• 30.07.2018
      17:15 Uhr
      Schätze der Welt - Erbe der Menschheit Lemberg (Ukraine) - Auferstanden aus Erinnerungen | PHOENIX
       

      Lemberg liegt in der Ukraine. Entlang der alten Straßenbahngleise sind die unterschiedlichen Epochen auszumachen, die der Stadt ein Gesicht geben: die stolzen Barockpaläste mit den Jugendstilhäusern, das ärmliche jüdische Viertel, die Plattenbauten und die Parks. Ostslawische Fürsten, Polen, Österreicher, Ruthenen, Armenier, Italiener und Juden prägten die Stadt. Doch von einer multikulturellen Erfolgsgeschichte kann keine Rede sein: Regelmäßig kam es zu Aufständen und Pogromen - je nachdem, wie sich das europäische Machtgefüge veränderte.

      Montag, 30.07.18
      17:15 - 17:30 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Lemberg liegt in der Ukraine. Entlang der alten Straßenbahngleise sind die unterschiedlichen Epochen auszumachen, die der Stadt ein Gesicht geben: die stolzen Barockpaläste mit den Jugendstilhäusern, das ärmliche jüdische Viertel, die Plattenbauten und die Parks. Ostslawische Fürsten, Polen, Österreicher, Ruthenen, Armenier, Italiener und Juden prägten die Stadt. Doch von einer multikulturellen Erfolgsgeschichte kann keine Rede sein: Regelmäßig kam es zu Aufständen und Pogromen - je nachdem, wie sich das europäische Machtgefüge veränderte.

       

      Es ist der Klang, der alle Zeitenwenden überlebt hat: Quietschend, schabend rumpeln die alten Straßenbahnen durch die Stadt. Am Schalthebel oft Frauen, die ihre Führerhäuschen liebevoll ausgestattet haben, als trügen sie ihr Schneckenhaus mit sich. Die Gleise verbinden die Zeiten in Lemberg, die stolzen Barockpaläste mit den Jugendstilhäusern und dem ärmlichen jüdischen Viertel, die Plattenbauten und die Parks. An manchen Stellen wölben sich die Schienen bedrohlich, als wollten sie aus dem Pflaster springen, als wollten sie sagen: hier passt nichts so recht zusammen.

      Lwow, L'vov, Lviv. Wo liegt Lemberg? In Galizien, Lodomerien, Wolhynien? Sagen wir: in der Ukraine. Ostslawische Fürsten, Polen, Österreicher, Ruthenen, Armenier und Italiener, Juden prägten die Stadt. Es gibt zwei Lesarten dieses Miteinanders: eine multikulturelle Erfolgsgeschichte und eine regelmäßige Wiederkehr von Aufständen, Pogromen. Je nach dem wie sich das europäische Machtgefüge und die Landkarten veränderten.

      Am besten beginnt man die Reise dort, wo die Geschichten enden: auf dem Friedhof Lytschakiv. Mausoleen mit kyrillischer Inschrift, die neben gefallenen Engeln thronen, die wiederum einen polnischen Helden beweinen. In schwarzen Marmor gemeißelte Porträts streng blickender sowjetischer Offiziere neben lieblichen Frauenköpfen über österreichischen Adligen. Nebeneinander und in Frieden - so wie in den legendären Zeiten, in denen Lemberg Zentrum war. Zentrum für Handel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, zwischen Europa und Asien. Zentrum der Wissenschaften. Zeiten, zu denen Lemberg Tor war und nicht Sackgasse. Bunt und nicht grau.

      Vom Friedhof fährt eine direkte Straßenbahn in die Stadtmitte zum Rynok, dem Ringplatz mit seinen herrlichen Renaissance- und Barockbauten. Ein Hauch von Süden und Kaffeeduft liegt über dem Platz, aber man spricht ukrainisch. Nur noch eine Sprache. Zwei große Kriege und ihre Folgen haben zwar die Fassaden stehen lassen, aber die Menschen dahinter vertrieben, ermordet, zwangsverschleppt. Nach Jahren der Sowjetherrschaft entdecken die Lemberger erst nach und nach ihre Wurzeln: die polnischen Fresken in der armenischen Kirche, den Kaiser Franz Joseph hinter Tortenauslagen und die ureigenen in einer sehr lebendigen Literaturszene.

      Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

      Film von Eva Witte

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