• 02.02.2010
      23:40 Uhr
      Tod auf dem Hochsitz Ein Arbeitsleben in Deutschland | NDR Fernsehen
       

      Auf einem Hochsitz in Niedersachsen wird der Leichnam eines Mannes gefunden. Neben ihm liegt eine Art Tagebuch, in dem der arbeitslose Handelsvertreter Bilanz zieht: "Jetzt geht's auf Hartz IV zu, aber nicht mit Peter Zschäpe!".

      Dienstag, 02.02.10
      23:40 - 01:10 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Auf einem Hochsitz in Niedersachsen wird der Leichnam eines Mannes gefunden. Neben ihm liegt eine Art Tagebuch, in dem der arbeitslose Handelsvertreter Bilanz zieht: "Jetzt geht's auf Hartz IV zu, aber nicht mit Peter Zschäpe!".

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Michael Heuer
      Redaktion Christoph Mestmacher

      24 Tage lang sitzt der zuletzt in Hannover gemeldete Mann auf dem morschen Hochsitz, isst und trinkt immer weniger, bis er im Dezember 2007 einsam und unbemerkt stirbt. Wie Willy Loman in Arthur Millers berühmtem Theaterstück "Tod eines Handlungsreisenden" aus dem Jahre 1949 hat sich der einst erfolgreiche Verkaufsleiter Peter Zschäpe in der modernen Arbeitswelt nicht mehr zurechtgefunden. Die Frührente lehnt der 58-Jährige genauso ab wie Hartz IV. Das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben ist für ihn das Eingeständnis, versagt zu haben. "Die Rente ist sicher!" und "Arbeit muss sich wieder lohnen!": diesen locker dahergesagten Sprüchen deutscher Politiker ist der "Handlungsreisende" des 21. Jahrhunderts auf den Leim gegangen. Wie überhaupt die auf Arbeit fixierte Gesellschaft kühl vorrechnet: "Ohne Fleiß kein Preis!" und "Haste was, biste was!". Nach außen hin wirkte der ehemalige Verkäufer stolz und stark. Das wahre Ausmaß seiner existenziellen Not verschweigt er. In einer Zeit, in der "notleidende Banken" vom Staat mit finanziellen "Schutzschirmen" und Manager abgewirtschafteter Unternehmen mit Bonuszahlungen in Millionenhöhe versorgt werden, ist der einzelne "hochgeschätzte" Mitarbeiter in Wirklichkeit kaum etwas wert. Während sich Politiker auf eine Pension von mehreren Tausend Euro freuen, sieht ein Großteil der Bürger der Rente mit 67 eher angstvoll entgegen. Die Finanzkrise ist eben auch eine moralische Krise. Dass Arbeit immer häufiger depressiv macht, hat unlängst der Freitod von Robert Enke gezeigt. Fast auf den Tag genau im Monat November suchte und fand auch er - wie Peter Zschäpe zwei Jahre zuvor - einen Ort, um sich das Leben zu nehmen. Erst in der Trauer um den Fußballnationalspieler haben viele erkannt, wie sehr die Arbeitswelt Menschen zerstören kann. Der mehrfach preisgekrönte Fernsehautor Michael Heuer hat sich über ein Jahr auf Spurensuche begeben. Er hat Zeitzeugen und Weggefährten gefunden, die Peter Zschäpe kannten und sein Arbeitsleben begleitet haben. Ihre Aussagen bilden die Grundlage des Films. Wie Erinnerungsfetzen umkreisen sie den Hochsitz: am Tag, in der Nacht, bei Regen und Schnee, bei Sonne und blauem Himmel. Ein Kommentartext erübrigt sich, wo der aus dem Leben scheidende Mensch selbst ein Organ und einen Atem bekommt: die Stimme und die Musik von Jens Thomas, zaghaft und aufbegehrend, flüsternd und brüllend, warmherzig und gefrierend zugleich.

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      Dienstag, 02.02.10
      23:40 - 01:10 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

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