• 05.04.2012
      02:15 Uhr
      Doppelmord im Niemandsland Der Fall Werner Weinhold - THEMA: Kriminalität | PHOENIX
       

      19.12.1975, Grenzabschnitt 401 im Grenzbereich Hildburghausen, Thüringen. Kurz nach Mitternacht zerreißen mehrere Dutzend Schüsse aus einer Kalaschnikow die nächtliche Stille. NVA-Soldat Werner Weinhold schießt sich den Weg in den Westen frei. Seit Tagen schon hatte der fahnenflüchtige Werner Weinhold, der sich von seiner Einheit in Spremberg während eines Wachdienstes mit seiner MPi und 300 Schuss Munition abgesetzt hatte, auf eine Gelegenheit gewartet, die Grenze zu überwinden. Zwei tote Grenzsoldaten der DDR bleiben zurück, von denen der eine alle Einschüsse im Rücken hat. Weinhold sagt aus, in Notwehr gehandelt zu haben.

      Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 05.04.12
      02:15 - 03:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      19.12.1975, Grenzabschnitt 401 im Grenzbereich Hildburghausen, Thüringen. Kurz nach Mitternacht zerreißen mehrere Dutzend Schüsse aus einer Kalaschnikow die nächtliche Stille. NVA-Soldat Werner Weinhold schießt sich den Weg in den Westen frei. Seit Tagen schon hatte der fahnenflüchtige Werner Weinhold, der sich von seiner Einheit in Spremberg während eines Wachdienstes mit seiner MPi und 300 Schuss Munition abgesetzt hatte, auf eine Gelegenheit gewartet, die Grenze zu überwinden. Zwei tote Grenzsoldaten der DDR bleiben zurück, von denen der eine alle Einschüsse im Rücken hat. Weinhold sagt aus, in Notwehr gehandelt zu haben.

       

      Der Fall wird zu einem Politikum. Die DDR-Seite fordert die Auslieferung eines Mörders. Am Abend des 21. Dezember wird Weinhold bei Verwandten im westfälischen Marl festgenommen. In der ersten Vernehmung schon gibt er die tödlichen Schüsse auf das Postenpaar zu, behauptet aber seinerseits beschossen worden zu sein, also in Notwehr gehandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft eröffnet ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlages in zwei Fällen. Die DDR besteht auf Weinholds Auslieferung. Das kommt für die bundesdeutsche Seite aber nicht infrage, da in der DDR u.a. noch die Todesstrafe gilt.

      Der Prozess gegen Weinhold vor dem Landgericht in Essen, ein knappes Jahr nach der Tat, dauert gerade mal 1 1/2 Tage. Das Ergebnis: Freispruch mangels Beweisen. Die Generalstaatsanwaltschaft der DDR hat den Prozess demonstrativ boykottiert und untermauert noch einmal ihre Auslieferungsforderung mit einer breiten Pressekampagne.

      Im September 1977 hebt der Bundesgerichtshof das Urteil auf und verweist den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht in Hagen. Die Hagener Staatsanwälte und Richter geben sich alle Mühe um mit den DDR-Behörden eine Kompromisslösung zu finden, bei der beide Seiten politisch ihr Gesicht wahren können. Die DDR beschließt, einen Westberliner Rechtsanwalt, Reymar von Wedel, mit der Nebenklage zu betrauen. Da es für die zuständigen Organe unvorstellbar ist, die eigentlichen Tatortzeugen - allesamt Offiziere der Grenztruppen - vor ein bundesdeutsches Gericht reisen zu lassen, wird der Gedanke geboren, diese von einem Gericht in der DDR richterlich vernehmen zu lassen. Das geschieht im April 1978. Die dabei entstandenen "Dresdener Protokolle" bilden die Grundlage der Verurteilung Weinholds. Das Urteil: 5 1/2 Jahre Haft.

      Bis zum Fall der Mauer lebte er in der ständigen Angst, vom DDR-Staatssicherheitsdienst entführt und getötet zu werden. Der Blick in die Archive zeigt, dass es tatsächlich sehr konkrete Mord-Pläne gab. Bis heute behauptet Weinhold, in Notwehr gehandelt zu haben, obwohl die Aktenlage eindeutig zu belegen scheint, dass er die zwei Grenzposten hinterrücks getötet hat - im Schlaf.

      Ein Film von Henry Köhler

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      Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 05.04.12
      02:15 - 03:00 Uhr (45 Min.)
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