• 11.07.2019
      21:00 Uhr
      Gesunde Ernährung - was dürfen wir alles essen? Ein Film von Katharina Schickling | hr-fernsehen
       

      Alle glauben zu wissen, was wirklich gesund ist – vitaminreiches Gemüse und Obst, wenig Fett und vor allem keine tierischen Fette, und dazu Vollkornprodukte. Immerhin entspricht das ja auch dem, was die staatlich finanzierte Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Doch auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruhen diese Ratschläge? Zahlreiche Forscher sagen: auf keiner.

      Donnerstag, 11.07.19
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Alle glauben zu wissen, was wirklich gesund ist – vitaminreiches Gemüse und Obst, wenig Fett und vor allem keine tierischen Fette, und dazu Vollkornprodukte. Immerhin entspricht das ja auch dem, was die staatlich finanzierte Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Doch auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruhen diese Ratschläge? Zahlreiche Forscher sagen: auf keiner.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Katharina Schickling

      Alle glauben zu wissen, was wirklich gesund ist - vitaminreiches Gemüse und Obst, möglichst fünfmal täglich, wenig Fett und vor allem keine tierischen Fette und Vollkornprodukte. Immerhin entspricht das dem, was die staatlich finanzierte Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Doch auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beruhen diese Ratschläge? Zahlreiche Forscher sagen: auf keiner.

      Diabetesforscher Prof. Peter Nawroth von der Uniklinik Heidelberg hält die vielen Empfehlungen in Sachen Vollkorn, Fett oder Vitamine für Unsinn: "Im Grunde wissen wir nicht, wieviel exakt nötig ist. Müssen wir aber auch gar nicht. Denn außer sehr schwer kranken Menschen, Krebspatienten zum Beispiel, leidet niemand bei uns an Vitaminmangelerscheinungen. Das, was wirklich etwas ausmacht, für Ihre Gesundheit, ist die Menge, die sie essen. Krank macht Sie, wenn sie viel zu viel essen. Was Sie essen, ist eigentlich ziemlich egal." Wer sich halbwegs abwechslungsreich ernährt und nicht mehr isst, als sein Körper verbrennt, macht alles richtig.

      Das sind Erkenntnisse, die den meisten Verbrauchern offensichtlich nicht klar sind - die Angst davor, sich nicht gesund genug zu ernähren, wächst. Eine Umfrage der Techniker Krankenkasse hat ergeben, dass 45 Prozent der Deutschen beim Essen in erster Linie darauf achten, dass es gesund ist - "lecker" schaffte es bei dieser Umfrage nur auf Platz 2. Ingrid Mühlhäuser, Professorin an der Uni Hamburg, untersucht medizinische Studien auf ihre Werthaltigkeit. "Das Problem bei allen Ernährungsstudien ist die Methodik. Eine Pharmastudie ist Placebo-kontrolliert. Aber Sie wissen ja, was Sie gegessen haben. Meistens wird einfach nur nachträglich gefragt, was gegessen wurde. Die einzige wirklich gute Studie, mit einer großen Teilnehmerzahl und über acht Jahre hinweg, hat ergeben, dass es völlig egal war, wie sich die Probanden ernährt haben. Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes - alles gleich."

      Peter Nawroth von der Uni Heidelberg und Andreas Fritsche von der Uni Tübingen ärgern sich über den Stellenwert, den die Regeln der DGE haben: unwissenschaftlich und durch nichts belegt, lautet ihr Fazit. Die Bedeutung von gesunder Ernährung für ein längeres, gesünderes Leben wird aus ihrer Sicht völlig überschätzt. So wird ein gigantisches Geschäft befeuert: Ernährungsberater, Lebensmittelindustrie, Verlage - alle verdienen an der Angst vor Fehlernährung, obwohl man sich in Deutschland selten zuvor besser und nährstoffreicher ernährt hat als heute.

      Die journalistischen Filme der Reihe "betrifft" zeigen Entwicklungen auf, beziehen Standpunkt, liefern Analysen und erzählen Geschichten einzelner Menschen emotional nah am Zuschauer.

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