• 27.10.2019
      11:20 Uhr
      Vox Pop Brexit: Der Schmetterlingseffekt | arte
       

      "Vox Pop" widmet seine 200. Ausgabe einem hochaktuellen Thema: dem Brexit und seinen wirtschaftlichen Folgen für Europa. Die Scheidung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien ist noch nicht vollzogen, und doch hat sie schon konkrete Auswirkungen auf den Alltag der Europäer.
      Niederlande, Spanien, Polen, Frankreich: "Vox Pop" ermittelt Brexit-Verlierer und Gewinner auf dem europäischen Kontinent. Von Belfast bis Dublin: Nora Hamadi spricht mit Menschen in Irland - der Region, die am stärksten vom "Brexit" betroffen ist.

      Moderation: John Paul Lepers

      Sonntag, 27.10.19
      11:20 - 11:50 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      VPS 11:25
      Stereo

      "Vox Pop" widmet seine 200. Ausgabe einem hochaktuellen Thema: dem Brexit und seinen wirtschaftlichen Folgen für Europa. Die Scheidung zwischen der Europäischen Union und Großbritannien ist noch nicht vollzogen, und doch hat sie schon konkrete Auswirkungen auf den Alltag der Europäer.
      Niederlande, Spanien, Polen, Frankreich: "Vox Pop" ermittelt Brexit-Verlierer und Gewinner auf dem europäischen Kontinent. Von Belfast bis Dublin: Nora Hamadi spricht mit Menschen in Irland - der Region, die am stärksten vom "Brexit" betroffen ist.

      Moderation: John Paul Lepers

       

      Stab und Besetzung

      Regie Nicolas Thepot
      Moderation Nora Hamadi
      • Brexit: Die Verlierer und die Gewinner

      Die Niederlande gehören unzweifelhaft zu den großen Gewinnern. Der drohende Brexit löste einen Wirtschaftsboom aus. 2018 ließen sich allein in Amsterdam 153 neue Unternehmen nieder und generierten mehr als 7. 000 Arbeitsplätze. Die Kehrseite der Medaille: Die Immobilienpreise schnellten in die Höhe. Auch Rotterdam bereitet sich auf den Brexit vor. Die Hafenstadt wird voraussichtlich zur wichtigsten Handelsplattform mit dem unabhängigen Großbritannien werden und am Brexit-Tag ab Mitternacht 10.500 zusätzliche Schiffe kontrollieren müssen, die mit einem Mal nicht mehr unter europäischer Flagge fahren werden. Um diese Kontrollen durchzuführen, hat die niederländische Regierung bereits mehr als 900 zusätzliche Zollbeamte und 145 Tierärzte eingestellt.

      In Frankreich herrscht Sorge bei den bretonischen Fischern. Manche denken bereits daran, sich beruflich umzuorientieren. Denn seit Inkrafttreten der Gemeinsamen Fischereipolitik 1980 bewirtschaften sie die europäischen Gewässer. Demnächst könnten sie auf hoher See mit einer neuen EU-Außengrenze konfrontiert sein.

      Gibraltar, die britische Enklave in Spanien, gehört zu den reichsten Regionen Europas. Aufgrund der wirtschaftlichen Besonderheiten werden die Auswirkungen des Brexits hier besonders spürbar werden. Rund 14.500 Pendler überqueren täglich die "Verja", den "Zaun", der Spanien vom britischen Staatsgebiet trennt - darunter 9.000 Spanier, mehr als 2.000 Briten und knapp 1.000 Portugiesen. In dieser Wohlstandsoase an der Südspitze Andalusiens gibt es keine Arbeitslosigkeit, das Wirtschaftswachstum liegt seit 2011 bei mehr als 10 % pro Jahr, das BIP pro Kopf erreicht laut IWF 61.000 Euro und ist somit das drittstärkste der Welt. Was wird nach dem Brexit aus dem Dienstleistungssektor auf Gibraltar, dem Motor der andalusischen und damit der spanischen Wirtschaft?
      Für Polen schließlich ist der Brexit besonders verheerend, denn in Großbritannien leben rund 800.000 Polen. 2017 schickten sie fast eine Milliarde Euro in die polnische Heimat. Die Hälfte der Exil-Polen lebt seit weniger als fünf Jahren auf der britischen Insel und wird nach dem Brexit somit keine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Die polnische Regierung, die über die demografische Entwicklung im Land besorgt ist, würde sie gern nach Hause holen. Doch ob die Auswanderer dies auch wollen, steht in den Sternen; denn schließlich würde sich ihr Lohn mehr als halbieren.

