• 01.08.2020
      20:15 Uhr
      Amsterdam, London, New York: Welt-Städte (3/4) 1800-1880: Schock der Moderne | arte Mediathek
       

      An der Wende zum 19. Jahrhundert erfahren London und New York als erste Metropolen den Schock der Moderne - und eine tiefgreifende Verwandlung: Bevölkerungsexplosion, Entstehung von Industrie, Bau von Eisenbahnen und U-Bahnen, Massenarmut und Smog-Katastrophen. Die beiden Städte sind mit den Auswirkungen einer gewaltigen urbanen Revolution konfrontiert. Gleichzeitig erfinden sie die Architektur der Zukunft.

      Heute
      20:15 - 21:05 Uhr (50 Min.)
      50 Min.

      An der Wende zum 19. Jahrhundert erfahren London und New York als erste Metropolen den Schock der Moderne - und eine tiefgreifende Verwandlung: Bevölkerungsexplosion, Entstehung von Industrie, Bau von Eisenbahnen und U-Bahnen, Massenarmut und Smog-Katastrophen. Die beiden Städte sind mit den Auswirkungen einer gewaltigen urbanen Revolution konfrontiert. Gleichzeitig erfinden sie die Architektur der Zukunft.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Frédéric Wilner

      Ende des 18. Jahrhunderts hat Amsterdam, die damalige Hauptstadt des Welthandels, den Konkurrenzkampf verloren. Durch die Industrielle Revolution und seinen immensen Bevölkerungszuwachs wird London für ein Jahrhundert zur Weltmacht aufsteigen. Doch New York wird London innerhalb weniger Jahrzehnte einholen.

      Das gesamte 19. Jahrhundert über erleben London und New York ein phänomenales Wachstum. Mit dem Fortschritt gehen allerdings auch zunehmend heftige städtische Umwälzungen einher. Während London die berühmten Docks an der Themse ausbaut und bald den größten Hafen der Welt besitzt, hat der Eisenbahnbau dagegen vor allem für die ärmere Bevölkerung drastische Folgen. Wer im 19. Jahrhundert eine Eisenbahn bauen wollte, brauchte einen Parlamentsbeschluss, der es ihm erlaubte, die Strecke über die Grundstücke von Privatleuten zu führen und ihre Häuser zu kaufen, um Personen- und Güterbahnhöfe zu bauen. Führte eine Bahnstrecke durch ein Londoner Armenviertel, wurden die Menschen einfach vertrieben. Sie wurden in die Elendsviertel der Stadt abgedrängt, wo sowieso bereits Platzmangel und äußerst unhygienische Verhältnisse herrschten.

      Als erste Stadt der Welt ist London mit dem Problem der Luftverschmutzung konfrontiert: 1873 erlebt die Stadt eine tödliche Smog-Katastrophe. Innerhalb weniger Tage sterben 800 Menschen. Im Dezember 1952 ereignet sich die schlimmste Smog-Katastrophe in der Geschichte Londons. Sie dauert vier Tage und forderte mehr als 10.000 Todesopfer. Ein Jahrhundert nach der ersten tödlichen Smog-Krise erlässt das Parlament Gesetze, die das Heizen mit Kohle verbieten.

      Anfang des 19. Jahrhunderts unternimmt New York die ersten Schritte als unabhängige Stadt. Der Straßenplan mit dem berühmten Rastermuster wird entworfen; der Landvermesser Simeon De Witt, John Rutherford, ehemaliger Senator und reichster Großgrundbesitzer im Staat New Jersey, sowie Gouverneur Morris - einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten - waren damit beauftragt. Mit dem Rasterplan entsteht ein florierender Immobilienmarkt und ein rasantes Wachstum beginnt, das New York zur Wirtschaftshauptstadt der USA machen wird. Der Bau des Eriekanals im Jahr 1817 bedeutet für New York eine kleine Revolution, denn bis dahin war es nahezu unmöglich gewesen, eine solche Strecke zu überwinden. Nun können Holz, Pelze und bald auch Kohle und Eisenerz problemlos bis nach New York transportiert werden - alle notwendigen Rohstoffe für den Handel und die Industrie der Stadt.

      Im Jahr 1851 richtet London mit einem revolutionären Bau aus Stahl und Glas, dem von Joseph Paxton im Hyde Park erbauten Crystal Palace, die erste Weltausstellung aus. Dank der Fertigbauweise konnten rund 2.000 Arbeiter den Crystal Palace in nur acht Monaten errichten. New York zieht zwei Jahre später mit einer eigenen Ausstellung nach, auf der Elisha Graves Otis den ersten Fahrstuhl präsentiert, der absturzsicher ist. Dies ist der erste Schritt im Wettstreit um den höchsten Wolkenkratzer, zu dessen Pionieren New York schon bald gehören wird.

      Mit den ersten mehrstöckigen Bauten aus Gusseisenkonstruktionen, die der Architekt James Bogardus südlich von Manhattan realisiert, beginnt die vertikale Revolution. Der erste Wolkenkratzer New Yorks ist dann kurioserweise eine Brücke: Die ab 1870 erbaute Brooklyn Bridge ist nicht nur ein meisterlicher Ingenieurbau, sondern auch das erste Bauwerk, dessen Höhe sich der 100-Meter-Marke annähert. New York hat seine Grenzen erweitert. 1870 hatte die Stadt 940.000 Einwohner. Im Jahr 1900 werden es 3,4 Millionen sein. So entsteht die erste amerikanische Metropole. Und London, die größte Stadt der Welt, droht überholt zu werden.

      Handels- und Finanzprojekte von immer größerem Ausmaß bringen in Amsterdam, London und New York im Laufe von 400 Jahren neue Stadtmodelle hervor. Verbunden damit sind bedeutende Innovationen, darunter die erste Wertpapierbörse, die Entstehung des Büros, die Erfindung des Fahrstuhls oder die Errichtung von Wolkenkratzern. Die Reihe "Amsterdam, London, New York - Welt-Städte" zeichnet diese Entwicklung nach und beschreibt, wie Amsterdam, London und New York in einem unerbittlichen Wettkampf um die Vormachtstellung in der Weltwirtschaft radikal neue städtebauliche und architektonische Formen erfunden haben.

      Dokumentationsreihe Frankreich 2017

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