• 19.03.2018
      02:30 Uhr
      Persien (1/2) Die Erbschaft des Feuers | PHOENIX
       

      Als der Archäologe Ernst Herzfeld die Jahrtausende alten Tafeln in den Händen hält, kann er es kaum fassen. Was er 1933 zusammen mit seinem Assistenten Friedrich Krefter in einer zerstörten Festungsmauer in Persepolis entdeckt, prägt seither das Bild vom Reich der Perser, dem ersten Imperium der Geschichte. 30.000 Tontafeln, das Palastarchiv der untergegangenen Stadt: Quittungen, Arbeitsverträge und Lieferscheine, einer der größten Inschriftenfunde der Archäologie.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 19.03.18
      02:30 - 03:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Als der Archäologe Ernst Herzfeld die Jahrtausende alten Tafeln in den Händen hält, kann er es kaum fassen. Was er 1933 zusammen mit seinem Assistenten Friedrich Krefter in einer zerstörten Festungsmauer in Persepolis entdeckt, prägt seither das Bild vom Reich der Perser, dem ersten Imperium der Geschichte. 30.000 Tontafeln, das Palastarchiv der untergegangenen Stadt: Quittungen, Arbeitsverträge und Lieferscheine, einer der größten Inschriftenfunde der Archäologie.

       

      Als der Archäologe Ernst Herzfeld die Jahrtausende alten Tafeln in den Händen hält, kann er es kaum fassen. Was er 1933 zusammen mit seinem Assistenten Friedrich Krefter in einer zerstörten Festungsmauer in Persepolis entdeckt, prägt seither das Bild vom Reich der Perser, dem ersten Imperium der Geschichte. 30.000 Tontafeln, das Palastarchiv der untergegangenen Stadt: Quittungen, Arbeitsverträge und Lieferscheine, einer der größten Inschriftenfunde der Archäologie.

      Das Gedächtnis von Persepolis, ein Schatz von unglaublichem Wert, der der verheerenden Brandstiftung durch die Soldaten Alexanders des Großen wie durch ein Wunder entgehen konnte. Es ist der Fund, der Ernst Herzfeld weltweit berühmt machen wird. Denn erst diese Tafeln ermöglichen es, das einstige Weltreich und seine Alltagsgeschäfte zu rekonstruieren und es einer Neueinschätzung zu unterziehen.
      Vorher wurde das Bild vor allem von den griechischen Eroberern geprägt, die die Perser als Tyrannen und brutale Despoten diffamierten, feige, verweichlicht und prunksüchtig. So berichtete Herodot von Palastintrigen, Haremsmorden, grausamer Willkür und Dekadenz am persischen Hof. Fast schon ungewollt beschreibt er dabei auch den in großen Zügen funktionierenden Vielvölkerstaat Persien, in dem jeder Karriere machen konnte, egal woher er kam. Wie als Beleg dafür fanden Herzfeld und Krefter im ehemaligen Thronsaal ein lang verschüttetes Relief, das Persien als multikulturelles Reich zeigt. Mit einem starken Großkönig an seiner Spitze.
      Der, so bestätigen neueste Ausgrabungen um den Ort Dschindschun im heutigen Iran, ständig mit einem beweglichen Hofstaat durch sein Reich reiste, um so die Kontrolle zu gewährleisten - wie schon antike Quellen berichten.Ein iranisch-australisches Archäologenteam hat ein weiteres Gebäude freigelegt, das die verschiedenen Stile der persischen Bauweise belegt und so die Schlussfolgerung nahe legt, dass hier nicht Sklaven sondern gut bezahlte Fachleute aus aller Herren Länder arbeiteten. Das Archäologenteam will nach weiteren Palästen suchen, um diese These zu belegen und sie auszubauen, denn nur ein gut erschlossenes Netz aus Verkehrswegen und Streckenposten konnte den Zusammenhalt des Reiches garantieren.
      Um den Alltag auch in Dschindschun zu rekonstruieren, suchen die Archäologen nach einem Palastarchiv wie dem, das Herzfeld und Krefter einst fanden. Auch wenn sein Fund Ernst Herzfeld kein Glück brachte: 1933 bekommt der von Nazi-Deutschland weit entfernte Archäologe den langen Arm der neuen Machthaber zu spüren. Aufgrund seiner jüdischen Vorfahren verliert Herzfeld seine Professur in Berlin und verlässt bald darauf auch den Iran. Was folgt, ist eine schlimme Diffamierungskampagne gegen Herzfeld.

      Der Film unternimmt zum ersten Mal umfassende Recherchen im ehemaligen Geheimarchiv des Auswärtigen Amtes, um die Hintergründe der Schmutzkampagne gegen Herzfeld herauszufinden. Darüber hinaus steht mit dem ehemals für einen Film ausgewerteten privaten Tagebuch Friedrich Krefters - Herzfeld engem Assistenten, der sich später von seinem ehemaligen Mentor entfernte - eine Quelle zur Verfügung, die völlig neue Einsichten und Einschätzungen erlaubt.

      Film von Daniel Gerlach und Saskia Weisheit

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