• 26.09.2019
      12:15 Uhr
      Re: Pipeline contra Rentiere Nord Stream 2 und die Folgen | arte
       

      Die Gaspipeline „Nord Stream 2“ zwischen Russland und Europa ist für den Energiekonzern Gazprom und seine Mitarbeiter ein Symbol für Fortschritt und wirtschaftlichen Aufschwung. Die Menschen, die direkt an und mit der Trasse leben, befürchten dagegen die Zerstörung ihrer Umwelt, manche sehen sich sogar in ihrer Existenz bedroht - zum Beispiel die Rentierhirten in der sibirischen Tundra. "ARTE Re:" begleitet den Gazprom-Schlosser Sergej und den Rentier-Hirten Majko - beide führen ein Leben, das unterschiedlicher kaum sein könnte.

      Donnerstag, 26.09.19
      12:15 - 12:50 Uhr (35 Min.)
      35 Min.

      Die Gaspipeline „Nord Stream 2“ zwischen Russland und Europa ist für den Energiekonzern Gazprom und seine Mitarbeiter ein Symbol für Fortschritt und wirtschaftlichen Aufschwung. Die Menschen, die direkt an und mit der Trasse leben, befürchten dagegen die Zerstörung ihrer Umwelt, manche sehen sich sogar in ihrer Existenz bedroht - zum Beispiel die Rentierhirten in der sibirischen Tundra. "ARTE Re:" begleitet den Gazprom-Schlosser Sergej und den Rentier-Hirten Majko - beide führen ein Leben, das unterschiedlicher kaum sein könnte.

       

      Die Gaspipeline „Nord Stream 2“ von Russland nach Europa erhitzt die Gemüter: Totale Abhängigkeit von Russland - oder künftig einfach mehr Zuverlässigkeit für Gaskunden in Deutschland und Frankreich? Auch in Russland ist das Projekt vor allem aus Umweltschutzgründen umstritten. Am Polarkreis liegt das Gasfeld „Bovanenko“, das der russische Energiekonzern Gazprom betreibt. Von hier aus wird ab November 2019 ein großer Teil der Liefermenge in die Rohrleitung eingespeist. Die Trasse verläuft zunächst oberirdisch und dann ab Wyborg in Russland bis nach Lubmin im Nordosten Deutschlands auf dem Grund der Ostsee, insgesamt ist sie mehr als 1.200 Kilometer lang.

      Sergej Povetkin arbeitet seit zehn Jahren auf dem „Bovanenkovo“-Vorkommen - das bringt ihm und seiner Familie gutes Geld. Für "ARTE Re:" durfte erstmals ein Kamerateam den Alltag der Gazprom-Mitarbeiter auf dem Gasfeld detailliert dokumentieren. Der 50-Jährige arbeitet 30 Tage am Stück, jeden Tag bis zu zwölf Stunden und sorgt dafür, Lecks zu schließen oder gefährliche Situationen zu meistern. Seine Arbeit ist riskant. Dann darf er sich einen Monat lang zu Hause bei seiner Familie in Ufa westlich des Urals ausruhen, bis alles wieder von vorne beginnt - mehrere Flugstunden von seiner Heimat entfernt. Majko Seroettos Arbeitstag sieht hingegen ganz anders aus: Der 46-jährige ist seit 25 Jahren Hirte in der sibirischen Tundra. Den Bau der Gaspipeline empfinden er und seine Familie als Bedrohung. Die Zerstörung ihres Lebensraumes aufgrund der exzessiven Erschließung durch Gazprom erschwert ihnen ihre Arbeit und den Erhalt ihrer Tradition immens. Wenn sie mit ihren Rentieren im Sommer gen Kara-See wandern, müssen sie Eisenbahngleise oder Pipelines überqueren. Die Ausbeutung der Gasquellen raubt den Rentieren ihren Lebensraum, beklagen Majko und seine Familie. Sie verlieren immer häufiger Tiere, da es ihnen an Nahrung mangelt.

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