• 26.11.2017
      06:35 Uhr
      Paläste für das Volk (3/4) Parlamentspalast Bukarest | arte
       

      „Ich brauche etwas Großes, etwas sehr Großes.“ Der steingewordene Fiebertraum Ceausescus kostet Rumänien noch heute ein Vermögen und Bukarest große Teile seiner Altstadt. Doch trotz der Entbehrungen und des Leids, die der Bau mit sich brachte, ist das Gebäude heute Sitz der rumänischen Regierung und avanciert zum nationalen Statussymbol des jungen EU-Landes. Rund tausend internationale Gäste kommen tagtäglich, um sich ein Bild vom gigantischen Palast zu machen und ein wenig über seine Historie zu erfahren.

      Sonntag, 26.11.17
      06:35 - 07:05 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

      „Ich brauche etwas Großes, etwas sehr Großes.“ Der steingewordene Fiebertraum Ceausescus kostet Rumänien noch heute ein Vermögen und Bukarest große Teile seiner Altstadt. Doch trotz der Entbehrungen und des Leids, die der Bau mit sich brachte, ist das Gebäude heute Sitz der rumänischen Regierung und avanciert zum nationalen Statussymbol des jungen EU-Landes. Rund tausend internationale Gäste kommen tagtäglich, um sich ein Bild vom gigantischen Palast zu machen und ein wenig über seine Historie zu erfahren.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Georgi Bogdanov
      Boris Missirkov

      Der heutige Parlamentspalast in Bukarest hieß früher „Haus des Volkes“, wurde vom Volk selbst jedoch als „Haus des Sieges über das Volk“ bezeichnet. Verbaut wurden 700.000 Tonnen Stahl, 550.000 Tonnen Zement und eine Million Kubikmeter Marmor. Für den Bau des zweitgrößten Verwaltungsgebäudes der Welt ließ Ceausescu die Bevölkerung buchstäblich hungern. Von 1983 bis 1989 nach seinen Vorstellungen errichtet, wurde der Palast erst 1997, sozusagen posthum, fertiggestellt. Etwa ein Drittel des Stadtzentrums, sechs Synagogen und 22 Kirchen wurden dafür dem Erdboden gleichgemacht oder versetzt. 40.000 Wohnungen wurden zwangsgeräumt. Geschichte wurde überschrieben, Urbanisierung um jeden Preis vorangetrieben.

      Das Gebäude ist der steingewordene Größenwahn eines ehemaligen Schusterjungen, der als Staatschef seine Allmachtsfantasien auslebte und per Handzeichen ganze Straßenzüge vernichten lassen konnte. Archivaufnahmen zeigen die gigantische Baustelle, wimmelnd von schwer schuftenden Bauarbeitern. Zwischen ihnen stolziert Ceausescu und begutachtet das Treiben. Der Palast selbst ist so überdimensioniert, dass der Mensch sich unweigerlich winzig fühlt.

      Noch heute ist das Stadtzentrum Bukarests von Ceausescus Palast wie durchschnitten und vernarbt. Dass die erste demokratisch gewählte Regierung Rumäniens nahtlos in das Herrschaftsgebäude des totalitären Ceausescu zog, ist nicht unumstritten. Doch trotz aller Erinnerungen an Unterdrückung, Entbehrung und Vertreibung beim Bau dieses Palastes der Superlative will man ihn heute in Bukarest nicht mehr missen.

      Die Reihe erzählt die bisweilen bizarren Geschichten der gigantischen sozialistischen Volkspaläste und die der Menschen, die sie bauten, sie instand halten und in ihren Kindheitserinnerungen tragen. Protagonisten sind der Palast der Wissenschaften in Moskau, der Palast Serbiens in Belgrad, der Kulturpalast in Sofia und der Parlamentspalast in Bukarest. Diese Paläste für das Volk, einst für eine revolutionäre Ewigkeit gebaut, haben ihre Auftraggeber überdauert und suchen nun nach neuer Bedeutung und Verwendung in einer Welt ohne Könige. Eine abenteuerliche Schlossführung in vier Teilen.

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      Sonntag, 26.11.17
      06:35 - 07:05 Uhr (30 Min.)
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