• 12.02.2018
      05:15 Uhr
      14 Arten, den Regen zu beschreiben Film von Marcel Ahrenholz | PHOENIX
       

      "14 Arten, den Regen zu beschreiben" ist ein Dokumentarfilm über die Mutter eines psychisch kranken Jungen und ihren Kampf gegen die Psychiatrie, die Gesellschaft und letztlich gegen sich selbst. Die Dokumentation wurde mit dem phoenix Förderpreis ausgezeichnet.

      Montag, 12.02.18
      05:15 - 06:35 Uhr (80 Min.)
      80 Min.
      Stereo

      "14 Arten, den Regen zu beschreiben" ist ein Dokumentarfilm über die Mutter eines psychisch kranken Jungen und ihren Kampf gegen die Psychiatrie, die Gesellschaft und letztlich gegen sich selbst. Die Dokumentation wurde mit dem phoenix Förderpreis ausgezeichnet.

       

      Mit dreizehn hat sich Manuelas Sohn Peter in sein Zimmer eingeschlossen, mit achtzehn sind die wenigen Quadratmeter längst zu seiner Welt geworden. In schlechten Phasen verlässt er sie nur, um in der Tür gegenüber, im Bad zu verschwinden. In guten Zeiten setzt er sich für einen Moment zu ihr an den Tisch. Sein Vater und seine Großeltern haben längst die Geduld und das Verständnis für ihn verloren. Einzig Manuela geht seit Jahren mit ihm – einen Schritt vor und zwei zurück. An ihrer Seite ihr jüngeres Kind Hans, aber die Fürsorge um ihren "verlorenen Sohn" hat ihre Aufmerksamkeit und ihr eigenes Leben fest im Griff.

      Was tut man, eingeschlossen auf 14 Quadratmetern? Und was, wenn man von diesen paar Quadratmetern ausgeschlossen ist? Wie verändert sich das Leben einer Familie, die mit einem Kind zusammen lebt, das sie längst verloren hat? Jede Nacht, in der ihr Sohn sich hinaus wagt, um eine Runde um den Block zu gehen, jeder Moment, in dem er die Regentropfen auf seiner Haut wieder wahrnimmt, ist ein Augenblick des Glücks.

      Der Film "14 Arten, den Regen zu beschreiben" ist in erster Linie das Porträt einer Familie, die auf das Äußerste gefordert wird. Die Vorstellung, sein Kind hinter einer verschlossenen Tür zu verlieren, ist für jeden von uns schmerzhaft, lässt uns aber gleichzeitig auf das Wesentliche der Eltern- und Geschwisterliebe zurück besinnen.

      Das Phänomen Hikikomori ist keine Zukunftsvision, sondern bereits heute Ausprägung eines Ungleichgewichts von individuellen Bedürfnissen und modernen gesellschaftlichen Anforderungen. Es ist ein psychologisches Phänomen, das unmittelbarer Spiegel unserer Gesellschaft ist.

      Die Entwicklung von der Industriegesellschaft hin zur Wissens- und Informationsgesellschaft erfordert eine enorme Veränderungsbereitschaft und Anpassungsfähigkeit. Ein Leben, das durch Risiko, Konkurrenz und Leistungsdruck gekennzeichnet ist, bringt viele Menschen an ihre physischen und psychischen Grenzen. Und darüber hinaus. Vor allem Kinder sind dieser rasanten Beschleunigung und dem Stress der stetig wachsenden Anforderungen immer seltener gewachsen. Getrieben von dem Gefühl, in die Welt geworfen und gleichzeitig von ihr enthoben zu sein, und unfähig, sich ihr anzupassen, dient ihnen das Zimmer als letzter Ort persönlicher Kontrolle, als "Welt" in der Welt.

      Wird geladen...
      Wird geladen...
      Montag, 12.02.18
      05:15 - 06:35 Uhr (80 Min.)
      80 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 25.04.2018