• 21.11.2012
      23:20 Uhr
      Mutter Krausen's Fahrt ins Glück Spielfilm Deutschland 1929 - Thema: ARTE FilmFestival | arte
       

      "Mutter Krausen's Fahrt ins Glück" ist ein Klassiker des proletarischen Kinos der Weimarer Republik. In großartigen dokumentarischen Bildern erzählt er von den Lebensbedingungen im Berliner Stadtteil Wedding Ende der 20er Jahre und stellt sich dabei die Klassenfrage. Der Film wurde vom Filmmuseum München als Koproduktion mit ZDF/ARTE restauriert.

      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 21.11.12
      23:20 - 01:35 Uhr (135 Min.)
      135 Min.
      Stereo

      "Mutter Krausen's Fahrt ins Glück" ist ein Klassiker des proletarischen Kinos der Weimarer Republik. In großartigen dokumentarischen Bildern erzählt er von den Lebensbedingungen im Berliner Stadtteil Wedding Ende der 20er Jahre und stellt sich dabei die Klassenfrage. Der Film wurde vom Filmmuseum München als Koproduktion mit ZDF/ARTE restauriert.

       

      Der Film erzählt die Geschichte der alten Mutter Krause. Sie lebt mit ihren erwachsenen Kindern Erna und dem arbeitslosen Paul im Berliner Stadtteil Wedding und verdient ihr Geld als Zeitungsausträgerin. Das einzige Zimmer wurde an einen Schlafburschen und seine Freundin vermietet, die für ihn anschaffen geht. Als Paul das Zeitungsgeld der Mutter versäuft und durch einen Einbruch wieder zu beschaffen versucht, bricht die mühsam aufrechterhaltene Ordnung zusammen. Mutter Krause öffnet angesichts ihrer verzweifelten Lage den Gashahn. Nur Erna und ihr neuer Freund Max finden einen Ausweg: Sie schließen sich den Kommunisten an, die durch Berlin ziehen.

      Der Film ist inspiriert von Zeichnungen und Erzählungen von Heinrich Zille, der im Sommer 1929 gestorben war. Bei den Dreharbeiten stand Käthe Kollwitz dem Regisseur Phil Jutzi als Rat zur Seite, der mit diesem Film den Vorläufer zu "Kuhle Wampe" (1932) geschaffen hat. Nun ist Phil Jutzis Film vom Filmmuseum München restauriert worden und liegt in einer brillanten HD-Fassung vor.

      Am 30. Dezember 1929 erlebte "Mutter Krausen's Fahrt ins Glück" im Alhambra-Kino auf dem Berliner Kurfürstendamm seine Premiere und war einer der größten Filmerfolge des Jahres. Regisseur Phil Jutzi hatte zuvor den semidokumentarischen Arbeiterfilm "Hunger in Waldenburg" (1929) im schlesischen Kohlerevier Waldenburg gedreht. Aufgrund seiner klassenkämpferischen Tendenz konnte dieser Film jedoch nur in einer stark gekürzten Fassung gezeigt werden. Mit dieser Filmerfahrung war Phil Jutzi an die Dreharbeiten für "Mutter Krausen's Fahrt ins Glück" gegangen, der sowohl im Berliner Stadtteil Wedding wie auch in den Studios der Jofa-Ateliers in Berlin-Johannisthal entstand. Der Kommunist Otto Nagel, der im künstlerischen Beirat des Films war, schildert die Produktionsgeschichte in einem Zeitungsbeitrag: "[...] Zum ersten Mal hat hier eine Gruppe proletarischer Filmleute die Möglichkeit gehabt, einen Film zu drehen. Es ist selbstverständlich, dass [in] diesem Film, falls er dem verstorbenen Heinrich Zille gerecht werden sollte, sein Milljöh, seine Typen unverfälscht dargestellt werden mussten. In den proletarischen Elendsbezirken, vor allem am Wedding, fand Zille seine Motive, hier leben die Menschen, die er in seinen Bildern dargestellt hat. Was lag also näher, als dorthin zu gehen und in den Wohnungen, Kneipen, auf den Höfen, Rummelplätzen, Straßen, Lumpenstampen die Aufnahmen zu machen und die originalen Zille-Menschen mitspielen zu lassen. [...]" ("Mit der Kamera am Wedding" / "Die Welt am Abend", 30. Dezember 1929)
      Zur Restaurierung des Films:

      "Mutter Krausen's Fahrt ins Glück" war bisher in der Fassung bekannt, die Otto Nagel 1957 für das Staatliche Filmarchiv der DDR herstellte. Otto Nagel war als Berliner Maler und Freund von Heinrich Zille selbst an der Entstehung des Films beteiligt und gehörte neben Käthe Kollwitz und Hans Baluschek zum künstlerischen Beirat der Filmproduktion. Seine Fassung von 1957 beruht auf einem dänischen Nitromaterial (dem einzigen, das Nagel damals zur Verfügung stand) mit Springtiteln, die Nagel rückübersetzte und bearbeitete. Die dabei entstandene Fassung mit circa 105 Titeln ist 2.846 Meter lang; die Differenz zur Premierenfassung, die so auch die Zensur passierte: 451 Meter (= 20' bei 20 fps).

      Offenbar war der Film kurz nach seiner Premiere gekürzt und verändert worden. Diese Passagen fehlen sowohl in dem dänischen Nitro-Material, als auch in der historischen Vorführkopie des Münchner Filmmuseums. Beide Materialien waren Basis der neuen Rekonstruktion. Dritte Quelle war das Drehbuch, das in der Deutschen Kinemathek überliefert ist. Mit ihm konnten fehlende Passagen durch Erklärtitel ergänzt und der originale Wortlaut der insgesamt 165 Zwischentitel weitgehend wiederhergestellt werden. Das Konzept der Rekonstruktion stammt vom Leiter des Münchner Filmmuseums, Stefan Drößler, der auch die technische Durchführung und HD-Restaurierung betreute.

      Zur neuen Musik:
      Die neue Filmmusik zur restaurierten Kopie des Filmmuseums München schrieb Michael Gross, der viele Jahre Solotrompeter beim Ensemble Modern und beim Klangforum Wien war. Für dieses Projekt reaktiviert er sein legendäres "MutterOrchester", das anlässlich von Claus Peymanns Inszenierung der "Mutter" von Brecht und Eisler entstand. Michael Gross' Filmmusik baut auf einem starken Bläser- und Percussionssatz auf und spannt den großen Bogen zwischen Berlin und dem Jazz-Rock der 70er und 80er Jahre. Blues- und Rockelemente sind genauso zu finden wie "Echtzeitmusik" und durchkomponierte Avantgardemusik. In diesem Mix unterschiedlicher Genres entfaltet der Film eine außerordentliche Präsenz und es wird erlebbar, wie avanciert die Produktionen der Prometheus-Film waren.
      Die neue Filmmusik wurde als Kooperation mit der Volksbühne Berlin und der Deuts

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      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 21.11.12
      23:20 - 01:35 Uhr (135 Min.)
      135 Min.
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