• 14.03.2018
      20:15 Uhr
      Verschleiert Arabische Touristen in der Schweiz | 3sat
       

      Die Schweiz ist ein Ferienparadies für arabische Touristen. 2017 sorgten sie für fast eine Million Übernachtungen. Der Zusammenprall der Kulturen ist nicht immer einfach. Schweiz Tourismus, die nationale Tourismusorganisation der Schweiz, lädt Prominente aus den Golfstaaten als Werbebotschafter ein. Zugleich sammeln Politiker Unterschriften für ein Verhüllungsverbot, das vor allem arabische Touristinnen betreffen würde.

      Mittwoch, 14.03.18
      20:15 - 21:05 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Stereo HD-TV

      Die Schweiz ist ein Ferienparadies für arabische Touristen. 2017 sorgten sie für fast eine Million Übernachtungen. Der Zusammenprall der Kulturen ist nicht immer einfach. Schweiz Tourismus, die nationale Tourismusorganisation der Schweiz, lädt Prominente aus den Golfstaaten als Werbebotschafter ein. Zugleich sammeln Politiker Unterschriften für ein Verhüllungsverbot, das vor allem arabische Touristinnen betreffen würde.

       

      Die Schweiz ist ein Ferienparadies für arabische Touristen. 2017 sorgten sie für fast eine Million Übernachtungen. Der Zusammenprall der Kulturen ist nicht immer einfach. Schweiz Tourismus, die nationale Tourismusorganisation der Schweiz, lädt Prominente aus den Golfstaaten als Werbebotschafter ein. Zugleich sammeln Politiker Unterschriften für ein Verhüllungsverbot, das vor allem arabische Touristinnen betreffen würde.

      Arabische Touristen lieben die Schweiz, weil sie sich hier vom viel zu heißen Sommer daheim erholen können. Kaum ist der Fastenmonat Ramadan vorbei, machen sie sich auf die Reise: Familien aus Bahrain, den Emiraten, dem Oman und Saudi-Arabien. Viele Frauen tragen einen Nikab. Sie sind mit einem Gesichtsschleier verhüllt und zeigen nur ihre Augen. 430 Franken pro Tag geben arabische Gäste in der Schweiz aus, mehr als Touristen aus anderen Ländern. Zudem bleiben sie pro Besuch fast drei Tage, das ist überdurchschnittlich lang.

      Damit diese Gäste noch zahlreicher kommen, wirbt Schweiz Tourismus mit Filmstars und anderen Berühmtheiten, welche die Schweiz ins schönste Licht rücken sollen. Diese Art Werbung funktioniert laut dem Marketingexperten Matthias Albrecht besonders gut, denn sie spricht Frauen an - und es sind oft die Frauen, die entscheiden, wohin die Familie in die Ferien fährt.

      Albrecht erinnert sich an die Produktion einer Soap Opera, die eine arabische Produktionsfirma vor zwei Jahren in Luzern filmte. Während des Fastenmonats Ramadan wurde jeden Tag eine Episode ausgestrahlt. Im Monat nach Ramadan habe die Region Luzern mehr als doppelt so viele Besucherinnen und Besucher aus den Golfstaaten empfangen. Es habe sogar unmittelbar nach der Sendung direkte Anfragen an die Hotels, die in den Episoden vorkamen, gegeben.

      In Interlaken und Thun wurde eine neue Soap Opera gedreht, mit Stars aus dem arabischen Raum. "In unserer Produktion zeigen wir die Schweiz, wie sie ist: schön, ruhig, diskret, und das Wetter ist wunderbar", sagt Mayssa Maghrebi, Besitzerin einer Filmproduktionsfirma. "Zudem ist einer der Hauptdarsteller Banker." Auch diese Soap Opera wurde ein Erfolg: 150 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer.

      Gleichzeitig wollen Schweizer Politiker ein Verhüllungsverbot in die Verfassung schreiben und sammeln dafür Unterschriften. Dieses Verbot würde vor allem arabische Touristinnen betreffen. Im Tessin gibt es bereits ein Burka-Verbot. Bisher wurden laut Ticino Turismo erst fünf Frauen deswegen mit einer Buße belegt. In Österreich - einer weiteren beliebten Reisedestination arabischer Touristen - tritt ein Verhüllungsverbot ab Oktober in Kraft.

      Filmautorin Marianne Kägi hat arabische Superstars begleitet. Sie war mit Familien unterwegs beim Bootfahren, Gleitschirmspringen, Klettern und Spazieren, und es gelang ihr, mit Frauen hinter dem Schleier zu sprechen. Zum Beispiel mit Khoudour Al Harbi, einer jungen Mutter aus Saudi-Arabien, die mit ihrem Mann und den zwei Kindern unterwegs ist. Sie verdeckt Nase und Mund mit einem dunklen Gesichtsschleier, dem Nikab. "Warum wollt ihr Schweizer unsere Bekleidung verbieten?", fragt sie. "Wir dürfen bereits nicht mehr nach Lugano reisen, weil wir unser Schleier dort verboten ist. Es wäre so schade, wenn wir nicht mehr zu euch in die Ferien kommen dürften."

      Film von Marianne Kägi

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