• 24.02.2020
      08:30 Uhr
      Arbeiten, wenn die Stadt schläft - Nachtschicht in Hamburg phoenix
       

      Die Schweißperlen rinnen über Martin Zygmunts Stirn. Es ist heiß hier in der Kupferhütte von Aurubis - heiß und laut. Damit könnte Martin noch umgehen, doch jetzt droht auch noch ein Teil des gewaltigen Anodengießbands überzulaufen - tausende Grad heißes Kupfer würde sich dann in die Hütte ergießen. Martin muss schnell reagieren, die Gießvorrichtung abschalten. Geschafft, gerade noch rechtzeitig. Es sind diese Momente, in denen Verfahrenstechnologe Martin hellwach sein muss - obwohl die Uhr vier Uhr morgens anzeigt. Martin arbeitet in der Nachtschicht. "Ich habe mich dran gewöhnt", sagt der 34-Jährige. Auch wenn er a

      Montag, 24.02.20
      08:30 - 08:45 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Die Schweißperlen rinnen über Martin Zygmunts Stirn. Es ist heiß hier in der Kupferhütte von Aurubis - heiß und laut. Damit könnte Martin noch umgehen, doch jetzt droht auch noch ein Teil des gewaltigen Anodengießbands überzulaufen - tausende Grad heißes Kupfer würde sich dann in die Hütte ergießen. Martin muss schnell reagieren, die Gießvorrichtung abschalten. Geschafft, gerade noch rechtzeitig. Es sind diese Momente, in denen Verfahrenstechnologe Martin hellwach sein muss - obwohl die Uhr vier Uhr morgens anzeigt. Martin arbeitet in der Nachtschicht. "Ich habe mich dran gewöhnt", sagt der 34-Jährige. Auch wenn er a

       

      Frau und seinen beiden kleinen Kindern in Nachtschicht-Wochen kaum teilhaben kann. Und auch, wenn er so komplett gegen seinen eigentlichen Biorhythmus anarbeiten muss. René Dietrich arbeitet im Hafen Genauso René Dietrich, der nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt arbeitet. Gerade hat ein gewaltiges Containerschiff am HHLA-Terminal Burchardkai angelegt, darauf: 15.000 Container. Liegezeit kostet Geld, viel Geld. Deshalb muss René auf seiner 80 Meter hohen Containerbrücke Gas geben, mit dem riesigen Kran-Ausleger mitten in der Nacht im Akkord Container vom Schiff holen. "Meine Frau arbeitet auch im Schichtdienst", erzählt Rene. "So ein gemeinsames Leben hinzubekommen, das ist schon eine Herausforderung." Trotzdem würde er die Nachtschichten nicht aufgeben wollen. Weil sie gutes Geld bringen. Und weil die Nacht einfach eine ganz besondere Atmosphäre hat - gerade im Hafen, sagt René. Nachtschicht in der Notaufnahme Nicht mit gewaltigen Maschinen wie Martin und Rene, sondern mit kleinen Menschen arbeitet Yvonne Rieck. Die 31-jährige Krankenschwester hat Nachtschicht in der Notaufnahme des Kinderkrankenhauses Altona. Von der Schnittwunde bis zur Beule, vom getrunkenen Putzmittel bis zum Beinbruch: Bei ihr landen all die kleinen und großen Notfälle, die die Kleinsten der Stadt in der Nacht erlitten haben. Zusammen mit den Ärzten ist Yvonne unter Daueranspannung: Welches Kind muss zuerst versorgt werden, wie beruhige ich das kleine Mädchen, das vor Bauchschmerzen die Notaufnahme zusammenbrüllt? Martin, Rene und Yvonne sind als Nachtschicht-Arbeiter Teil einer gewaltigen Parallelwelt. Laut Statistischem Bundesamt arbeiten in Deutschland mehr als drei Millionen Menschen nachts. Dann, wenn alle anderen es sich zuhause gemütlich machen, noch eine Serie im Fernsehen schauen, schlafen oder auch Feiern gehen. Was macht die Nachtschicht mit den Menschen? Und was machen die Menschen mit ihrer Nachtschicht? Wir begleiten die drei Nachtarbeiter in der Großstadt Hamburg bei ihrer Nachtschicht und zeigen, wie sie nicht nur bei Dunkelheit und gegen die Müdigkeit ihre harte, verantwortungsvolle und teilweise gefährliche Arbeit bewältigen müssen, sondern dafür auch noch ihr Familienleben und ihren eigenen Biorhythmus komplett auf den Kopf stellen und auf Nachtarbeit umorganisieren. Und wir zeigen, warum sie trotz allem ihren Job lieben.

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      Montag, 24.02.20
      08:30 - 08:45 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 21.02.2020