• 21.11.2019
      20:15 Uhr
      Das Erbe der Treuhand (1/2) Aufbruch und Ausverkauf | phoenix
       

      Die Treuhand wird bis heute f√ľr das Trauma der Wendezeit verantwortlich gemacht. Der¬†anf√§ngliche Freudentaumel war schnell verflogen: Jobverluste, Firmenpleiten und das Ver√∂den ganzer Landstriche pr√§gen das Nachwende-Empfinden im Osten bis heute. Hat die Treuhand versagt, oder war die schmerzhafte Abwicklung der DDR-Wirtschaft unvermeidlich? "Uns wurde gesagt, dass unser Betrieb von der Treuhand √ľbernommen wird und dass es sicher eine M√∂glichkeit gibt, wie der Betrieb weiterexistieren kann", erinnert sich Antonia Kalich. Alle¬†waren √ľberzeugt: Das schaffen wir. Doch dan

      Donnerstag, 21.11.19
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Die Treuhand wird bis heute f√ľr das Trauma der Wendezeit verantwortlich gemacht. Der¬†anf√§ngliche Freudentaumel war schnell verflogen: Jobverluste, Firmenpleiten und das Ver√∂den ganzer Landstriche pr√§gen das Nachwende-Empfinden im Osten bis heute. Hat die Treuhand versagt, oder war die schmerzhafte Abwicklung der DDR-Wirtschaft unvermeidlich? "Uns wurde gesagt, dass unser Betrieb von der Treuhand √ľbernommen wird und dass es sicher eine M√∂glichkeit gibt, wie der Betrieb weiterexistieren kann", erinnert sich Antonia Kalich. Alle¬†waren √ľberzeugt: Das schaffen wir. Doch dan

       

      n erwischte es ihren Betrieb, VEB Elektroporzellan in Gro√üdubrau, gleich am Anfang. Eine Sanierung sei aussichtslos, da das Werk fehldimensioniert und der Umsatz r√ľckg√§ngig sei, so die Bewertung der Treuhand. Die Mitarbeiter wurden entlassen. Selbst der technische Direktor, damals 51 Jahre alt, hat - wie so viele - nie mehr eine Stelle bekommen. Bis heute merkt er das an seiner kleinen Rente. So wie ihm ist es vielen ergangen. Auch Familie Heissig¬†wurde von den Ver√§nderungen √ľberrollt. Vater Werner hatte vor der Wende in Eisenach den Wartburg mit gebaut. Das ganze Leben¬†war mit dem Betrieb verbunden - mit der Treuhand kam das Aus. Ein Eindruck, der sich bis heute bei vielen festgesetzt hat.¬†Laut einer Umfrage von "ZDFzeit" sind fast 80 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, dass sich die Treuhand nicht bem√ľht hat, m√∂glichst viele Arbeitspl√§tze zu erhalten. Sie steht f√ľr das gnadenlose West-System, dem eine ostdeutsche Biografie nichts gilt, das sich im schlimmsten Fall gar mit kriminellen Methoden DDR-Verm√∂gen unter den Nagel rei√üt. So wie bei der Firma Dampfkesselbau Hohenthurm bei Halle. Sie geriet in den Besitz eines Betr√ľgers, der die Firma ausnahm und in den Ruin trieb. Auch mehrere Treuhand-Mitarbeiter¬†waren involviert. F√§lle wie dieser pr√§gen ein katastrophales Bild der Institution, die eine beispiellose Aufgabe stemmen musste: Ein ganzes Land sollte innerhalb k√ľrzester Zeit von Plan- auf Marktwirtschaft umgestellt werden. Mehr oder weniger √ľber Nacht wurde die Treuhand aus dem Boden gestampft. Ihre Ausstattung war anfangs so d√ľrftig, dass die Beh√∂rde nur eingeschr√§nkt arbeitsf√§hig war. Trotzdem musste sie schon in den ersten Jahren 8500 Gro√übetriebe privatisieren, sanieren oder abwickeln. Viele Ostdeutsche f√ľhlen sich auch Jahrzehnte sp√§ter noch entwertet, abgewickelt und ausgepl√ľndert. Noch heute sind 33 Prozent von ihnen der Meinung, dass vor allem der Westen von der Wiedervereinigung profitiert hat. Das wei√ü vor allem die AfD f√ľr sich zu nutzen und inszeniert sich im Osten als Gegenentwurf zu den westlichen "Altparteien", der das "ungerechte Erbe" zu beseitigen versucht. War die Treuhand wirklich so schlecht wie ihr Ruf? Oder hat sie den Transformationsprozess zur Marktwirtschaft im Gro√üen und Ganzen gut bewerkstelligt?

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