• 25.09.2012
      15:00 Uhr
      Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben Fernsehfilm Deutschland 2009 | arte
       

      Die Verfilmung der Autobiografie von Deutschlands einflussreichstem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Von seiner Kindheit in Polen und der Schulzeit in Berlin, über die Deportation und den täglichen Überlebenskampf im Warschauer Ghetto, wo er die Liebe seines Lebens findet, bis hin zu seiner Wiederkehr nach Deutschland: die jungen Jahre des heute 92-Jährigen.

      Dienstag, 25.09.12
      15:00 - 16:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo HD-TV

      Die Verfilmung der Autobiografie von Deutschlands einflussreichstem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Von seiner Kindheit in Polen und der Schulzeit in Berlin, über die Deportation und den täglichen Überlebenskampf im Warschauer Ghetto, wo er die Liebe seines Lebens findet, bis hin zu seiner Wiederkehr nach Deutschland: die jungen Jahre des heute 92-Jährigen.

       

      Marcel Reich-Ranicki kommt 1920 als Sohn deutsch-polnischer jüdischer Eltern zur Welt und wächst in Wloclawek in Polen auf. Das Abitur macht er in Berlin, wohin er mit den Eltern umsiedelt. Der aus Polen zugezogene Gymnasiast kennt die deutsche Literatur binnen kurzer Zeit besser als seine Mitschüler.

      Zum Studium wird er wegen der Rassengesetze nicht mehr zugelassen. Als polnischer Jude wird er 1938 nach Polen deportiert und zwei Jahre später ins Warschauer Ghetto umgesiedelt. Hier lernt er unter unmenschlichen Umständen die Liebe seines Lebens kennen. Gemeinsam stellen sie sich einem unvorstellbaren Überlebenskampf. Der Hochzeitstag mit Theophila, genannt "Tosia", fällt mit dem Beginn der brutalen Räumung des Ghettos zusammen. Reich-Ranickis Eltern, sein Bruder und Tosias Mutter kommen in den Vernichtungslagern ums Leben.

      Im Februar 1943 gelingt dem jungen Paar - wie nur sehr wenigen - die Flucht aus dem Ghetto in den Warschauer Untergrund. Ein polnischer Schriftsetzer nimmt sich ihrer an und versteckt die Hilfesuchenden, bis die sowjetische Armee das Land befreit. Reich-Ranicki tritt der Kommunistischen Partei Polens bei und arbeitet von 1948 bis 1949 zugleich für den polnischen Geheimdienst und als Konsul der Republik Polen in London.

      In den 50er Jahren entschließt sich das Ehepaar Reich-Ranicki zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie gehen in die Bundesrepublik Deutschland. Trotz all dem durch Deutsche erfahrenen Leid hat Marcel Reich-Ranicki die Liebe zur deutschen Sprache und Literatur bewahrt und sein Leben in den Dienst der Literatur gestellt.

      In Rückblenden erzählt der Regisseur Dror Zahavi die frühe Lebensgeschichte von Marcel Reich-Ranicki zwischen dessen achtem und 38. Lebensjahr. Das exemplarisch jüdische Schicksal handelt von Demütigung und Todesangst, aber auch von Liebe und der durch nichts zu erschütternden Leidenschaft für die Literatur. Das Drehbuch zu "Mein Leben" basiert auf der gleichnamigen, 1999 veröffentlichen Autobiografie von Reich-Ranicki, die bereits 1,2 Millionen Mal verkauft und von der Kritik als eine der "bewegendsten Überlebensgeschichten des Holocaust" bezeichnet wurde.

      Marcel Reich-Ranicki ist seit Jahrzehnten der erfolgreichste, der wirkungsvollste und deshalb auch umstrittenste Literaturkritiker der Bundesrepublik Deutschland. Durch seine Kritiken in der FAZ, der "Welt" und sein Engagement bei Tagungen der Gruppe 47 erlangte er in kurzer Zeit einen solchen Bekanntheitsgrad, dass ihn "Die Zeit" 1960 als ständigen Literaturkritiker einstellte. In den 14 Jahren, in der er für "Die Zeit" als Kritiker schrieb, erarbeitete er sich den Rang der wichtigsten literaturkritischen Instanz in Deutschland und hat seither wie niemand sonst das literarische Leben der Gegenwart mitgeprägt.

      1973 krönte er seine Karriere als Kritiker und übernahm bis 1988 die Leitung der "Redaktion für Literatur und literarisches Leben" der FAZ.
      Er ist Herausgeber und Redakteur der "Frankfurter Anthologie" der FAZ und wurde durch seine Literatursendung "Das literarische Quartett" einem noch größeren Publikum bekannt. Über ein Jahrzehnt lang, von 1988 bis 2001, war diese Sendung Pflichttermin für Literaturbegeisterte. In den 50 Jahren, in denen er in der deutschen Literaturlandschaft wirkt, wurde er mit zahlreichen Literaturpreisen, darunter auch mit dem Goethe-Preis und dem Thomas-Mann-Preis geehrt. Beim Deutschen Fernsehpreis 2008 sorgte Reich-Ranicki für Aufsehen, als er sich weigerte, den Ehrenpreis für sein Lebenswerk anzunehmen und eine heftige Debatte über die Qualität des deutschen Fernsehens auslöste.

