• 11.06.2021
      01:30 Uhr
      Der Kaufhauskönig Wie ein Multimillionär Karstadt und Kaufhof versilberte | phoenix
       

      Der deutsche Kaufhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof befindet sich nicht erst seit der Corona-Pandemie in einer wirtschaftlichen Schieflage. Eine endgültige Pleite konnte 2020 nur durch massiven Stellenabbau, Filialschließungen und einem Verzicht der Gläubiger auf mehr als 2 Milliarden Euro abgewendet werden. Nun hat die Bundesregierung dem Konzern Corona-Staatshilfen in Höhe von 460 Millionen Euro genehmigt, um den Weiterbestand des Traditionsunternehmens mit seinen 28.000 Beschäftigten zu sichern.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 11.06.21
      01:30 - 02:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Der deutsche Kaufhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof befindet sich nicht erst seit der Corona-Pandemie in einer wirtschaftlichen Schieflage. Eine endgültige Pleite konnte 2020 nur durch massiven Stellenabbau, Filialschließungen und einem Verzicht der Gläubiger auf mehr als 2 Milliarden Euro abgewendet werden. Nun hat die Bundesregierung dem Konzern Corona-Staatshilfen in Höhe von 460 Millionen Euro genehmigt, um den Weiterbestand des Traditionsunternehmens mit seinen 28.000 Beschäftigten zu sichern.

       

      Die Mitarbeiter*innen haben ihrerseits über Jahre hinweg immer wieder auf erhebliche Teile ihres Lohns, Urlaubs- und Weihnachtsgelds verzichtet - in der Hoffnung, so zum Überleben des Konzerns und ihrer Arbeitsplätze beizutragen.

      Eigentümer der Warenhauskette ist die österreichische SIGNA-Gruppe, die mehrheitlich René Benko gehört, einem öffentlichkeitsscheuen Selfmade-Milliardär, der in bescheidenen Verhältnissen in Innsbruck aufwuchs und ohne Abitur die Schule verließ. Sein Vermögen hat der heute 43-Jährige mit der geschickten Vermarktung von Immobilien gemacht. Sein besonderes Augenmerk galt von Anfang an Immobilien in bester Innenstadtlage, weil sie "entsprechend knapp sind und daher die Preise eigentlich nur nach oben gehen können", so Benko. Inzwischen gehört er zu den reichsten Bürgern in Österreich und investiert im großen Stil auch in Deutschland. Bei Galeria Karstadt Kaufhof gelang es Benko, trotz der prekären Lage des Unternehmens Millionengewinne zu erwirtschaften - auf dem Rücken der Belegschaft, sagen Handelsexperten. Wie konnte sein Plan gelingen, erst Karstadt für einen Euro und dann später auch noch Kaufhof zu übernehmen und daraus dreistellige Millionengewinne zu generieren? Wie sehr ist Benko überhaupt an dem Betrieb der Warenhäuser und dem Erhalt der Arbeitsplätze interessiert? Oder ging es ihm in erster Linie darum, die wertvollen Immobilien auf Kosten der Beschäftigten zu versilbern, wie Immobilien - und Handelsexperten meinen?

      Die Autoren Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann folgen der Spur des Geldes und blicken hinter die Kulissen von Benkos weitverzweigtem und undurchsichtigen Firmengeflecht, von Briefkastenfirmen in Luxemburg, diskreten Unternehmen in der Schweiz und Familienstiftungen in Liechtenstein und Österreich. Neben dem Verkauf von Warenhausimmobilien erzielt Benkos österreichische SIGNA-Gruppe auch hohe Renditen aus deren Vermietung. Die wertvollen Karstadt-Premium-Häuser, wie das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg oder das Oberpollinger in München, sind zu Shopping-Centern umgebaut und an finanzstarke Mieter vermietet worden. Ein Karstadt-Warenhaus sucht man dort inzwischen vergeblich. Nicht wenige Beschäftigte befürchten inzwischen, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein könnte, bis der gesamte Konzern verschwindet - trotz hunderter Millionen staatlicher Hilfe.

      Film von Ingolf Gritschneder und Georg Wellmann

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      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 11.06.21
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 13.06.2021