• 09.07.2012
      04:00 Uhr
      Schick aber schädlich Kleidung, die krank macht - Thema: Gift - Unser tägliches Risiko | arte
       

      Immer wieder finden sich Spuren gesundheitsschädlicher Stoffe in Kleidung und Schuhen. Von Kopf bis Fuß ist man von giftigen Substanzen umgeben. Die Ursachen liegen im globalen Handel, im enormen Preisdruck und einer Modewelt, die sich jeder staatlichen Kontrolle entzieht. Die Dokumentation ist den Spuren der Gifte gefolgt.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 09.07.12
      04:00 - 05:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      Immer wieder finden sich Spuren gesundheitsschädlicher Stoffe in Kleidung und Schuhen. Von Kopf bis Fuß ist man von giftigen Substanzen umgeben. Die Ursachen liegen im globalen Handel, im enormen Preisdruck und einer Modewelt, die sich jeder staatlichen Kontrolle entzieht. Die Dokumentation ist den Spuren der Gifte gefolgt.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Inge Altemeier, Reinhard Hornung

      Die neuesten Jeans, verführerische Dessous, trendige Schuhe - viele Modeketten locken mit schicker Kleidung zu günstigen Preisen. Doch der schöne Schein trügt. Oft finden sich bedenkliche Chemikalien in den Textilien. Auch Rita Lemoine leistete sich ein Paar schöne neue Schuhe und ahnte nicht, dass das teure Modell mit dem Antischimmelmittel DMF belastet war. Rita Lemoine litt unter Lähmungen und ihre Haut war wie verbrannt. Zwar ist DMF seit 2009 in der EU verboten, aber es fehlen Kontrollen. Besonders in Schuhen aus China wird das Gift immer wieder gefunden.

      Ein Großteil der in Europa verkauften Kleidung kommt aus Asien. Dort werden Chemikalien eingesetzt, die hier tabu sind. Besonders in Bangladesch fordert die Textilproduktion ihre Opfer. Immer wieder sterben Arbeiter in den Gerbereien durch die verwendeten Gifte. Chrom, Azofarben, Chlorgas, alles ist dort frei erhältlich. Dass es immer noch eingesetzt wird, erlebt der Chemiker Thorsten Ollesch bei der Messung der Containerluft im Hamburger Hafen. Zwei Drittel der Importcontainer sind mit chlororganischen Substanzen belastet.

      Auch hierzulande leiden Arbeiter in der Textilbranche. Frauke Driessen bügelte zehn Jahre lang Jeans für ein großes Modehaus. Sie wurde krank. In ihrem Blut fand man die vermutlich krebserregende Substanz Dichlormethan, die auch in der Raumluft der Fabrik nachgewiesen wurde. Frauke Driessen ist kein Einzelfall. Jeans werden meist mit Chlor gebleicht, mit Formaldehyd in Form gehalten, und immer wieder werden billige Farbstoffe eingesetzt. Diese wurden auch im Blut von Julia Neumann gefunden. Die junge Frau hat als Dekorateurin für eine internationale Modekette gearbeitet und bekam Nierenprobleme.
      Welche Wirkungen die schädlichen Stoffe auf den Verbraucher haben, kann man heute erst ahnen. Die Haut ist das größte Organ. Wenn sich die Giftstoffe aus der Kleidung über Jahre im Körper anreichern, können sie Allergien, Nervenkrankheiten und möglicherweise sogar Krebs verursachen.

      Zum Themenabend "Gift - Unser tägliches Risiko":
      Täglich werden die Verbraucher mit einer Vielzahl von Giften konfrontiert, sei es in Lebensmitteln, in Textilien, in Spielzeug oder Möbeln. Trotz aller Verbote, Grenzwerte und Kontrollen gibt es keinen ausreichenden Schutz, denn immer neue Giftstoffe gelangen auf den Markt, deren Nachweis immer schwieriger wird. Der Themenabend zeigt zum einen die Gefährlichkeit gebräuchlicher Giftstoffe auf, präsentiert zum anderen aber auch Möglichkeiten, ein Leben ohne Gifte zu führen.

      Pestizide im Gemüse, Farbstoffe in der Kleidung, Weichmacher im Spielzeug - täglich nehmen Menschen überall auf der Welt eine Reihe von giftigen Substanzen auf. Gifte, die die Gesundheit nachweislich schädigen können. Trotz aller Grenzwertbestimmungen, Verbote und Kontrollen ist der Verbraucher auch in der westlichen Welt nicht ausreichend geschützt. Große Pharmakonzerne versorgen den außereuropäischen Markt mit Giften, die in Europa auf der Verbotsliste stehen. Die EU aber importiert massenhaft Ware aus Asien. Vieles davon gehört eigentlich auf den Sondermüll, landet aber in Europa auf den Ladentischen.

      Dazu kommt, dass nur wenige der Gifte, die regelmäßig verarbeitet werden, überhaupt nachweisbar sind. Der weitaus größere Teil ist nicht einmal bekannt, da die Hersteller immer neue Substanzen auf den Markt bringen. Der Gesetzgeber hinkt der Industrie stets hinterher, denn solange ein Gift nicht als schädlich identifiziert wurde, kursiert es auf dem Markt.

      Ein grundsätzlicher Umdenkungsprozess ist erforderlich. Seit Jahren arbeiten Wissenschaftler an der Entwicklung unbedenklicher Farben, Stoffe und Materialien. Dass ein Leben ohne Gifte durchaus möglich ist, sofern die Industrie bereit wäre, neue Wege einzuschlagen, zeigt die Dokumentation zum Abschluss des Themenabends.

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      Nacht von Sonntag auf Montag, 09.07.12
      04:00 - 05:00 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
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