• 20.10.2014
      22:50 Uhr
      Weiße Sonne der Wüste Spielfilm UdSSR 1969 (Beloje solzne pustyni) - Schwerpunkt: Red Western | arte
       

      Auf dem Heimweg zu seiner geliebten Frau wird Rotarmist Suchow mitten in der zentralasiatischen Wüste mit der Aufgabe betraut, sich um neun befreite Haremsdamen zu kümmern. Er wird zum Beschützer der Frauen, was für ihn beinahe tödlich endet. "Weiße Sonne der Wüste" ist eine Art sowjetische Antwort auf das populäre amerikanische Westerngenre. Seit nach dem Unglück von Sojus 11 eine russische Weltraum-Crew den Film anschaute und erfolgreich startete, ist es bis heute ein Ritual, dass jeder Kosmonaut am Vorabend des Starts von Baikonur diesen Film sieht.

      Montag, 20.10.14
      22:50 - 00:15 Uhr (85 Min.)
      85 Min.
      Stereo HD-TV

      Auf dem Heimweg zu seiner geliebten Frau wird Rotarmist Suchow mitten in der zentralasiatischen Wüste mit der Aufgabe betraut, sich um neun befreite Haremsdamen zu kümmern. Er wird zum Beschützer der Frauen, was für ihn beinahe tödlich endet. "Weiße Sonne der Wüste" ist eine Art sowjetische Antwort auf das populäre amerikanische Westerngenre. Seit nach dem Unglück von Sojus 11 eine russische Weltraum-Crew den Film anschaute und erfolgreich startete, ist es bis heute ein Ritual, dass jeder Kosmonaut am Vorabend des Starts von Baikonur diesen Film sieht.

       

      Nach dem Ende des russischen Bürgerkriegs macht sich der Rotarmist Suchow quer durch die zentralasiatische Wüste östlich des Kaspischen Meeres auf den Heimweg ins ferne Russland. Tapfer hat er sich in den revolutionären Kämpfen bewährt, aber jetzt gelten alle seine Gedanken dem Wiedersehen mit seiner Frau Katarina. Plötzlich jedoch muss er gänzlich unerwartet ein neues und gefährliches Abenteuer bestehen.

      Mitten in der Wüste stößt er auf eine Einheit von Rotarmisten, welche die Bande des Räuberhauptmanns Abdullah verfolgt. Der grausame Bandit musste auf der Flucht vor den Soldaten seinen Harem zurücklassen. Suchow erhält nun den Auftrag, gemeinsam mit einem jungen und gänzlich unerfahrenen Rekruten die befreiten Haremsdamen in Sicherheit zu bringen. Mit großem Eifer versucht er, den neun orientalischen Schönheiten klarzumachen, dass sie nun frei sind; sie aber sehen in Suchow einfach nur ihren neuen Herrn und Gebieter, was Suchow das Leben nicht gerade leichter macht. Mehr oder weniger unbeschadet erreichen sie schließlich eine kleine Siedlung am Ufer des Kaspischen Meeres, als plötzlich der wütende Abdullah mit seiner Bande auftaucht und seinen Harem - tot oder lebendig - zurückhaben möchte.

      Zwar findet Suchow im Kampf gegen die Banditen einige wenige Helfer, so Said, einen Mann, den er in der Wüste vor dem sicheren Verdursten errettete, und einen alten martialischen Zollamtsverwalter, den es noch einmal zu kriegerischen Abenteuern drängt. Aber nur mit List, Glück und Courage kann er aus dem opferreichen Kampf mit den Gesetzlosen als Sieger hervorgehen.

      Ein spannender und humorvoller "Red Western" voller Sprachwitz und Selbstironie. Regisseur Wladimir Motyl und seine Drehbuchautoren Valentin Jeshow und Rustam Ibrahimbekow haben sich deutlich an den Mustern, Ausdrucksformen und Vorbildern des im Sozialismus offiziell verpönten Westerngenres orientiert. Doch ihr Film handelt von sowjetischer Befindlichkeit, spricht Fragen der Identität und nationalen Einheit an. Nicht zuletzt setzt er sich auch mit nationalistischen Tendenzen bei den zentralasiatischen Völkern auseinander, die sich bis heute gegen die russische Dominanz in der Region wehren.

