• 28.03.2018
      17:15 Uhr
      Palermo ist ein Mosaik Italien | PHOENIX
       

      Die Sizilianer erinnern sich gerne an zwei Jahrhunderte währende, arabische Episode ihrer Insel. Überall finden sich arabische Reminiszenzen. Doch vieles davon ist in Wahrheit normannisch. So auch der Palazzo di Maredolce. Er ist ein Beispiel für das Normannisch-Arabische Erbe, das die UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet hat.
      Das Schloss befindet sich in Restauration, er wird auch della La Favara genannt, das Wasserquelle bedeutet. Er liegt in Brancaccio, einem der Viertel Palermos, die dem Besucher nicht ganz geheuer sind.

      Mittwoch, 28.03.18
      17:15 - 17:30 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Die Sizilianer erinnern sich gerne an zwei Jahrhunderte währende, arabische Episode ihrer Insel. Überall finden sich arabische Reminiszenzen. Doch vieles davon ist in Wahrheit normannisch. So auch der Palazzo di Maredolce. Er ist ein Beispiel für das Normannisch-Arabische Erbe, das die UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet hat.
      Das Schloss befindet sich in Restauration, er wird auch della La Favara genannt, das Wasserquelle bedeutet. Er liegt in Brancaccio, einem der Viertel Palermos, die dem Besucher nicht ganz geheuer sind.

       

      Die Sizilianer erinnern sich gerne an zwei Jahrhunderte währende, arabische Episode ihrer Insel. Überall finden sich arabische Reminiszenzen. Doch vieles davon ist in Wahrheit normannisch.

      So auch der Palazzo di Maredolce. Er ist ein Beispiel für das Normannisch-Arabische Erbe, das die UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet hat. Das Schloss befindet sich in Restauration, er wird auch della La Favara genannt, das Wasserquelle bedeutet.

      Er liegt in Brancaccio, einem der Viertel Palermos, die dem Besucher nicht ganz geheuer sind. Palazzo d'Emiro ist ein weiterer Name für dieses Gebäude, und als Emirs-Palast galt er auch in der wissenschaftlichen Literatur. Denkt man sich die abenteuerlichen Ein - und Anbauten weg, in denen bis vor einigen Jahren arme Familien, mit Genehmigung der zuständigen Paten und ohne Kenntnis der Behörden, ihre karge Bleibe hatten, so könnte man sich nichts leichter an diesem Ort vorstellen als einen arabischen Potentaten und seinen Hofstaat. Vor allem des riesigen Bassins wegen, heute bestenfalls ein Sumpf. Damals ragte der Palast wie eine Halbinsel in das Bassin und spiegelte sich in seinem Wasser.

      Jüngste Ausgrabungen jedoch bewiesen: Sowohl der Palast als auch das Bassin wurden von Normannen gebaut, auf einem Fundament der Araber. Normannische Ritter hatten Sizilien den Arabern im 11. Jahrhundert entrissen und ein eigenes Königreich begründet. Trotz aller über Jahrzehnte andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen waren sie es vermutlich, die als erste die arabische Epoche "mit einem gewissen Behagen" sahen. Denn sie zerstörten nicht, was sie vorfanden, sondern übernahmen, was ihnen gefiel. Die Eroberer, in der klugen Erkenntnis, dass sie keinen eigenen Stil zu bieten hatten, außer auf dem Schlachtfeld, passten sich den Eroberten an. Darin ein Miteinander der Kulturen zu sehen bedeutet wohl, heutige Wunschvorstellungen in die Vergangenheit zu projizieren. Aber zu Recht spricht man von einem arabisch-normannischen Stil, wenngleich dieser Begriff außer acht lässt, dass dieser Stil auch durch byzantinische Einflüsse geprägt ist.

      Den Arabern vorangegangen war eine lange byzantinische Phase, und die meisten Bewohner der Insel sprachen Griechisch. Die Kulturgeschichte Siziliens ist labyrinthisch. Wie die unterirdischen Bewässerungssysteme. Sie heißen Qanat; das Wort scheint arabisch, hat aber viel ältere Wurzeln. Dennoch haben die Araber die unterirdischen Kanäle gebaut, nimmt man an. Oder ihre Nachfahren. Oder ihre Vorgänger. Das Bild ist verwirrend, oder, mit den Worten von Palermos Bürgermeister, Leoluca Orlando: "Palermo ist kein Bild. Palermo ist ein Mosaik."

      Film von Andreas Christoph Schmidt

      Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

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