• 06.06.2018
      21:45 Uhr
      Maischberger Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz? | Das Erste
       

      In dem Film "Unterwerfung" nach dem Roman des französischen Bestsellerautors Michel Houellebecq wird das Bild einer westlichen Gesellschaft gezeichnet, die sich nach und nach islamisiert. - Wie abwegig ist diese Vision?
      Gäste:

      • Julia Klöckner (CDU, stellvertretende Bundesvorsitzende)
      • Natascha Kohnen (SPD, bayerische Landesvorsitzende)
      • Necla Kelek (Publizistin)
      • Haluk Yildiz (Vorsitzender der BIG-Partei)
      • Jan Fleischhauer ("Spiegel"-Autor)

      Mittwoch, 06.06.18
      21:45 - 22:45 Uhr (60 Min.)
      60 Min.

      In dem Film "Unterwerfung" nach dem Roman des französischen Bestsellerautors Michel Houellebecq wird das Bild einer westlichen Gesellschaft gezeichnet, die sich nach und nach islamisiert. - Wie abwegig ist diese Vision?
      Gäste:

      • Julia Klöckner (CDU, stellvertretende Bundesvorsitzende)
      • Natascha Kohnen (SPD, bayerische Landesvorsitzende)
      • Necla Kelek (Publizistin)
      • Haluk Yildiz (Vorsitzender der BIG-Partei)
      • Jan Fleischhauer ("Spiegel"-Autor)

       

      In dem Film "Unterwerfung" (ARD 20.15 Uhr) nach dem Roman des französischen Bestsellerautors Michel Houellebecq wird das Bild einer westlichen Gesellschaft gezeichnet, die sich nach und nach islamisiert. Ein Muslim wird Staatspräsident; er führt die Scharia, Polygamie und das Patriarchat ein. Wie abwegig ist diese Vision? Gibt es tatsächlich eine schleichende Islamisierung westlicher Demokratien? Sind wir zu nachsichtig gegenüber islamischen Bewegungen, die eine andere Gesellschaftsordnung wollen? Müssen wir unsere westlichen Werte stärker hervorheben und das christliche Weltbild wieder stärken? Oder wird der Islam zu Unrecht verunglimpft und kritisiert?

      Darüber diskutiert Sandra Maischberger mit ihren Gästen direkt im Anschluss an die Ausstrahlung des Fernsehfilms "Unterwerfung".

      • Julia Klöckner (CDU, stellvertretende Bundesvorsitzende)

      Die Bundeslandwirtschaftsministerin warnt vor zu viel Toleranz gegenüber dem Islam. "Wir müssen doch nicht voraufklärerische Sichtweisen aus falscher Toleranz heraus unterstützen", sagt die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende. Auch seien Kopftuch und Burkini gewiss nicht modische Accessoires und Ausdruck religiöser Vielfalt. Deshalb müssten wir "unsere Werte hart durchsetzen", fordert die Ministerin. Julia Klöckner kritisiert, dass gegen sie schon öfter die "rot-grüne Keule" der "Islamfeindlichkeit" geschwungen wurde, weil sie sich geweigert habe, einen Imam zu treffen, der Frauen nicht die Hand gibt.

      • Natascha Kohnen (SPD, bayerische Landesvorsitzende)

      Die stellvertretende SPD-Vorsitzende wirft Politikern der Union vor, Muslime auszugrenzen, statt sich um Integration zu bemühen: "Politik sollte für Zusammenhalt sorgen und nicht spalten. Die Antwort auf Islamismus darf nicht Ausgrenzung und Populismus sein." Millionen friedlicher Muslime in Deutschland würden pauschal verurteilt, glaubt die SPD-Landesvorsitzende in Bayern. Eine Debatte über eine deutsche Leitkultur hält Natascha Kohnen für unnötig: "Der Begriff ist Quatsch, er wird verwendet, um Menschen auszuschließen."

      • Necla Kelek (Publizistin)

      "Der Islam ist eine Unterwerfungsreligion, in der Männer das Sagen haben und Frauen rechtlos sind", kritisiert die türkeistämmige Soziologin. Unter dem Schild der Religionsfreiheit versuchten die Islamverbände und organisierte Muslime, ihre Version eines "religiösen Lebens" auch in Deutschland durchzusetzen, so die Publizistin: "Meine größte Kritik geht an alle fünf bürgerlichen Parteien, weil sie den politischen Islam als Bewegung nicht wahrnehmen wollen". Auch deshalb fordert Necla Kelek ein Islamgesetz: "Darin muss geregelt sein, was wir unter Religion verstehen. Unsere Gesellschaft, nicht die Eingewanderten, müssen bestimmen, wie sie sich Religion gedacht haben."

      • Haluk Yildiz (Vorsitzender der BIG-Partei)

      "Männer und Frauen sind im Islam gleichgestellt", sagt Haluk Yildiz, der vor acht Jahren die Migrantenpartei BIG gegründet hat und sie im Bonner Stadtrat vertritt. Der BIG-Partei wird von Kritikern Nähe zur Erdogan-Partei AKP vorgeworfen. Die Aussagen von Bundesministerin Julia Klöckner nennt der 52-Jährige Yildiz "frauenfeindlich und diskriminierend". Lehrerinnen und Richterinnen mit Kopftuch müssten seiner Ansicht nach in Deutschland selbstverständlich sein. "Dass man das Kopftuch heutzutage so instrumentalisiert, spricht nicht für die Errungenschaften der Demokratie in Europa", erklärt der BIG-Vorsitzende. Ebenso müsse man in Deutschland Verständnis dafür haben, wenn Muslime aus religiösen Gründen nicht am Schwimmunterricht teilnähmen oder ein Händeschütteln ablehnten.

      • Jan Fleischhauer ("Spiegel"-Autor)

      "Die Muslime werden nicht die Mehrheit in Deutschland sein", sagt der Journalist. "Von den Schauergeschichten, die eine schleichende Islamisierung der deutschen Gesellschaft beweisen sollen, entpuppen sich die meisten als Humbug." Dass dennoch viele Menschen Angst vor dem Islam haben, erklärt sich der "Spiegel"-Kolumnist mit dem sinkenden Interesse der Deutschen am Christentum: "Der Islam steht für die Faszination des Glaubens, den wir nicht mehr haben. In einer Gesellschaft, in der schon das sonntägliche Kirchengeläut als Störung empfunden wird, muss eine Versammlung von Menschen, für die Gott nicht Chiffre, sondern lebendige Realität ist, Beklemmung auslösen."

      Zeitgleich zur Sendung "Maischberger" und schon zuvor zum Film stehen unter anderen das Filmteam (Regisseur Titus Selge, Produzent Clemens Schaeffer, Martina Zöllner, Leiterin Doku + Fiktion RBB) sowie die renommierte Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Ulrike Freitag von der Freien Universität Berlin den Zuschauern im Online-Chat des Ersten für Sachfragen und Kommentare zu Film und "Maischberger" zur Verfügung.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 19.08.2018