• 22.11.2019
      08:15 Uhr
      Das Erbe der Treuhand (2/2) Wut und Wirklichkeit | phoenix
       

      Hat die Treuhand die ostdeutsche Industrie plattgemacht und ein kollektives Trauma ausgelöst? Oder war sie ein willkommener Blitzableiter für den Zorn der Menschen? Auch 30 Jahre nach der Wende wird darüber gestritten, wie gut oder schlecht die Anstalt ihren Job gemacht hat. Der zweite Teil der Bestandsaufnahme widmet sich den Jahren 1991 bis 1995 unter Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel. Dass sich in den 90ern nicht nur Ostdeutsche an der Treuhand die Zähne ausbissen, zeigt das Beispiel von Christopher Schwarzer aus München, der für die Treuhand Ostbetriebe analysierte. Von de

      Freitag, 22.11.19
      08:15 - 09:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Hat die Treuhand die ostdeutsche Industrie plattgemacht und ein kollektives Trauma ausgelöst? Oder war sie ein willkommener Blitzableiter für den Zorn der Menschen? Auch 30 Jahre nach der Wende wird darüber gestritten, wie gut oder schlecht die Anstalt ihren Job gemacht hat. Der zweite Teil der Bestandsaufnahme widmet sich den Jahren 1991 bis 1995 unter Treuhand-Präsidentin Birgit Breuel. Dass sich in den 90ern nicht nur Ostdeutsche an der Treuhand die Zähne ausbissen, zeigt das Beispiel von Christopher Schwarzer aus München, der für die Treuhand Ostbetriebe analysierte. Von de

       

      m VEB Elastic Mieder, der in Zeulenroda Unterwäsche herstellte, war er so begeistert, dass er seinen Job an den Nagel hängte und als Investor einstieg. Der Umsatz verdreifachte sich, die Firma galt wieder als Vorzeigeobjekt. Dann forderte die Treuhand die Darlehen ein: drei Millionen D-Mark. Die finanzielle Situation des Unternehmens wurde kritisch. Schwarzer hoffte auf Entgegenkommen, es ging immerhin um die Arbeitsplätze von 200 Angestellten. Doch die Treuhand blieb hart - am Ende stand die Insolvenz. Dieser Betrieb war einer von vielen, der trotz des großen Einsatzes von Geschäftsführung und Belegschaft nicht überlebt hat. Die einen nehmen das als Beleg für die marode DDR-Wirtschaft. Die anderen sind der Meinung, dass so manche Firma zu retten gewesen wäre, hätte die Treuhand wirklich Interesse daran gehabt. Viele bekannte DDR-Betriebe und ihre Produkte verschwanden in jenen Jahren. Zu den Ausnahmen gehört die Schokoladenfabrik Halloren aus Halle. Die alteingesessene Firma war zur Wendezeit zwar ziemlich heruntergekommen, aber die Treuhand glaubte an den Wert der Marke und liquidierte nicht sofort. 1992 stieg ein westdeutscher Investor ein, der den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg legte. Doch die Treuhand hatte ihren miesen Ruf weg - bis heute. Selbst 30 Jahre nach der Wende ist bei vielen die Wut nicht verflogen. Die sächsische Staatsministerin Petra Köpping fordert eine "Wahrheitskommission", die Bilanz ziehen soll. Wie hat die Treuhand eigentlich gearbeitet? Welche Kriterien waren entscheidend für die Bewertung von Firmen? Der Druck, unter dem die Behörde damals stand, war in der Öffentlichkeit kein Thema. Dort spielte die Konfrontation die Hauptrolle - bis zum Schluss. In Bischofferode protestierten die Kumpel des Kalibergwerks mit einem Hungerstreik gegen die Schließung. Sie vermuteten Konkurrenz-Ausschaltung als wahren Beweggrund und sahen die Treuhand als Steigbügelhalter des Turbo-Kapitalismus. Trotz der massiven Kritik bewerten viele Ex-Treuhand-Mitarbeiter ihre Arbeit noch heute positiv. Auch die langjährige Chefin Birgit Breuel wehrt sich gegen Pauschalurteile. Sie räumt Fehler ein und bleibt doch dabei: "Ich fand den Weg, für den sich ganz Deutschland damals entschieden hat, grundsätzlich richtig. Das denke ich auch heute noch."

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 17.11.2019