• 02.04.2018
      12:45 Uhr
      Paradiesische Sümpfe PHOENIX
       

      Der Garten Eden liegt, zumindest biblisch gesehen, im Irak. Eine riesige Sumpflandschaft befindet sich im Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris, in der Nähe der Stadt Basra. Anfang der 1990er Jahre ließ Saddam Hussein das Marschland trocken legen, als Rache für den schiitischen Aufstand gegen seine Diktatur. Die Lebensgrundlage der Bauern und Fischer war zerstört. Nach dem Sturz Saddams fingen die Anwohner an, die Landschaft zu renaturieren. Heute gibt es wieder Schilfsümpfe, Wasserbüffel, Fisch und eine bescheidene Landwirtschaft. Das Paradies kehrt langsam zurück.

      Montag, 02.04.18
      12:45 - 13:00 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Der Garten Eden liegt, zumindest biblisch gesehen, im Irak. Eine riesige Sumpflandschaft befindet sich im Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris, in der Nähe der Stadt Basra. Anfang der 1990er Jahre ließ Saddam Hussein das Marschland trocken legen, als Rache für den schiitischen Aufstand gegen seine Diktatur. Die Lebensgrundlage der Bauern und Fischer war zerstört. Nach dem Sturz Saddams fingen die Anwohner an, die Landschaft zu renaturieren. Heute gibt es wieder Schilfsümpfe, Wasserbüffel, Fisch und eine bescheidene Landwirtschaft. Das Paradies kehrt langsam zurück.

       

      Der Garten Eden liegt im Irak. Zumindest biblisch gesehen. Eine riesige Sumpflandschaft im Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris. In der Nähe der Stadt Basra. Anfang der 1990er Jahre ließ Saddam Hussein das Marschland trocken legen, als Rache für den schiitischen Aufstand gegen seine Diktatur. Die Lebensgrundlage der Bauern und Fischer war zerstört. Nach dem Sturz Saddams fingen die Anwohner an, die Landschaft zu renaturieren. Heute gibt es wieder Schilfsümpfe, Wasserbüffel, Fisch und eine bescheidene Landwirtschaft. Das Paradies kehrt langsam zurück.

      Zuerst brühend heißer Kaffee und dann zuckersüßer Tee. Alles für die "Söhne des Löwen". Morgendliches Treffen des schiitischen Stammes der Beni Assad. Neuigkeiten werden ausgetauscht, Streitigkeiten beigelegt. Ort ihrer Zusammenkünfte: ein Mudhif, ein architektonisches Meisterwerk, fast unverändert seit den Anfängen der Zivilisation. Zu massiven Säulen gepresste Schilfstängel, Riedmatten, dazu geflochtene Gitter am Erdboden. Sie sorgen für ständige Luftzufuhr, selbst im extremen Sommer bleibt es angenehm kühl.

      Zu Beginn der 1990er Jahre ließ Diktator Saddam alle Mudhifs abreißen und die gesamte Kultur der Marscharaber zerstören. "Plötzlich war das Leben weg, alles kahl und leer", erzählt Scheich Fadel Duwaig Jaber vom Stamm der Beni Assad. "Nicht mal Wasser zum Trinken gab es. Leute haben sich wegen einem Kanister Wasser umgebracht!"

      Bilder, die das ganze Werk der Vernichtung belegen. 15.000 Quadratkilometer Sümpfe wurden von Saddam in eine Wüste ohne jedes Leben verwandelt. Er wollte verhindern, dass nach dem zweiten Golfkrieg von 1991 die schiitischen Rebellen hier einen Unterschlupf finden konnten. Der irakische Wasserspezialist Azzam Alwash war 25 Jahre lang im Exil. Nach Saddams Sturz im Jahre 2003 kam er zurück in das Land seiner Väter. "Eine Brücke, die du aus deiner Jugend kennst, du erinnerst dich an diese Wälder von Schilf, das pure Leben, die Vögel. Und jetzt am gleichen Ort: nichts als Staub, geschändetes Land, gefallenes Ried, Tod!" Rund ein Drittel des Sumpfes hat Alwash Ende 2003 wieder fluten können, indem er Saddams Dämme einriss; zusammen mit dem Ökologen Jassem al-Assadie. "Durch das Wasser kannst du schon die ersten Setzlinge sehen, die Zipfel der wachsenden Schilfgräser, die Farbe Grün. Und voilá – zwei Monate später ist das Wasser wieder klar, die Gräser sind geschossen, das Leben ist zurück. Um die Natur zu heilen, musst du sie einfach nur in Ruhe lassen."

      Weit vor Sonnenaufgang: Wir fahren mit dem Boot hinaus in das Sumpfgebiet. Die Stadt Dschubaisch - früher einmal das Venedig des Nahen Ostens. Aus der Region flüchteten Mitte der 90er Jahre Hunderttausende vor dem brutalen Regime. Doch weil die Marschen nun beinahe wieder so fruchtbar sind wie ehedem, kommen immer mehr Menschen zurück. Schilf, wohin man schaut. 300 Vogelarten sind hier wieder heimisch, 2/3 aller Spezies, die im Irak vorkommen, Wasserbüffel, die von ihren Eigentümern kaum gegängelt werden und schilfmampfend ihre Kreise ziehen, dazu über 50 verschiedene Fischarten. Mehrere tausend Familien leben jetzt wieder vom Fisch, fast genauso wie in guten alten Zeiten.

      Viele Fischer übernachten mehrere Tage auf einer der kleinen Inseln im Sumpf; solange, bis sie etwa hundert Kilo zusammenhaben und der Weg zum Markt sich lohnt. "Wir Marscharaber sind wie die Fische: ohne Wasser sind wir tot", sagt der Fischer Abu Haidar. "Wir beten zu Gott: mache, dass es nicht zwei Meter hoch ist, sondern drei." Brot backen mit einem improvisierten Bunsenbrenner aus brennendem Schilf. Die Marschen bieten den Naturburschen alles, was sie benötigen. Mittagspause – die Wissenschaftler fahren zurück ins Hauptquartier – und Abu Haidar nutzt die Zeit, seiner Frau zu helfen, die in der Nähe wie jeden Tag Schilfgras schneidet. Tierfutter, Baumaterial, Dämmstoffe, sogar Mehl kann man aus dem Schilf gewinnen.

      Film von Thomas Aders aus der Reihe "Weltspiegel"

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      12:45 - 13:00 Uhr (15 Min.)
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 21.05.2018