• 08.02.2011
      21:10 Uhr
      Tokyo Freeters Japans junge Aussteiger - Thema: Jung, aktiv und kampfbereit | arte
       

      In Japan verbreitet sich eine neue Lebens- und Arbeitsform: Die sogenannten Freeters leben von schlecht bezahlten Minijobs. Heute sind viele Japaner auch aufgrund der Wirtschaftskrise gezwungen, ihr Leben auf diese Weise zu bestreiten.

      Dienstag, 08.02.11
      21:10 - 22:00 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Geänderte Sendezeit!
      Stereo HD-TV

      In Japan verbreitet sich eine neue Lebens- und Arbeitsform: Die sogenannten Freeters leben von schlecht bezahlten Minijobs. Heute sind viele Japaner auch aufgrund der Wirtschaftskrise gezwungen, ihr Leben auf diese Weise zu bestreiten.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Marc Petitjean

      Sie werden als Freeters bezeichnet; der Begriff setzt sich aus dem Anfang des englischen Worts "freetime" und der Endung des deutschen Wortes "Arbeiter" zusammen.

      Der Name kam in den 90er Jahren auf. Damals benannte er Aussteiger, die nicht - wie in Japan üblich - ihr ganzes Leben einer Firma widmen wollten, sondern sich lieber mit Minijobs durchschlugen, um mehr Zeit zur freien Verfügung zu haben. Die heutigen Freeters haben diese Entscheidung im Gegensatz zur vorherigen Generation nicht immer aus freien Stücken getroffen. Viele sind zu dieser Lebensweise gezwungen - durch die wirtschaftliche Lage und weil die Unternehmen schnell verstanden haben, angesichts der Krise schlechtere Arbeitsbedingungen durchzusetzen und Nutzen aus den Zeitarbeitern zu ziehen. Einige Freeters verdienen nicht einmal genug, um sich eine eigene Wohnung zu leisten. Sie übernachten in rund um die Uhr geöffneten Internetcafés; diese Untergruppe wird auch Net Refugees genannt.

      Tokioer Freeters entwickeln nun ein Gegenmodell zu dem ihnen veraltet erscheinenden herrschenden Gesellschaftsmodell. Dieser neue Lebensstil, eine japanische Antikultur, beeinflusst immer weitere Kreise. Die Dokumentation befasst sich mit dieser neuen Gruppe von jungen Menschen, die sich dem System verweigern. Sie lassen die konformistischen Modelle Japans hinter sich, lehnen Konsumrausch und Arbeit bis zum Umfallen ab und sind davon überzeugt, dass ein gewisser Verzicht auf äußere Werte den inneren Reichtum fördert.

      Themenabend: Jung, aktiv und kampfbereit. Wo ist der revolutionäre Geist der 68er geblieben? Unsere heutige Gesellschaft scheint sich eingerichtet und mit vielem arrangiert zu haben. Doch vielleicht ist die Ruhe trügerisch. Überall auf der Welt formieren sich alternative Bewegungen. Getragen werden sie von jungen Menschen, die als Globalisierungsgegner, Freeters oder Eco Warriors Akteure des Widerstands oder Opfer eines Systems sind, an dessen Rande sie leben. Sie haben diese Gesellschaftsordnung weder mit aufgebaut, noch gewählt und lehnen sie ab.

      Kurz vor den Studentenprotesten im Mai 1968 veröffentlichte der Journalist Pierre Viansson-Ponté in "Le Monde" einen Artikel mit dem Titel "Frankreich langweilt sich". Darin prangerte er die weit verbreitete Lethargie an und beschwor einen gesellschaftlichen Wandel herauf. Auch heute wirkt die Gesellschaft auf den ersten Blick wie gelähmt. Doch möglicherweise entwickelt sich gerade jetzt wieder eine mächtige Gegenbewegung, die wir nur nicht richtig wahrnehmen. Vielleicht sind wir blind für den aus verschiedenen Richtungen und Kontinenten zusammenwachsenden Protest der Jugend. Auf meist verschwommene und wenig organisierte, manchmal auch gewaltsame Art sagen alle das Gleiche: Es reicht!

      Sie haben genug von einer Welt des Konsums und der sozialen Ungleichheit, genug vom Raubbau an der Natur auf Kosten der kommenden Generationen und genug von einer Gesellschaft, die ihre eigenen Kinder mit Gleichgültigkeit, Individualismus und Habgier ausgrenzt. Friedlich oder mit Gewalt, aus Überzeugung oder aus Notwendigkeit, erfinden diese Jugendlichen heute eine neue Form des Ungehorsams. Mit ihrer Art zu leben unterwandern sie die herrschenden Konsumgewohnheiten und schaffen damit einen subversiven Gegenentwurf zum gängigen Gesellschaftsmodell.

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      Dienstag, 08.02.11
      21:10 - 22:00 Uhr (50 Min.)
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