• 25.06.2012
      22:30 Uhr
      Liebe ist kälter als der Tod Spielfilm Deutschland 1969 - Zum 30. Todestag Rainer Werner Fassbinders | arte
       

      In den Maschen eines Münchner Gangstersyndikats zappeln der kleine Zuhälter Franz und die Prostituierte Joanna, die er liebt. Der abgebrühte Kriminelle Bruno soll Franz für eine Laufbahn als Schwerverbrecher gefügig machen. Das Mädchen will Franz jedoch vor Schlimmerem bewahren und verrät einen geplanten Banküberfall an die Polizei.

      Montag, 25.06.12
      22:30 - 23:55 Uhr (85 Min.)
      85 Min.
      Stereo HD-TV

      In den Maschen eines Münchner Gangstersyndikats zappeln der kleine Zuhälter Franz und die Prostituierte Joanna, die er liebt. Der abgebrühte Kriminelle Bruno soll Franz für eine Laufbahn als Schwerverbrecher gefügig machen. Das Mädchen will Franz jedoch vor Schlimmerem bewahren und verrät einen geplanten Banküberfall an die Polizei.

       

      Franz, ein kleiner Zuhälter, weigert sich, für ein Verbrechersyndikat zu arbeiten. Daraufhin engagiert das Syndikat den eiskalten Kriminellen Bruno, der Verbrechen für seine Auftraggeber begeht und sich Franz anhängt. Auf diese Weise soll Franz zur Zusammenarbeit bewegt werden. Franz dagegen ahnt nichts und freundet sich mit Bruno an. Er ist sogar bereit, seine Freundin Joanna, die für ihn als Prostituierte arbeitet, mit ihm zu teilen. Bruno schreckt weder vor Gewalt noch vor Mord zurück. Seine Skrupellosigkeit beunruhigt Joanna.

      Als Bruno und Franz einen gemeinsamen Überfall planen, verrät Joanna sie an die Polizei, die die beiden bei der Bank schon erwartet. Beim Versuch, sich mit der Maschinenpistole den Weg freizuschießen, stirbt Bruno im Kugelhagel der Polizei. Franz und Joanna gelingt die Flucht - in eine ungewisse Zukunft.

      Rainer Werner Fassbinders Regiedebüt "Liebe ist kälter als der Tod" ist oft mit den unterkühlten Gangsterballaden Melvilles in Verbindung gebracht worden. Manche sahen in dem Hut, den Ulli Lommel trägt, eine Referenz an Alain Delons Kopfbedeckung in Melvilles "Eiskalten Engel". Der 23-jährige Fassbinder jedoch kannte Melvilles Klassiker noch nicht, den Hut hatte sich Lommel selbst ausgesucht.

      Zum Zeitpunkt der Entstehung des Drehbuchs war Fassbinders Heimat immer noch das Theater. Er hegte aber durchaus eine Vorliebe für das Genre des Gangsterfilms und war gemeinsam mit seinen "antiteater"-Kollegen offen für Anregungen filmischer Vorbilder wie Godard oder Straub, von dem er sogar eine nicht verwendete Einstellung aus dessen Film "Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter" übernahm.

      Fassbinder drehte an Originalschauplätzen. Die Tristesse der Münchner Vorstadt, die Kargheit der Ausstattung, der insistierende Blick der Kamera, mit schier traumwandlerischer Sicherheit gelingt dem Debütanten Fassbinder eine bei aller Stilisierung zutiefst bewegende Geschichte über die Suche nach Identität, über Einsamkeit und Ausweglosigkeit tragischer Figuren. "Was übrig bleibt, wenn man diesen Film gesehen hat, das ist nicht, dass hier jemand sechs Leute ermordet hat, dass es hier ein paar Tote gegeben hat, sondern dass hier arme Leute waren, die nichts mit sich anfangen konnten, die einfach so hingesetzt wurden, wie sie sind, und denen keine Möglichkeit gegeben wurde - die einfach keine haben."

      In der Rolle der Joanna weiß eine junge Schauspielerin zu überzeugen, die danach in fast allen Filmen und Theaterstücken Fassbinders mitwirken wird und "ihrem" Regisseur eine Weltkarriere verdankt: Hanna Schygulla ist Mitglied des 1968 von Fassbinder gegründeten "antiteaters", das als Gegenstück zum Staatstheater fungieren soll und dem neben Fassbinder selbst Ingrid Caven, Doris Mattes und Hans Hirschmüller als weitere Mitglieder angehören.

      Der Film erhielt beim "Deutschen Filmpreis" 1970 in zwei Kategorien das Filmband in Gold. Zum einen wurde Dietrich Lohmann in der Kategorie "Kameraführung" ausgezeichnet, zum anderen das "antiteater-Ensemble" in der Kategorie "Darstellerische Leistung".

      • Filmreihe zum 30. Todestag Rainer Werner Fassbinders

      "Ich hatte nur diese bestimmte Zeit ...": Er war der produktivste und kreativste Filmemacher seiner Generation. Als Rainer Werner Fassbinder am 10. Juni 1982, zehn Tage nach seinem 36. Geburtstag, starb, war sofort klar, wie groß der Verlust war, von dem der deutsche Film durch diesen frühen Tod betroffen wurde. Heute ist es Gewissheit: Auch 30 Jahre nach seinem Tod hat sich kein deutscher Regisseur gefunden, der ebenso beharrlich und intensiv vom Hier und Jetzt erzählt. Mit Fassbinder hat der deutsche Film seine vitalste Kraftquelle verloren.
      Geboren am 31. Mai 1945, im selben Jahr wie Wim Wenders und der Generation Werner Herzogs, Volker Schlöndorffs und Alexander Kluges angehörend, galt Rainer Werner Fassbinder zunächst als das Wunderkind des Neuen Deutschen Films, später als "agent provocateur" im deutschen Kulturbetrieb. Das Multitalent zeichnete nicht nur als Drehbuchautor und Regisseur verantwortlich, sondern übernahm auch die Ausstattung, Kamera und Schnitt, und spielte in vielen seiner eigenen Filme mit.

      Über 40 Kino- und Fernsehfilme sowie drei Kurzfilme hat der Autodidakt zwischen 1969 und 1982 gedreht. In jungen Jahren hatte er vergeblich versucht, an verschiedenen Schauspielschulen aufgenommen zu werden und gründete daraufhin sein eigenes Ensemble, mit dem er "Unbehagen an Einrichtungen des Bürgertums" schaffen wollte: das Antiteater. Viele Schauspieler aus dieser Zeit begleiteten Fassbinder seine ganze Karriere lang und gelangten selbst zu hoher Bekanntheit, wie etwa seine Muse Hanna Schygulla.

      ARTE zeigt acht der bekanntesten Spielfilme Rainer Werner Fassbinders, zwei seiner Kurzfilme sowie zwei Dokumentarfilme über den außergewöhnlichen Filmemacher.

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      Montag, 25.06.12
      22:30 - 23:55 Uhr (85 Min.)
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