• 07.08.2018
      17:15 Uhr
      Schätze der Welt - Erbe der Menschheit Nemrut Dagi - Der Thron der Götter - Türkei | PHOENIX
       

      Man mag schon staunend vor den Pyramiden Ägyptens stehen und sich fragen, wie die tonnenschweren Steinblöcke transportiert und zu den Pharaonischen Gräbern aufeinandergeschichtet werden konnten. Doch einen ganzen Berggipfel in ein Grabmal zu verwandeln, grenzt an Tollkühnheit und ist einmalig in der Weltgeschichte: An der Südflanke des Taurusgebirges, auf 2.159 Metern Höhe, begraben unter knapp 200.000 Kubikmetern Geröll und Felsgestein, vermuten Archäologen die Grabkammer des sagenumwobenen Herrschers Antiochos, der einst die Mythen der alten persischen Großreiche mit dem Lebensstil der Griechen und Römer in Einklang brachte.

      Dienstag, 07.08.18
      17:15 - 17:30 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Man mag schon staunend vor den Pyramiden Ägyptens stehen und sich fragen, wie die tonnenschweren Steinblöcke transportiert und zu den Pharaonischen Gräbern aufeinandergeschichtet werden konnten. Doch einen ganzen Berggipfel in ein Grabmal zu verwandeln, grenzt an Tollkühnheit und ist einmalig in der Weltgeschichte: An der Südflanke des Taurusgebirges, auf 2.159 Metern Höhe, begraben unter knapp 200.000 Kubikmetern Geröll und Felsgestein, vermuten Archäologen die Grabkammer des sagenumwobenen Herrschers Antiochos, der einst die Mythen der alten persischen Großreiche mit dem Lebensstil der Griechen und Römer in Einklang brachte.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Martin Thoma

      Man mag schon staunend vor den Pyramiden Ägyptens stehen und sich fragen, wie die tonnenschweren Steinblöcke transportiert und zu den Pharaonischen Gräbern aufeinandergeschichtet werden konnten. Doch einen ganzen Berggipfel in ein Grabmal zu verwandeln, grenzt an Tollkühnheit und ist einmalig in der Weltgeschichte: An der Südflanke des Taurusgebirges, auf 2.159 Metern Höhe, begraben unter knapp 200.000 Kubikmetern Geröll und Felsgestein, vermuten Archäologen die Grabkammer des sagenumwobenen Herrschers Antiochos, der einst die Mythen der alten persischen Großreiche mit dem Lebensstil der Griechen und Römer in Einklang brachte.

      Seit 1987 führt die UNESCO die Kultstätte auf dem Berg Nemrut als Weltkulturerbe. Das Grabmal gilt heute als Ikone all jener Rätsel der Vergangenheit, die ihre Geheimnisse der Forschung bislang entziehen konnten. Dutzende, bis zu 8 Meter hohe Steinskulpturen auf den zwei Terrassen unterhalb des künstlich aufgeschütteten Berggipfels gelten Vielen als Antwort Vorderasiens auf die Steingötzen der Osterinseln. Es sind die letzten Zeugen des "kommagenischen Königreiches", einer rätselhaften Herrscherdynastie, die einst aus den Weltreichen Alexander des Großen und des Persischen Königs Dareios I. hervorging und sich über Generationen den Macht- und Gebietsansprüchen der römischen Cäsaren widersetzte.

      Der gigantische, 50 mal 150 Meter messende Tumulus auf der Bergspitze des Nemrut gibt Archäologen trotz Einsatz geophysikalischer Grabungstechniken bis heute nicht zu lösende Rätsel auf. Der deutsche Historiker Friedrich Karl Dörner, der nahezu sämtliche Inschriften auf dem Nemrut entzifferte, versuchte 1956 erstmals einen Stollen zum geheimen Grab des Antiochos zu finden. Das Gelände um den Berg sei eine Goldquelle, vertraute Dörner seinen Mitarbeitern an, "doch sein Innerstes hält er verborgen wie einen Schatz". Auch Theresa Goell, die amerikanische Nemrut-Pionierin, konnte sich dem Bann des kommagenischen Königs nicht entziehen. "Ein Fluch", notiert sie verbittert noch kurz vor ihrem Tod und schreibt: "Wenn ich schon nicht zu Antiochos vordringen kann, dann möchte ich neben ihm begraben werden." Sie starb hochbetagt im Winter 1985 und ließ ihre Asche auf dem Gipfel des Nemrut in alle Winde zerstreuen.

      Welche "unsterblichen Botschaften" und Kultgegenstände hat der Regent mit in seine Gruft auf der Bergspitze genommen? Bis heute wissen wir es nicht, denn hier ist einem Architekten ein Geniestreich gelungen: ein verwirrendes Verschlusssystem, dass Grabräubern, Religionsgelehrten und Altertumsforschern über 2000 Jahre erfolgreich widerstanden hat. Irgendwann wird die Forschung vermutlich auch dieses Rätsel lösen und damit, so beklagte Theresa Goell kurz vor ihrem Tod, wird "die Menschheit um einen Mythos ärmer" sein, jenem von einer "friedlichen Brücke zwischen Orient und Okzident".

      Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

      Film von Martin Thoma

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