• 29.08.2010
      17:00 Uhr
      Mein Leben - Eckart Witzigmann Dokumentarfilm Österreich / Deutschland 2010 | arte
       

      Die Zeit vor und die Zeit nach Eckart Witzigmann: So teilt der "Guide Michelin" die deutsche Küche ein. Eckart Witzigmann, gebürtiger Österreicher, brachte 1970 die Nouvelle Cuisine nach Deutschland und löste damit eine Revolution aus.

      Sonntag, 29.08.10
      17:00 - 17:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Die Zeit vor und die Zeit nach Eckart Witzigmann: So teilt der "Guide Michelin" die deutsche Küche ein. Eckart Witzigmann, gebürtiger Österreicher, brachte 1970 die Nouvelle Cuisine nach Deutschland und löste damit eine Revolution aus.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Michael Hofmann

      Die Geschichte von Eckart Witzigmann ist eine klassische Ikarus-Geschichte: ein Götterliebling, ein Geschmacksgenie, das 20 rohe Kartoffelsorten am Biss erkennt, ein vom Kochen Besessener, der erste Dreisternekoch außerhalb Frankreichs, "Koch des Jahrhunderts" bei Gault Millaut, der dann der Sonne zu nahe kam und grausam abstürzte. Doch er hat sich wieder nach oben gekämpft, und es wirkt wie ein Wink des Schicksals, dass er nun seit einigen Jahren Patron des Restaurants Ikarus im Hangar 7 in Salzburg ist.
      Eckart Witzigmann schildert offenherzig, humorvoll und bewegend seinen Aufstieg zu Deutschlands bestem Koch, der er über 20 Jahre war, seinen tiefen Fall durch die sogenannte Kokainaffäre 1993 und die Zeit nach der "Aubergine", dem legendären Münchner Restaurant, das er 1978 eröffnete.
      In österreichischen Bad Gastein zeigt Witzigmann die Stätten seiner Kindheit, trifft Verwandte und einige enge Freunde. Aus einfachen Verhältnissen stammend, erlernt Witzigmann mit 15 Jahren - gegen den Wunsch seiner Eltern - den damals nicht sehr hoch angesehenen Kochberuf. Es schmerzt ihn immer noch, dass seine Eltern nie nachvollziehen konnten, dass ihr Kind zu einem der besten Köche der Welt und zu einer Berühmtheit wurde - ihnen hat noch nicht einmal das Essen in seinen Restaurants geschmeckt. Als Hommage an seine Mutter kocht Witzigmann auf der Hütte seines Cousins ihre "Schwammerlsuppe", für die er als Kind immer die Pilze gesammelt hat.
      Als nächste Station besucht Witzigmann die weltberühmte "Auberge de l'Ill" in Illhäusern, wo sein Leben Mitte der 60er Jahre die entscheidende Wendung nahm.
      Er wird Schüler von Paul Haeberlin, dem nach Bocuse zweiten Dreisternekoch überhaupt - und lernt eine ganz neue kulinarische Welt kennen, von der Deutschland noch Lichtjahre entfernt ist. Laut Paul Haeberlin sei er nicht nur sein bester Schüler gewesen, er habe ihn sogar übertroffen. Hier kocht er mit Marc Haeberlin, der die Nachfolge seines Vaters angetreten hat, dessen berühmte "Mousseline de grenouilles" (Schaum von Froschschenkeln auf Blattspinat), die er als Schüler viele Hundert Mal zubereitet hat und die entscheidend dazu beitrug, dass die Auberge de l'Ill den dritten Stern erhielt.
      In München schließlich sieht man Witzigmann im Tantris, dem Restaurant, mit dem er 1971 nach großen Anlaufschwierigkeiten die Nouvelle Cuisine nach Deutschland brachte und damit eine Revolution einleitete. Die Münchener "Aubergine-Zeit", die von 1978 bis 1993 dauerte, wird lebendig durch dokumentarische Aufnahmen sowie Gespräche mit damaligen Kochschülern und der Familie. Hier erhielt Witzigmann nach nur einem Jahr den dritten Michelinstern, den er 15 Jahre behielt, hier wurde er weltberühmt, feierte seine größten Erfolge und hier erlebte er mit der "Kokainaffäre" seine größte Tragödie.
      Ganz nebenbei erzählt der "Fall Witzigmann" auch exemplarisch eine Sittengeschichte der 80er Jahre in München: Es wurde geprotzt, exzessiv gefeiert und geschlemmt, und Kokain eroberte die feine Gesellschaft im Sturm. Als die Staatsgewalt dann - durch den Verrat einer Geliebten - mit Witzigmann einen berühmten Protagonisten am Wickel hatte, wurde an ihm ein Exempel statuiert. Er wurde mit Lizenzentzug und dem damit einhergehenden Verlust seiner Existenz als Patron und Küchenchef bestraft.
      Witzigmann schildert erstmals öffentlich und höchst bewegend die schlimmste Katastrophe seines Lebens. Er gesteht seine Fehler ein und berichtet von der medialen Hexenjagd, die über ihn und seine Familie hereinbrach und von der Häme, mit der er plötzlich konfrontiert war. Viele, die ihn vorher umschmeichelten, traten auf ihn ein, als er ganz am Boden lag. Von den "großen Freunden", die er auf das Großzügigste bewirtet hatte, war plötzlich nichts mehr zu sehen. Doch ein Witzigmann gibt nicht auf.

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      Sonntag, 29.08.10
      17:00 - 17:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

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