• 11.05.2010
      20:15 Uhr
      Diebe im Gesetz Dokumentarfilm Deutschland 2008 (Thema: Schattenreich russische Mafia) | arte
       

      Zum ersten Mal überhaupt erzählen ehemals hochrangige Mitglieder der kriminellen Unterwelt Russlands ihre persönliche Geschichte. Es ist die Geschichte einer besonderen Verbrecherkaste, der "Vory v zakone", der "Diebe im Gesetz".

      Dienstag, 11.05.10
      20:15 - 21:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Zum ersten Mal überhaupt erzählen ehemals hochrangige Mitglieder der kriminellen Unterwelt Russlands ihre persönliche Geschichte. Es ist die Geschichte einer besonderen Verbrecherkaste, der "Vory v zakone", der "Diebe im Gesetz".

       

      Stab und Besetzung

      Regie

      Dass ein größeres Unternehmen nicht ohne ein "Dach" der Mafia auskommt, ist in Russland allgemein bekannt und akzeptiert, auch von der Regierung. Ihre Gesetze scheinen wertlos, einzig die Gesetze der Diebe zählen. Diese sind zwar einfach, aber heilig: Kein Verrat, keine Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden, keine Familie. Doch eben jene Gesetze, und das werden die Diebe nicht müde zu betonen, unterscheiden sie von rein willkürlich raubenden und mordenden Verbrechern. Sie selbst sehen sich nicht als solche, sondern als regelndes und regulierendes Organ. Der Grund heiligt die Mittel, und die Mittel sind grausam.
      Ende der 90er findet der große Krieg der Umverteilung langsam ein Ende. Die "Diebe im Gesetz" suchen den Weg in die Legalität, wahlweise auch Halblegalität. Heute sind sie Millionäre und erfolgreiche Geschäftsleute. Einer von ihnen ist Leonid "Macintosh" Bilunov. Dieser lebt auf großem Fuß in Frankreich. In Russland ist er nur noch selten, gefällt sich besser in der Rolle des Mäzens und unterstützt die orthodoxe Kirchengemeinde in Cannes. Im Gefängnis hat er gelernt sich durchzusetzen, hat einen Aufseher mit einer glühendheißen Eisenstange erschlagen, sorgt sich aber gleichzeitig um seine junge Tochter, die sich beim Benutzen der Pariser Metro eine Grippe einfangen könnte. Genau hiervon geht die Faszination des Films aus. Er zeigt auch die menschliche Seite dieser eiskalten Killer, die sich selbst nicht als Verbrecher sehen. Diese Selbsteinschätzung zu bewerten bleibt dem Zuschauer überlassen. Vor allem der zweite Protagonist, Alimzhan Tochtachunov, betont immer wieder, kein Krimineller zu sein und von Zuweisungen wie "Mafia" will er schon gar nichts hören. Dennoch wird er weltweit von Interpol gesucht und ist mehr als erzürnt darüber, in seiner ehemaligen Wahlheimat Frankreich nicht einmal ein eigenes Bankkonto eröffnen zu dürfen.
      Der dritte im Bunde, Vitaly Demochka, ist wohl der Abgebrühteste unter den Protagonisten. Wie viele Menschen er schon auf dem Gewissen hat möchte man gar nicht so genau erfahren. Heute gilt seine Leidenschaft aber vor allem der Filmemacherei. In seinem bereits zweiten Werk bringt er die blutigen Bandenkriege der 90er Jahre auf russische Kinoleinwände.

      Der Film von Alexander Gentelev zeigt, wie hoch diese Männer aus der kriminellen Unterwelt aufgestiegen sind und einen Schattenstaat im heutigen Russland errichteten. Eine Story, die vor allem den europäischen Zuschauer zugleich fasziniert und erschreckt. Aber Russland sei eben nicht Europa, so einer der Protagonisten, auch wenn es offiziell zu diesem dazugehöre.
      Bisherige Filme des in Israel lebenden, russischen Regisseurs Alexander Gentelev wie "Aufstieg und Fall der russischen Oligarchen" (2005) und "Operation Nachfolger" (2008, über die Farce der russischen Präsidentschaftswahlen) wurden in mehr als 30 Ländern gezeigt und gewannen Preise auf vielen großen Filmfestivals.

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      Dienstag, 11.05.10
      20:15 - 21:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

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