• 19.03.2020
      21:00 Uhr
      Bitterer Kaffee Uganda - Bauern kämpfen um ihr Land | phoenix
       

      2001 wurden im Distrikt Mubende in Uganda 4.000 Menschen durch die Armee von ihrem Land vertrieben. Man wollte Platz schaffen für eine neue Plantage der Neumann Kaffee Gruppe aus Hamburg. Der Kaffee-konzern ist weltweit füh-ren-der Rohkaf-fee-Händler. Die ugandi-schen Solda-ten walzten in vier Dörfern Häuser und Hütten nieder. Sie zerstörten Felder und Lebensmittel-vor-räte der Kleinbauern, legten Feuer. Die Menschen verloren ihren gesamten Besitz, es gab sogar Tote.Die Menschen flüch-teten zunächst in die angrenz-en-den Wälder. Später ließen sie sic

      Donnerstag, 19.03.20
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      2001 wurden im Distrikt Mubende in Uganda 4.000 Menschen durch die Armee von ihrem Land vertrieben. Man wollte Platz schaffen für eine neue Plantage der Neumann Kaffee Gruppe aus Hamburg. Der Kaffee-konzern ist weltweit füh-ren-der Rohkaf-fee-Händler. Die ugandi-schen Solda-ten walzten in vier Dörfern Häuser und Hütten nieder. Sie zerstörten Felder und Lebensmittel-vor-räte der Kleinbauern, legten Feuer. Die Menschen verloren ihren gesamten Besitz, es gab sogar Tote.Die Menschen flüch-teten zunächst in die angrenz-en-den Wälder. Später ließen sie sic

       

      der Plantage nieder, in der kleinen Siedlung Kyengeza - dem Dorf der Vertriebenen. Dort lebten sie jahrelang in notdürf-tigen Be-hau-sungen - ohne sauberes Wasser, medi-zinische Ver-sor-gung und ohne aus-rei-chen-de Ernährung. 2002 begannen sie, sich juristisch gegen die Vertreibung und den Raub ihres Landes zu wehren. Mit Unterstützung von Menschen-rechts---orga-ni-sationen verklagten sie den ugan-di-schen Staat und den Neumann-Konzern. Doch der Prozess wurde über Jahre ver-schleppt. Erst im März 2013 fällte der High Court ein erstes Urteil zu ihren Gunsten. Es erkannte die gewaltsame Ver-treibung an, sprach den Vertriebenen eine finanzielle Wiedergutmachung zu und gab auch der Firma Neu-mann eine Mitschuld. Der Konzern lehnt jedoch bis heute jegliche Mitverantwortung für die Vertreibung ab und ist daher auch nicht bereit, sich an einer Entschädigung zu beteiligen. Auch der Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen in Genf beschäftigte sich 2015 mit dem Fall und forderte die ugandische Regierung auf, die Rechte der Vertriebenen wiederherzustellen. Im gleichen Jahr hob ein Berufungsge-richt das erste Urteil auf und verwies das Verfahren zurück an den High Court. Danach schleppte sich der Prozess erneut dahin. Richter wurden versetzt, neue lange nicht ernannt, Prozesstermine verschoben. Langwierige Verhandlungen über einen außergerichtlichen Vergleich blieben ebenfalls ohne Erfolg. Als der Richter im Juli 2019 eine außergerichtliche Schlichtung anordnete, schien die Chance auf eine Lösung des Konflikts gekommen. Aber auch diese Verhandlungen ziehen sich in die Länge.Inzwischen scheint das zermürbende Ringen um eine Entschädigung Wirkung zu zeigen. Anfang 2020 sind die Vertriebenen uneins, wie sie auf ein neues Entschädigungsangebot der Regierung  reagieren sollen. Die meisten Familien wollen es annehmen, andere jedoch weiter klagen. Sie bewerten das Angebot nach wie vor als zu gering - für das erlittene Unrecht, für den zerstörten Besitz und ohne zusätzliche Mittel, sich neues Land kaufen zu können. Werden die Menschen auch fast zwei Jahrzehnte nach der Vertreibung weiter um ihr Recht kämpfen und auf eine Entschädigung warten müssen? Der Fall ist kein Einzelfall, aber einer der ersten, gut dokumentierten Fälle von "Landgrabbing" (Landraub) in Afrika. Mittlerweile ist er über die Grenzen Ugandas hinaus bekannt geworden. Die Reportage begleitet diese Geschichte über viele Jahre. Sie rekonstruiert die Ereignisse der Vertreibung aus der Sicht der Betroffenen, hinterfragt Positionen und Behauptungen in diesem langen Konflikt um Land in Uganda.

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      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
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      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 20.02.2020