      Der in Tel Aviv geborene Filmemacher Dror Zahavi, hat sich auf dem Terrain des Fernsehfilms einen Namen gemacht. Sein Diplomfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam, der Porträtfilm "Alexander Penn - Ich will sein in allem", war 1988 für den Studenten-Oscar nominiert. 1992 reflektierte er die deutsche Wiedervereinigung in seinem ersten Spielfilm, der poetischen Politfarce "Der Besucher". Dror Zahavi drehte fünf Folgen der Krimireihe "Doppelter Einsatz" und hatte großen Erfolg mit der Folge "Die Todfreundin", für die er 1999 sowohl mit dem Bayerischen Fernsehpreis als auch mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt wurde.
      Sein wohl bekanntestes Fernsehprojekt ist der Eventfilm-Zweiteiler "Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei" (2005) mit Heino Ferch in der Hauptrolle, für den er 2006 die Goldene Kamera erhielt. 2010 wurde Zahavi für den International Emmy Award in der Kategorie TV-Movies/Mini-Series für "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki" nominiert. Für "Zivilcourage" (2010) erhielt er 2011 die Goldene Kamera in der Kategorie Bester deutscher Fernsehfilm und den Publikumspreis beim Grimme-Preis. Seine jüngsten Produktionen sind "Kehrtwende" (2011) und "München 72 - Das Attentat" (2012), in der er das Geiseldrama während der Olympischen Sommerspiele in München im Jahre 1972 nachstellt.

      Der renommierte Drehbuchautor Michael Gutmann, seit 2005 Professor für Drehbuch an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, wurde 1990 mit dem Goldenen Bundesfilmpreis für "Von Zeit zu Zeit", 1993 mit dem Publikumspreis des Filmfestes Lünen und dem "F.W. Murnau"-Preis des Kinoverbandes für "How I Got Rhythm" ausgezeichnet.
      1996 wurde er für das Buch zu "Nur für eine Nacht" mit dem Goldenen Löwen und dem Adolf-Grimme-Preis geehrt. 2004 überreichte man ihm die Auszeichnung als bester Drehbuchautor beim Festival "Cologne Conference" und den Bayerischen Filmpreis für das Buch zu Hans-Christian Schmids "Lichter" (2003). Mit Schmid hatte er zuvor bereits "Nach fünf im Urwald" (1995), "23" (1997) und "Crazy" (1999) umgesetzt. Er führte außerdem Regie bei "Glatteis" (1998), "Herz im Kopf" (2001) und "Denk ich an Deutschland - Familienreise" (2004) und verfasste zuletzt das Drehbuch zu Marco Kreuzpaintners Adaption von Otfried Preußlers "Krabat" (2008). Seine jüngsten Produktionen als Regisseur sind "Die letzten 30 Jahre" (2010) und "Bamberger Reiter. Ein Frankenkrimi" (2012).

      Matthias Schweighöfer, der Marcel Reich-Ranicki ohne den spezifischen Akzent, aber mit hoher Glaubwürdigkeit spielt, nennt diese Rolle "das Herausforderndste, was er bislang als Schauspieler gemacht" hat. Es faszinierte ihn, wie man "nach den Erfahrungen des Warschauer Ghettos später noch so für die deutsche Literatur kämpfen kann". Es ist nicht das erste Mal, das der Schauspieler Persönlichkeiten aus der Zeitgeschichte verkörpert. Als junger Schiller ("Schiller", Regie: Martin Weinhart) war er 2005 im Fernsehen zu sehen, im Kino als Rainer Langhans ("Das wilde Leben", 2007, Regie: Achim Bornhak) und als Erster-Weltkrieg-Pilot Manfred von Richthofen ("Der rote Baron", 2008, Regie: Nikolai Müllerschön). Außerdem stand er 2003 in "Soloalbum" (Regie: Gregor Schnitzler), 2004 an der Seite von Jessica Schwarz in "Kammerflimmern" (Regie: Hendrik Hölzemann), in Dominik Grafs "Kalter Frühling", in Uwe Jansons Brecht-Adaption "Baal" und 2007 in Til Schweigers "Keinohrhasen" vor der Kamera. 2010 erhielt er die Goldene Kamera für seine Darbietung in "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki". Im selben Jahr gab er sein Debüt als Regisseur mit der romantischen Komödie "What a Man", bei der er auch als Hauptdarsteller und Koautor, sowie als Koproduzent fungiert. Zuletzt sah man ihn 2011 in Detlev Bucks "Rubbeldiekatz" und 2012 in Oliver Ziegenbalgs "Russendisko".

      Katharina Schüttler, hier in der Rolle von Reich-Ranickis Ehefrau Tosia, gehört zu den aufsteigenden neuen Gesichtern des deutschen Films. Für ihre Darstellung in Michael Hoffmanns "Sophiiiie!" (2002) wurde sie beim Filmfest in München ausgezeichnet. Sie wirkte in "Das weiße Rauschen" (2001, Regie: Hans Weingartner) und "Die innere Sicherheit" (Regie: Christian Petzold) mit, spielte in den Kinofilmen "Wahrheit oder Pflicht" (2004, Regie: Martin Scharf, Arne Nolting), "3 Grad kälter" (2006, Regie: Florian Hoffmeister) und zuletzt in "Ganz nah bei dir" mit, der im Februar 2009 den Publikumspreis beim Max Ophüls Festival erhielt. Sie war in den ARTE-Koproduktionen "Weihachten" (2003, Regie: Marc-Andreas Bochert), "Der Vater meiner Schwester" (2005, Regie: Christoph Stark) zu sehen und kommt 2009 an der Seite von Iris Berben in "Es kommt der Tag" (2007, Regie: Susanne Schneider), ARTE koproduziert, auf die Kinoleinwände. Seitdem wirkte sie mit in Matthias Schweighöfers "What a Man" (2011), in dem kritischen Zweiteiler "Gelobtes Land" (2011) von Peter Kosminsky und Michael Gutmanns "Bamberger Reiter. Ein Frankenkrimi" (2012).

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