      • Schwerpunkt: Red Western

      Eastern, Sauerkraut-Western, Red Western - letzteren Begriff wählte das Rotterdam Film Festival, dem das Verdienst gebührt, 2011 eine Retrospektive dieser vergessenen Filme zusammengestellt zu haben. Eine regelrechte Detektivarbeit war nötig, um Rechteinhaber und Kopien in der postsowjetischen Archivlandschaft ausfindig zu machen. ARTE zeigt drei der wichtigsten Red Western aus sowjetischer, tschechoslowakischer und DDR-Produktion.
      Sie entstammen den Goldenen 60ern, einer Blütezeit der kommunistischen Antworten auf den vermeintlich dekadenten Amerikanischen Western. Die jenseits des Eisernen Vorhangs entstandenen Filme handeln von Cowboys und Indianern wie ihre westlichen Vorbilder, aber ihre Helden könnten in einer anderen Zeit problemlos als Vorkämpfer für den realen Sozialismus erkannt werden. Die Filme sollten vor allem aber eines sein: Unterhaltung.

      Denn der US-amerikanische Western war seit den 20er Jahren ungeheuer populär, als er in der noch jungen Sowjetunion im Kino ausgewertet wurde. Stalin selbst war ein großer Western-Fan. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es bis zum Staatsbesuch Nikita Chruschtschows in den USA im Jahr 1962, bis der Western zurückkehrte. "Die Glorreichen Sieben" von John Sturges mit Yul Brunner in der Hauptrolle wurde in Stadien projiziert, um dem Besucheransturm standzuhalten. Die ungeheure Popularität des Films vor allem bei der Jugend machte die sowjetischen Funktionäre misstrauisch. Sie lancierten kritische Artikel, revidierten die Besucherzahlen nach unten und zogen den Film schließlich aus dem Verkehr.

      Zum 50. Geburtstag der Oktoberrevolution gaben sie grünes Licht für die Produktion eines Westerns kommunistischer Machart: "Weiße Sonne der Wüste" von Wladimir Motyl entstand ein Jahr nach dem Prager Frühling und handelt vom Verlust der Illusion eines demokratischen Sozialismus. Nichtsdestotrotz war der Film in der Sowjetunion ein großer Erfolg.

      In den 60ern fand auch die DEFA zum Genre. Die "korrekten Western" handelten von guten Indianern und bösen kapitalistischen Kolonialisten. Die Sauerkrautwestern wurden wie die westdeutschen Karl-May-Verfilmungen in Jugoslawien gedreht, casteten aber einheimische Darsteller wie den serbischen Leichtathleten Gojko Mitic, der in elf Filmen die indianische Hauptrolle verkörperte und nach der Wiedervereinigung den Winnetou bei den Karl-May-Festspielen des Westens in Bad Seegeberg! ARTE zeigt aus dieser Epoche den Schlüsselfilm, "Weiße Wölfe" aus dem Jahr 1969, in der Regie von Konrad Petzold und Bosko Boskovic. In Nebenrollen sind Rolf Hoppe und Michael Gwisdek zu sehen.

      1964 war in der Tschechoslowakei "Limonaden-Joe" entstanden, ein Musical und damit auch eine Genre-Parodie des Regisseurs Oldrich Lipský mit einigen animierten Sequenzen des berühmten Trickfilmregisseurs Jirí Trnka. Der Film bekam einen Preis in San Sebastián und war selbst in den USA erfolgreich. In der Sowjetunion war er ein Kassenerfolg, allerdings scheint es, dass das parodistische Element nicht verstanden wurde, weil die Referenz, der US-Western, der jüngeren Generation, die nicht gerade "Die glorreichen Sieben" gesehen hatte, fehlte.

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