• 26.01.2010
      00:20 Uhr
      Der Bettler vom Kölner Dom Stummfilm Deutschland 1927 | arte
       

      Interpolinspektor Tom Wilkins ist ein Mann der Tausend Verkleidungen und Masken. Er ist einer Bande von Juwelendieben auf der Spur, die sich als Bettler tarnen und vor dem Kölner Dom ihr Unwesen treiben.

      Nacht von Montag auf Dienstag, 26.01.10
      00:20 - 02:05 Uhr (105 Min.)
      105 Min.
      Stereo

      Interpolinspektor Tom Wilkins ist ein Mann der Tausend Verkleidungen und Masken. Er ist einer Bande von Juwelendieben auf der Spur, die sich als Bettler tarnen und vor dem Kölner Dom ihr Unwesen treiben.

       

      Stab und Besetzung

      Madame Tréville Hanni Weiße
      Bettler Carl de Vogt
      Tom Wilkins Henry Stuart
      Mabel Strong Elza Temary
      Marquis de Puissac Robert Scholz
      Regie Rolf Randolf
      Drehbuch Emanuel Alfieri
      Kamera Willy Hameister
      Produktion Rudolf Meinert
      Redaktion Winfried Fechner (WDR)
      Nina Goslar (ZDF)

      In Gestalt eines indischen Fürsten quartiert sich Wilkins im Hotel Excelsior in Sichtweite des Doms ein. Hier residiert auch der Kopf der Verbrecherbande. Im närrischen Treiben der Karnevalszeit wollen die Diebe ihre kriminellen Pläne in die Tat umsetzen. Mit Unterstützung von zwei schrulligen Privatdetektiven und der hübschen Amerikanerin Mabel Strong geht der Held auf Verbrecherjagd, die in einer spektakulären Hatz auf dem Rhein endet.

      "Der Bettler vom Kölner Dom", 1927 in Köln gedreht, ist ein rasanter Krimi mit allen Tricks und Details eines veritablen Detektivfilms: ein cleverer Ermittler, betrügerische Frauen und jede Menge Verfolgungsszenen zu Lande und zu Wasser - hier in einem Schnellboot auf dem Rhein. Der Film ist ein filmhistorisches Dokument, entstanden im alten, vom Krieg noch unversehrten Köln, mit reichlich Originalaufnahmen vom Kölner Karnevalszug der Saison 1926/1927.

      Kriminalgeschichten gepaart mit Action- und Abenteuereinlagen waren immer schon populär, im Tonfilm wie im Stummfilm. Einer der bekanntesten Vertreter des Genres ist Harry Piel, der als Detektiv Joe Deebs in zahlreichen Filmen auftrat, oder eben Tom Wilkins, gespielt von dem britisch-stämmigen Schauspieler Henry Stuart, der hier wie in anderen Filmen den Gentleman und noblen Liebhaber gibt. Den Anführer der Ganoven spielt der bekannte Schauspieler Carl de Vogt, der in großen Stummfilmproduktionen wie "Die Spinnen" (Fritz Lang) oder "Nathan der Weise" (Manfred Noa) mitwirkte und dort immer sinistre Figuren gab. "Der Bettler vom Kölner Dom" hingegen bietet ein charmantes Spiel mit dem Genre, welches im Film mit seinen maskierten Schurken und verkleideten Ermittlern ironisiert wird. Niemand ist der, der er zu sein vorgibt. Der Ernst der Ganovenhetze wird immer wieder gebrochen durch die Auftritte zweier kauziger Privatdetektive, die an Hergés berühmtes Ermittlerduo Schulze und Schultze aus den Tim und Struppi-Comics erinnern.

      Regisseur Rolf Randolf, geboren als Rudolf Zanbauer am 15. Januar 1878 in Wien, gestorben ebenda am 29. Juni 1941, arbeitete als Schauspieler, Filmregisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor. Nach dem Besuch der Kadettenschule schlug er 1897 zunächst eine Offizierslaufbahn ein. 1901 trat er erstmals als Schauspieler auf. 1904 kam er nach Deutschland und gehörte bis 1914 zum Ensemble des Münchner Schauspielhauses. Während des Ersten Weltkrieges leitete er ein eigenes Fronttheater. 1918 gründete er in München seine Rolf Randolf-Film GmbH und betätigte sich zugleich als Filmregisseur. In seiner Verfilmung der historischen Geschehnisse in Mayerling verkörperte er 1919 selbst den Kronprinzen Rudolf von Österreich-Ungarn. Nach 1935 konzentrierte sich Randolf ausschließlich auf die unabhängige Filmproduktion.

      Henry Stuart, geboren als Henry Edouard Hess am 1. Februar 1885 in Kairo, gestorben 1942, war ein britisch-schweizerischer Schauspieler, Filmregisseur und Drehbuchautor. Der Sohn eines britischen Kolonialbeamten kam kurz vor der Jahrhundertwende nach England. Nachdem er vorübergehend in Paris gelebt hatte, besuchte er die Kunstakademie München mit der Absicht, Maler zu werden. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges befand er sich in Wien, wo er seine ersten Kontakte zu Filmleuten knüpfte. Den Krieg verbrachte er in England, anschließend kehrte er nach Deutschland zurück, wo er 1922 seine Karriere als Stummfilmdarsteller begann. Er spielte in diversen Filmen, die heute als Klassiker gelten, wie G. W. Pabsts "Die freudlose Gasse". Er verbrachte einige Zeit in Indien, wo er 1928 den Film "Nuri, der Elefant" realisierte. Im Tonfilm blieb Stuart weitgehend unbeschäftigt, wirkte aber immerhin an dem nachhaltigen Hans Albers-Film "Münchhausen" mit. Seine letzte Heimat wurde wieder das Theater. In Berlin spielte er vor allem am Englischen Theater Deutscher Schauspieler und arbeitete außerdem für den Rundfunk und als Manuskript- und Titelübersetzer.

      Zur Wiederaufführung des Films mit dem WDR Rundfunkorchester: "Der Bettler vom Kölner Dom" ist ein Paradebeispiel für solide produziertes, frühes deutsches Actionkino ohne Schnörkel und übertriebene Verzierungen. Von filmhistorischer Bedeutung ist der Film allein schon wegen der lokalgeschichtlichen Bezüge.
      Im Bestand der Stiftung Deutsche Kinemathek in Berlin liegt eine nahezu perfekt erhaltene 35mm-Kopie von Rudolf Randolfs Film vor. Gut erhaltene Stummfilme sind eine Rarität. Aufgrund des Materialzerfalls befinden sich die meisten heute eher in einem kritischen Zustand. Dies trifft besonders auf die Produktionen zu, die ihrer Zeit nicht mit der Ambition hergestellt worden sind, einmal als "Klassiker" in die Filmgeschichte einzugehen.

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      Nacht von Montag auf Dienstag, 26.01.10
      00:20 - 02:05 Uhr (105 Min.)
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