• 17.02.2020
      18:00 Uhr
      Sklaven der Straße Lohndumping in der Logistikbranche | phoenix
       

      3,6 Millionen Menschen arbeiten europaweit als Fernfahrer. Vor allem Logistik-Unternehmer aus Osteuropa, viele mit fragwürdigen Beschäftigungsmodellen, drängen in den umkämpften Markt. Verlierer sind die Fahrer, auf deren Rücken der gnadenlose Preiskampf in der Speditionsbranche ausgetragen wird. Sie fahren als Billiglöhner zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen und sind den illegalen Machenschaften ihrer Arbeitgeber oft schutzlos ausgeliefert.

      Heute
      18:00 - 18:30 Uhr (30 Min.)
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      3,6 Millionen Menschen arbeiten europaweit als Fernfahrer. Vor allem Logistik-Unternehmer aus Osteuropa, viele mit fragwürdigen Beschäftigungsmodellen, drängen in den umkämpften Markt. Verlierer sind die Fahrer, auf deren Rücken der gnadenlose Preiskampf in der Speditionsbranche ausgetragen wird. Sie fahren als Billiglöhner zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen und sind den illegalen Machenschaften ihrer Arbeitgeber oft schutzlos ausgeliefert.

       

      Zu beobachten ist das an jedem Wochenende, meist in den Randbezirken der Industrieviertel: Fernfahrer, die ohne Zugang zu Sanitäranlagen hausen, auf Campingkochern billige Lebensmittel zubereiten, wochenlang im Lkw leben. Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Während der sogenannten Wochenruhezeit müssen sie in ordentlichen Betten schlafen und den Lkw verlassen.

      In welchem Umfang bestehende europäische Gesetze in Deutschland permanent gebrochen oder zumindest ignoriert werden, zeigt ZDF-Autor Christian Bock eindrücklich. Dabei sind die unwürdigen Arbeitsbedingungen nur ein Teil eines gesetzeswidrigen Verhaltens, das gang und gäbe ist.

      Um exklusiven Einblick in die Arbeitswelt der Fernfahrer zu bekommen, schleust "ZDFzoom" einen Fahrer in die Szene der sogenannten Sprinter ein, Klein-Lkw meist aus Osteuropa, die unter fragwürdigen Bedingungen Expressfahrten abwickeln. Dabei stößt der Reporter zusammen mit Andreas Mossyrsch von Camion Pro e. V. auf doppelte Verträge, Sozialbetrug, Fahrten mit Überladung und sogar Merkmale organisierter Kriminalität. All das ist Alltag auf europäischen und damit auch deutschen Autobahnen.

      Im großen Stil und bislang wenig diskutiert findet der sogenannte Kabotage-Betrug statt. Vereinfacht gesagt, dürfen Lkw mit nichtdeutschen EU-Kennzeichen nur begrenzt Transporte im Inland fahren - damit sich Speditionen mit Sitz in Billiglohnländern keinen Marktvorteil verschaffen. Doch in der Praxis ist das längst Realität.

      Die EU hat inzwischen ein "Mobilitätspaket" beschlossen, auch auf Initiative der neuen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ein Kompromiss, der frühestens 2021 Gesetz wird - mit unklarer Wirkung.

      "ZDFzoom" verfolgt die Spur der Ausbeuter bis nach Litauen, wo Lkw-Fahrer von Willkür und Erpressung berichten und die zuständigen Gewerkschafter noch nie einen Fahrer getroffen haben, der tatsächlich fair und ausreichend bezahlt wurde. Der Autor spricht mit Insidern, Experten und Behörden: Jedes Gesetz kann nur seine Wirkung entfalten, wenn es auch kontrolliert wird. In der Speditionsbranche finden diese Kontrollen so gut wie gar nicht statt.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 17.02.2020