• 29.05.2018
      15:15 Uhr
      "Und dann waren sie weg" - Solingen 25 Jahre nach dem Brandanschlag Film von Christina Zühlke | phoenix
       

      "Es waren Menschen, wie Du und ich. Mit Träumen und Hoffnungen und dann waren sie einfach weg", kopfschüttelnd steht die Solinger Abiturientin Dilan Kaplan vor der Baulücke in der unteren Wernerstraße. Dort, wo vor 25 Jahren das Haus der Familie Genc brannte und fünf Mädchen und Frauen ums Leben kamen. Dilan kommt gerade von einem Interview, das sie mit zwei anderen Schülerinnen führen durfte. Die Gesprächspartnerin: Mevlüde Genc, die Großmutter und Mutter der verbrannten Mädchen. Der Film zeichnet die Entwicklung der Nacht, zeigt die Erinnerungen von Opfern und Helfern.

      Dienstag, 29.05.18
      15:15 - 16:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 14:45
      Stereo

      "Es waren Menschen, wie Du und ich. Mit Träumen und Hoffnungen und dann waren sie einfach weg", kopfschüttelnd steht die Solinger Abiturientin Dilan Kaplan vor der Baulücke in der unteren Wernerstraße. Dort, wo vor 25 Jahren das Haus der Familie Genc brannte und fünf Mädchen und Frauen ums Leben kamen. Dilan kommt gerade von einem Interview, das sie mit zwei anderen Schülerinnen führen durfte. Die Gesprächspartnerin: Mevlüde Genc, die Großmutter und Mutter der verbrannten Mädchen. Der Film zeichnet die Entwicklung der Nacht, zeigt die Erinnerungen von Opfern und Helfern.

       

      "Es waren Menschen, wie Du und ich. Mit Träumen und Hoffnungen und dann waren sie einfach weg", kopfschüttelnd steht die Solinger Abiturientin Dilan Kaplan vor der Baulücke in der unteren Wernerstraße. Dort, wo vor 25 Jahren das Haus der Familie Genc brannte und fünf Mädchen und Frauen ums Leben kamen. Dilan kommt gerade von einem Interview, das sie mit zwei anderen Schülerinnen führen durfte. Die Gesprächspartnerin: Mevlüde Genc, die Großmutter und Mutter der verbrannten Mädchen.

      Dilan Kaplan sitzt im Jugend-Stadtrat, der nach dem Anschlag gegründet wurde. Sie war damals noch gar nicht geboren. Aber in Solingen hat man die Nacht auf den 29. Mai 1993 nicht vergessen. Auch das Nichts, die Baulücke mit den fünf Kastanienbäumen, ist ein Mahnmal für eine der folgenschwersten rassistischen Taten in der Geschichte der Bundesrepublik.

      Solingen wurde zu einem Symbol für Fremdenhass und militante Ausländerfeindlichkeit. Die vier Jugendlichen, die die Tür des Hauses mit Brandbeschleunigern bewarfen, wurden verurteilt und leben heute mit einer neuen Identität irgendwo in Deutschland. Familie Genc ist in Solingen geblieben.

      "Ich habe Frau Genc damals versprochen, dass ich alles dafür tue, dass die Opfer nie vergessen werden", sagt Heinz Siering. Er leitete die Jugendhilfewerkstatt. Ihm grauste davor, dass auch einer "seiner" Jugendlichen sich von den Neonazis hätte anstiften lassen können. Er baute gemeinsam mit anderen ein Mahnmal. Das einzige Mahnmal, das es in Solingen zum Brandanschlag gibt. Gepflegt wird es bis heute von den Jugendlichen der Jugendhilfewerkstatt. Der heutige Leiter, Winfried Borowski, versucht Jahr für Jahr Jugendliche gegen Propaganda und Populismus zu immunisieren. "Die haben so wenig Schulbildung, die kennen zum Teil Auschwitz nicht." Umso mehr ärgert es ihn, dass die Politiker heute wieder ähnlich reden wie vor 25 Jahren. 1993 hieß es "Das Boot ist voll". Auch heute, sagt Borowski, gibt es sie wieder, die "Einflüsterer, wie ich sie nenne. Die geistigen Brandstifter."

      Der Film zeichnet die Entwicklung der Nacht, zeigt die Erinnerungen von Opfern und Helfern. Aber, er bleibt nicht nur in der Vergangenheit, sondern geht auch ins heute. Dilan steht für ein anderes Solingen. Einerseits ist sie politisch engagiert, macht Abitur, wird bald studieren. "Aber wenn ich durch die Stadt gehe, werde ich immer noch komisch angeschaut", sagt sie und zupft an ihrem Kopftuch. "Dabei ist das doch nur ein Stück Stoff".

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