• 15.02.2014
      08:30 Uhr
      Die Reportage Auf der Flucht vor Armut - Roma in Hamburg | NDR Fernsehen
       

      Seit Rumänien und Bulgarien zur EU gehören, schlagen sich zunehmend Roma aus diesen Ländern in den Grauzonen deutscher Großstädte durch. Sie verkaufen Rosen, Obdachlosenzeitungen oder sammeln Schrott. Niemand hat sie gezählt, doch Schätzungen zufolge gibt es Tausende solcher Armutsflüchtlinge, denen in Deutschland alles besser erscheint, als das Elend in der Heimat. Die Autoren Ute Jurkovics und Özgür Uludag wollten wissen, wie sich arme Roma im reichen Hamburg über Wasser halten.

      Samstag, 15.02.14
      08:30 - 09:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Seit Rumänien und Bulgarien zur EU gehören, schlagen sich zunehmend Roma aus diesen Ländern in den Grauzonen deutscher Großstädte durch. Sie verkaufen Rosen, Obdachlosenzeitungen oder sammeln Schrott. Niemand hat sie gezählt, doch Schätzungen zufolge gibt es Tausende solcher Armutsflüchtlinge, denen in Deutschland alles besser erscheint, als das Elend in der Heimat. Die Autoren Ute Jurkovics und Özgür Uludag wollten wissen, wie sich arme Roma im reichen Hamburg über Wasser halten.

       

      Seit Rumänien und Bulgarien zur EU gehören, schlagen sich zunehmend Roma aus diesen Ländern in den Grauzonen deutscher Großstädte durch. Sie verkaufen Rosen, Obdachlosenzeitungen oder sammeln Schrott. Es gibt kaum eine Einkaufsstraße ohne Mütterchen mit Akkordeon, kaum eine U-Bahn-Linie ohne Musikanten, die nach einem kurzen Ständchen den Hut kreisen lassen. Niemand hat sie gezählt, doch Schätzungen zufolge gibt es Tausende solcher Armutsflüchtlinge, denen in Deutschland alles besser erscheint, als das Elend in der Heimat.

      Die Autoren Ute Jurkovics und Özgür Uludag wollten wissen, wie sich arme Roma im reichen Hamburg über Wasser halten. Sie wollten herausbekommen, wie sie wohnen und wo sie ihre Zukunft sehen, wenn Rumänen und Bulgaren ab 2014 in Deutschland uneingeschränkt arbeiten dürfen. Mit einem Kamerateam haben die Autoren eine Roma-Großfamilie aus Rumänien einige Wochen lang begleitet - bis hin in ihre Heimat. Dort leben in vielen Dörfern nur noch Alte und Kinder. Wer Geld verdienen kann, wandert aus. Offiziell leben mehr als zwei Millionen Rumänen im europäischen Ausland. Jede vierte Familie muss auf einen oder mehrere Angehörige verzichten.

      Georg und Roxanna Ionica verkaufen in Hamburg die Obdachlosenzeitung "Hinz&Kunzt". Der Job ist bei den Roma begehrt. An guten Tagen verdienen sie damit bis zu 50 Euro. An schlechten Tagen allerdings bekommen sie nur knapp das Geld für ein Abendessen zusammen. Georgs Bruder Ionut spielt Akkordeon in den Hamburger U-Bahnen. Seine Frau Isaura sammelt die Spenden ein. Auch Cousin Razvan und Ehefrau Loredana leben vom Musizieren im U-Bahnnetz. Zur Familie gehört noch Anna. Sie ist 14 und spielt auch bei Minusgraden vor dem Hamburger Dammtorbahnhof Akkordeon, ebenso wie ihr Vater Ilie Lupu. Früher konnte die Roma-Familie von der Musik in der Heimat gut leben. Heute liegt dort das Pro-Kopf-Einkommen bei 350 Euro monatlich und kaum jemand engagiert noch Musiker.

      Die Familie teilt sich seit Kurzem eine Zweizimmerwohnung in Hamburg-Billstedt. Obwohl sie dort nicht gemeldet, sondern nur geduldet sind, erscheint ihnen die Wohnung als purer Luxus. Zuvor hausten alle zusammen in einer Dachkammer. Andere Roma aus ihrer Heimat wohnen noch schlechter. Sie zahlen für einen Matratzenplatz in überbelegten Wohnungen bis zu 200 Euro pro Monat.

      Von ihrem Verdienst in Deutschland unterstützen die Roma auch die Familie in Rumänien. Georg und Roxanna ließen dort ihren bald zweijährigen Sohn bei den Großeltern zurück. Auch die anderen Paare haben Kinder in Rumänien, die sie vermissen. Doch bei ihnen bleiben können sie nicht, sagen sie. Arbeit fänden sie höchstens als Tagelöhner. Das reicht nicht zum Leben. So geht es vielen Roma in Rumänien, die als ethnische Minderheit ausgegrenzt werden. Georg und sein Bruder haben keine Ausbildung. Ihre Eltern schickten sie schon als Jugendliche ins Ausland zum Geld verdienen.

      Fünf Monate haben sie ihre Kinder nicht mehr gesehen, als Georg und Roxana, Ionut und Isaura für ein paar Tage nach Rumänien fahren. Sie nutzen die Buslinie Atlassib, die zweimal wöchentlich Wanderarbeiter aus ganz Deutschland in ihre Heimat bringt. 48 Stunden, quer durch Europa, dauert der Trip, bis sie endlich ihre Kinder in die Arme nehmen können. Jede Minute in der Heimat ist kostbar, denn sie können sich nur ein paar Tage Auszeit leisten. Die Uhr bis zur Abfahrt tickt unerbittlich. "Wir leben alle von Deutschland", sagt Georg. Deshalb überlegen sie, für immer dorthin zu ziehen und die Kinder irgendwann nachzuholen.

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