• 18.03.2019
      20:15 Uhr
      Sucht auf Rezept Aus der Reihe "45 Min" | ARD-alpha
       

      Immer mehr Deutsche nehmen Tabletten, um alltägliche Probleme in den Griff zu bekommen: Schlafmittel, um besser ein- oder durchzuschlafen, Wachmacher, um leistungsfähiger zu sein. Allein von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sind bis zu anderthalb Millionen Deutsche abhängig.
      "45 Min" zeigt, wie es Menschen ergeht, die Schlafmittel oder Wachmacher über einen längeren Zeitraum hinweg einnehmen, und fragt, warum so viele von diesen Tabletten abhängig werden.

      Montag, 18.03.19
      20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 20:14
      Stereo HD-TV

      Immer mehr Deutsche nehmen Tabletten, um alltägliche Probleme in den Griff zu bekommen: Schlafmittel, um besser ein- oder durchzuschlafen, Wachmacher, um leistungsfähiger zu sein. Allein von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sind bis zu anderthalb Millionen Deutsche abhängig.
      "45 Min" zeigt, wie es Menschen ergeht, die Schlafmittel oder Wachmacher über einen längeren Zeitraum hinweg einnehmen, und fragt, warum so viele von diesen Tabletten abhängig werden.

       

      Immer mehr Deutsche nehmen Tabletten, um alltägliche Probleme in den Griff zu bekommen: Schlafmittel, um besser ein- oder durchzuschlafen, Wachmacher, um leistungsfähiger zu sein. Allein von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sind bis zu anderthalb Millionen Deutsche abhängig. Und fast drei Millionen Menschen haben, laut einer DAK-Studie, schon einmal verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um bei der Arbeit mehr Leistung zu bringen oder um Stress abzubauen. Auch diese Wachmacher haben enormes Suchtpotenzial.

      Viele Menschen lassen sich diese Medikamente von ihrem Arzt verschreiben, häufig auf Privatrezept, sodass ein großer Teil der Verschreibungen nicht einmal in der Statistik der Krankenkassen auftaucht. Dabei sind Schlafmittel wie Benzodiazepine und Wachmacher wie Modafinil oder Methylphenidat schon lange auf dem Markt. Doch viele Patienten und offenbar auch viele Ärzte unterschätzen das Suchtpotenzial.

      Manche Ärzte werben sogar regelrecht für die Einnahme von Schlafmitteln und Wachmachern. Sie bestreiten, dass Schlafmittel abhängig machen, und behaupten stattdessen, die Tabletten würden die Lebensqualität derart erhöhen, dass man einfach nicht mehr auf sie verzichten möchte. Und Modafinil, ein wachmachendes Psychostimulans, wird auch Patienten empfohlen, die nicht an Narkolepsie erkrankt sind. Und das, obwohl die Europäische Arzneimittel-Agentur ausdrücklich davor warnt.

      "45 Min" zeigt, wie es Menschen ergeht, die Schlafmittel oder Wachmacher über einen längeren Zeitraum hinweg einnehmen, und fragt, warum so viele von diesen Tabletten abhängig werden.

      Wolfgang N. (45) hat 30 Kilogramm abgenommen und langsam wieder angefangen zu arbeiten, erst einmal ehrenamtlich. Fast zehn Jahre ist er tablettenabhängig gewesen. Er hatte im Schichtbetrieb gearbeitet und jahrelang unter Schlafproblemen gelitten. Ärzte rieten ihm zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Er nahm sie in immer höheren Dosen ein. Schon bald war an Arbeit nicht mehr zu denken, aber auch nicht mehr an Schlaf. N. lebte in einer Art Wachkoma. Dann kam der Zusammenbruch, Wahnvorstellungen und Organversagen. Ein achtwöchiger kalter Entzug rettete ihm vor knapp einem Jahr das Leben.

      Marleen K. (25) studiert Jura. Sie will Anwältin werden. Der Leistungsdruck ist hoch und die Konkurrenz unter den Kommilitonen enorm. Um das Lernpensum schaffen zu können, nimmt sie regelmäßig Wachmacher ein: verschreibungspflichtige Medikamente wie Modafinil oder Methylphenidat, besser bekannt als Ritalin. Zehn bis zwölf Stunden kann sie dann ununterbrochen lernen. Die Tabletten sind an Universitäten deshalb längst alltäglich. Dabei wird weitgehend ignoriert, dass sie süchtig machen. Und ob sie tatsächlich leistungssteigernd wirken, ist nicht bewiesen.

      Renate K. (76) konnte mit den Jahren immer schlechter schlafen. Auf Empfehlung ihres Hausarztes probierte sie es mit Schlaftabletten. Doch nach einigen Wochen tauchten die Schlafprobleme wieder auf. Sie setzte die Tabletten ab und bekam es mit handfesten Entzugserscheinungen zu tun: Wahnvorstellungen, Gedächtnisverlust und Kreislaufprobleme. Denn schon nach wenigen Wochen war sie von den Tabletten abhängig geworden.

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      Montag, 18.03.19
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