• 27.08.2012
      03:50 Uhr
      Sterben im Museum? Dokumentation Deutschland 2008 | arte
       

      Schon lange hat ein künstlerisches Vorhaben nicht soviel Aufsehen erregt wie der Sterberaum von Gregor Schneider. Seine Ankündigung, er wolle - falls gewünscht - einen Toten darin zeigen oder einen Sterbenden, hat hohe Wellen geschlagen. Schlagzeilen wie "Künstler will Menschen sterben lassen" befeuerten die hitzige Debatte. Am Ende gab es sogar Todesdrohungen gegen den Künstler. Wieder einmal ging es um die Frage: Was darf Kunst? Die Dokumentation erkundet, ausgehend von Gregor Schneider, wie zeitgenössische Künstler mit dem Thema Sterben und Tod umgehen.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 27.08.12
      03:50 - 05:00 Uhr (70 Min.)
      70 Min.
      Stereo

      Schon lange hat ein künstlerisches Vorhaben nicht soviel Aufsehen erregt wie der Sterberaum von Gregor Schneider. Seine Ankündigung, er wolle - falls gewünscht - einen Toten darin zeigen oder einen Sterbenden, hat hohe Wellen geschlagen. Schlagzeilen wie "Künstler will Menschen sterben lassen" befeuerten die hitzige Debatte. Am Ende gab es sogar Todesdrohungen gegen den Künstler. Wieder einmal ging es um die Frage: Was darf Kunst? Die Dokumentation erkundet, ausgehend von Gregor Schneider, wie zeitgenössische Künstler mit dem Thema Sterben und Tod umgehen.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Marion Schmidt

      Gregor Schneider ist nicht irgendein Skandalkünstler, sondern ein Bildhauer von Weltrang. Seine Kunstwerke sind Räume. International bekannt wurde er, als er in Venedig für sein "Totes Haus Ur" den Goldenen Löwen gewonnen hat. Seitdem sind Schneiders Räume weltweit gefragt. Für das Sterbezimmer allerdings - übrigens der Nachbau eines Mies van der Rohe-Raums - hat noch kein Museum verbindlich zugesagt.

      Was macht Schneiders Idee so provokant? Schließlich gehört der Tod zu den klassischen Themen der Kunst. Und immer wieder werden dabei Tabuzonen und Grenzbereiche ausgelotet. Der Film "Sterben im Museum?" fragt außerdem danach, wie andere zeitgenössische Künstler neben Gregor Schneider das heikle Thema Sterben in ihrem Werk behandeln. Christian Boltanski zum Beispiel, einer der gefragtesten Künstler unserer Zeit. Seine Arbeitsmaterialien sind die Hinterlassenschaften von Toten. Boltanskis gesamtes Werk kreist um die Frage: Was bleibt von einem Menschen, der gestorben ist? Zurzeit sammelt er die Herzschläge von Menschen, die künftig auf einer japanischen Insel archiviert werden. Boltanski lehnt es jedoch strikt ab, Tote direkt zu zeigen. Für sein Empfinden ist das ethisch nicht möglich.

      Ganz anders die englische Fotokünstlerin Sue Fox, die jahrelang in Krematorien und anatomischen Instituten Leichen fotografiert hat und den Tod der eigenen Mutter in Bildern festgehalten hat.
      Oder der Fotograf Walter Schels und die Journalistin Beate Lakotta, die ein halbes Jahr lang Menschen in Hospizen begleitet und porträtiert haben - vor und nach ihrem Tod. Für sie wiederum gebietet es die Würde des Menschen geradezu, dass man ihn auch nach seinem Tod noch anschaut.

      Neben Künstlern, die sich in ihrer Arbeit mit dem Thema Tod und Sterben beschäftigen, kommt auch ein potentieller Nutzer des Sterberaums zu Wort. Gerd Gerhard Loeffler, selbst Künstler, sieht in Gregor Schneiders Kunstwerk "Sterberaum" eine denkbare Perspektive für sich selbst. Gerd Gerhard Loeffler ist an einem Hirntumor erkrankt. Wie viel Zeit ihm bleibt, weiß er nicht. Und ob das Sterbezimmer ihm am Ende eine Möglichkeit sein wird, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, ist offen.

      Der Film "Sterben im Museum?" vertieft die Debatte darüber, was Kunst darf und welche Rolle Tod und Sterben in der aktuellen Kunstszene spielen. Behutsam nähert sich die Filmemacherin den Künstlern und den Betroffenen. Die Fragen, die sie dabei aufwirft, sind so elementar, dass sie weit über den Kreis der Kunstinteressierten hinaus jeden Zuschauer ganz unmittelbar angehen.

      Wird geladen...
      Nacht von Sonntag auf Montag, 27.08.12
      03:50 - 05:00 Uhr (70 Min.)
      70 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 24.01.2019