• 23.04.2013
      21:35 Uhr
      Trockengelegt - Konfliktherd Totes Meer Dokumentarfilm Frankreich 2013 | arte
       

      Jedes Jahr sinkt der Spiegel des Toten Meeres um einen Meter. Das allmähliche Austrocknen geht auf die Salzgewinnung durch Chemiefabriken und die Verschmutzung des Jordans zurück. Eine mögliche Rettung wäre der Bau eines Kanals zwischen dem Roten und dem Toten Meer. Damit könnten Wasserkraftwerke betrieben werden, die das Meerwasser entsalzen und die Region mit Trinkwasser versorgen könnten. Aber dazu müssten sich die Anrainer des Toten Meeres, Jordanier, Israelis, Palästinenser einig werden.

      Dienstag, 23.04.13
      21:35 - 22:55 Uhr (80 Min.)
      80 Min.
      Stereo HD-TV

      Jedes Jahr sinkt der Spiegel des Toten Meeres um einen Meter. Das allmähliche Austrocknen geht auf die Salzgewinnung durch Chemiefabriken und die Verschmutzung des Jordans zurück. Eine mögliche Rettung wäre der Bau eines Kanals zwischen dem Roten und dem Toten Meer. Damit könnten Wasserkraftwerke betrieben werden, die das Meerwasser entsalzen und die Region mit Trinkwasser versorgen könnten. Aber dazu müssten sich die Anrainer des Toten Meeres, Jordanier, Israelis, Palästinenser einig werden.

       

      Stab und Besetzung

      Regie George Khleifi

      Sein Meeresspiegel sinkt jedes Jahr um einen Meter: Wenn nichts unternommen wird, ist das Tote Meer in 30 Jahren nur noch ein Teich. Die Dokumentation zeigt, dass das allmähliche Austrocknen des Toten Meeres eines der brisantesten Probleme des Nahen Ostens symbolisiert: Wasserknappheit.

      Wasser ist in dieser Region der Welt ein Konfliktherd: Es gilt das Gesetz des Stärkeren. Am schlimmsten trifft es derzeit die Palästinenser. Das prognostizierte Verschwinden des Toten Meeres ist von Menschen verursacht: Chemiefabriken mit Sitz in Jordanien und Israel gewinnen Mineralsalze aus dem Meer und beschleunigen damit die Verdunstung des Wassers.

      Der Jordan, der das Tote Meer jahrhundertelang mit Süßwasser speiste, kommt nur noch als stinkendes Rinnsal hier an. Er wird in seinem Verlauf von allen Nachbarstaaten angezapft, um den Bedürfnissen einer nicht ans Klima angepassten Landwirtschaft gerecht zu werden.

      Dabei sind Lösungen möglich, insbesondere der Bau eines Kanals zwischen dem Roten und dem Toten Meer. Damit könnten starke Wasserkraftwerke betrieben werden, um das Meerwasser zu entsalzen, die gesamte Region mit Trink- und das Tote Meer mit Frischwasser zu versorgen. Aber es gibt eine Voraussetzung: Alle Anrainer des Toten Meeres - Jordanier, Israelis, Palästinenser - müssten sich einigen, um diese Lösungen mit Unterstützung der Weltbank umzusetzen. Dann würde das Tote Meer zur Lebensquelle.

      Der Spiegel des Toten Meeres liegt 400 Meter unter dem anderer Meere, seine Landschaften sind von atemberaubender Schönheit, sein Wasser hat einzigartige heilende Eigenschaften. Die Katastrophe betrifft eine der Wiegen unserer Zivilisation und einen "Finalisten" der sieben neuen Weltwunder.

      Vor den Küsten Europas tickt eine Zeitbombe. 114.726 Tonnen Atommüll liegen dort - ein Endlager auf dem Meeresgrund. Amtliche Dokumente belegen, dass an 15 Stellen 222.732 Fässer verklappt wurden. Bis 1982 versenkten neun europäische Staaten schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Nordostatlantik, darunter auch Deutschland. Der Themenabend zeigt die Stellen, an denen die atomaren Altlasten liegen, und deckt auf, was aus dem vergessenen Endlager im Meer geworden ist.
      Außerdem wirft er einen Blick auf den "Atomfriedhof Arktis" und dokumentiert, dass Russland bis 1992 hoch radioaktiven Atommüll und sogar ein ausrangiertes Atom-U-Boot samt Kernwaffen an Bord im Eismeer versenkte.

      Aus heutiger Sicht ist es die wohl größte Umweltsünde in Europa, die je von Regierungen begangen wurde. Die Verklappung von Atommüll, also dessen Verbringung in Gewässer, war nicht nur legal, sondern galt sogar als sicheres "Entsorgungskonzept". Die Verantwortlichen gingen davon aus, dass der radioaktive Abfall in 4.700 Metern Tiefe sicher "beseitigt" sei. Man nahm an, dass eventuell ausdringende, radioaktive Stoffe im Ozean "verdünnt" würden. Heute ist die "Verdünnung" von radioaktiven Abfällen verboten, weil die Radioaktivität dabei nicht verringert, sondern unkontrolliert verteilt wird. Freigesetzte Isotope gelangen über die Nahrungskette auch aus einer Tiefe von mehr als 5.000 Metern hinauf in Fischfangzonen. Seit 1995 ist das Versenken von Atommüll weltweit verboten. Inzwischen wurde in den Versenkungsgebieten in Wasserproben Plutonium 238 nachgewiesen. Wenige Millionstel Gramm Plutonium im Körper sind für den Menschen tödlich. Welche Gefahren gehen heute von diesen Fässern aus?

      Auch die Russen versenkten strahlenden Abfall und radioaktive Abwässer ganz regulär in der Arktischen See, bis 1992 auch hoch radioaktiven Atommüll. Die Nordmeerflotte der Roten Armee entledigte sich sogar eines Atom-U-Bootes mit havariertem Reaktor. Und zwei sowjetische Atom-U-Boote versanken darüber hinaus bei Unglücken im Eismeer. Alle drei Boote liegen bis heute auf dem Grund der Arktis. Unterwasseraufnahmen belegen: Rost zernagt die Schutzhüllen. Das Salzwasser dringt in das Innere ein. Offiziell räumt der Kreml keine akute Gefahr ein, doch intern schlagen russische Regierungsbeamte Alarm: Die Zeit drängt. Die versenkten Hinterlassenschaften der atomgetriebenen Nordmeerflotte drohen wichtige Fischgründe radioaktiv zu verseuchen.

      Der Themenabend nimmt sich dieser von West wie Ost begangenen Umweltsünden an.

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