      • Kann der Brexit einen Bürgerkrieg auslösen?

      Die Zukunft der irischen Grenze ist einer der größten Stolpersteine in den Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien. Hier tritt die Uneinigkeit der beiden Lager besonders deutlich zutage. Der Brexit weckt die Geister des Irischen Bürgerkriegs, heizt die Spannungen zwischen den Gemeinschaften an und bedroht Wirtschaft und Landwirtschaft. Wird der Brexit die Errungenschaften zweier Friedensjahrzehnte zunichtemachen?

      Um Antworten auf diese Frage zu finden, reist Nora Hamadi von Dublin nach Belfast. An der inneririschen Grenze begegnet sie verschiedenen, wichtigen Akteuren, die direkt vom Brexit betroffen sind.
      Ann Travers ist Augenzeugin der neuerlichen Gewaltausbrüche, welche die Insel seit April 2018 erschüttern: Sprengstoffanschläge, Autobomben, Unruhen … Am 18. April verlor sie eine Freundin bei einem von der neuen IRA organisierten Aufstand.
      Dany Morrison war eine wichtige Figur der IRA und ihres politischen Arms Sinn Féin. Sein militantes Engagement im Bürgerkrieg brachte ihm zehn Jahre Haft ein. Heute ist er überzeugt, dass nichts einen neuerlichen bewaffneten Konflikt rechtfertigt. Er fürchtet, dass es wieder zu Spannungen kommen wird.
      Damian McGenity ist Landwirt in der Gemeinde Jonesborough direkt an der inneririschen Grenze und engagiert sich gegen den Brexit. Mit seinem Verein "Border Communities Against Brexit", der Bürger, Geschäftsleute, Katholiken und Protestanten vereint, kämpft er gegen die Absurdität des

      Austrittsabkommens und die Rückkehr einer "harten" Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland. 2017 erhielt "Border Communities Against Brexit" den Europäischen Bürgerpreis des Europaparlaments aus den Händen von Guy Verhofstadt, der in den Brexit-Verhandlungen das Parlament repräsentiert. BCAB ist eine Stimme, die fortan gehört wird.
      Kieran Kennedy ist der Geschäftsführer von O'Neill Sport, dem offiziellen Ausstatter der irischen Rugbymannschaft, die als einziges Sportteam alle Provinzen der Insel - inklusive Nordirland - vereint. Die Sportbekleidungsmarke besteht seit hundert Jahren und ist auf beiden Seiten der Insel etabliert. Auf ihrem Weg zwischen den Fertigungswerken in Dublin und Strabane überqueren die Waren bis zu achtmal die ehemalige Demarkationslinie. Die Rückkehr der Grenze wäre eine Katastrophe für das Unternehmen.
      Mark Daly ist Senator und Anhänger der Wiedervereinigung der Insel. Eine alte Vorstellung, die nie so greifbar nahe schien. Heute ist die von den Republikanern des Sinn Féin getragene Idee weder für die Regierung von Leo Varadkar noch für die konservative Oppositionspartei Fianna Fáil tabu.

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      Sonntag, 27.10.19
      11:20 - 11:50 Uhr (30 Min.)
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      VPS 11:25
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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 18.10.2019