer Kuppel durch den britischen Stararchitekten Lord Norman Foster wurde das Reichstagsgebäude nicht nur Sitz des Deutschen Bundestags, sondern auch Anziehungspunkt für mehr als eine Million Besucher jährlich.

      Für den Film ging Autor Friedrich Scherer sowohl den herausragenden Ereignissen der Reichstagshistorie als auch kleinen Episoden nach: So wird die Geschichte von Mareille Van der Wyst erzählt, die 1944 im Keller des Gebäudes zur Welt kam. Die Charité hatte dort eine bombensichere Entbindungsstation eingerichtet. Neben dem "Reichstagsbaby" Mareille Van der Wyst kommen Experten wie Historiker Michael Cullen, Architekt Lord Foster, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, die ehemalige Präsidentin des Bundestages Rita Süssmuth und Verpackungskünstler Christo zu Wort.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 26.05.2018