• 15.02.2018
      06:15 Uhr
      Klassiker der Weltliteratur Lew Nikolajewitsch Tolstoi | ARD-alpha
       

      Er gilt als Reformpädagoge. Er pflügt Felder wie ein Landarbeiter. Mit seiner Frau Sofja hat er dreizehn Kinder. Nebenbei schreibt er Weltklassiker wie "Krieg und Frieden" und Anna Karenina". Als Tolstoi stirbt, trauert eine Nation über den wohl größten Literaten Russlands.

      Donnerstag, 15.02.18
      06:15 - 06:30 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Er gilt als Reformpädagoge. Er pflügt Felder wie ein Landarbeiter. Mit seiner Frau Sofja hat er dreizehn Kinder. Nebenbei schreibt er Weltklassiker wie "Krieg und Frieden" und Anna Karenina". Als Tolstoi stirbt, trauert eine Nation über den wohl größten Literaten Russlands.

       

      Stab und Besetzung

      Tilman Spengler

      Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828 - 1910) schrieb mit knapp 40 Jahren den Roman "Krieg und Frieden", der im Original zwischen 1868 bis 1869 in einer Zeitschrift erschien. Der Roman schildert den Eroberungsfeldzug Napoleons gegen Russland, jenen Krieg, der 1805 begann und 1812 für die Franzosen mit einer bitteren Niederlage endete. Gleichzeitig ist es ein großes Beziehungsdrama um die Fürsten Andrej und Pierre und die schöne Natascha.

      Seine ersten literarischen Verdienste erwarb Tolstoi als Kriegsberichterstatter im Kaukasus. Er war Anfang 20, als er freiwillig ins Militär eintrat, teils aus Abenteuerlust, teils weil er an seiner literarischen Befähigung zweifelte. 1853 brach der Krimkrieg aus, in dem Russland gegen England und Frankreich kämpfte. Tolstoi berichtete darüber aus Sewastopol, dem Schauplatz blutigster Schlachten. Er schrieb über die Grausamkeit, die Sinnlosigkeit des Gemetzels mit so großem literarischen Erfolg selbst beim Zaren, dass er schließlich selbst an seine schriftstellerische Begabung glaubte.

      Die beiden Merkmale, die die Arbeiten Tolstois auszeichnen, sind: eine große Virtuosität im Wechsel der Erzählperspektiven und eine detailreiche Beschreibung der Personen. Damit schafft er unverwechselbare Charaktere, auch wenn, wie in "Krieg und Frieden", mehrere Hundert verschiedene Personen eingeführt werden. Generationen von Schriftstellern haben ihn um diese Gabe beneidet. So schuf er einen der größten Romane der Weltliteratur: "Anna Karenina" (1877). Es ist die Geschichte einer Frau, die sich für die Liebe und gegen einen langweiligen Ehemann entscheidet, was sie schließlich mit dem Tod bezahlen wird.

      Über Tolstois Leben gibt es umfangreiche Forschungen. Doch er selbst hat schon früh eine Trilogie geschrieben, die aus den Teilen "Kindheit" (1852), "Knabenjahre" (1854) und "Jünglingszeit" (1857) besteht - die Geschichte zwischen seinem zehnten und sechzehnten Lebensjahr. Nikolai wurde als Sohn eines Grafen auf dem Landgut Jasnaja Poljana geboren und bereits mit neun Jahren Vollwaise. Doch das in deutscher Sprache erschienene Buch "Kindheit und Jugend" ist mehr als eine reine Biografie. Es beschreibt die Ängste, Nöte, Träume und Glücksmomente von Kindern in jenen Lebensjahren - ähnlich anrührend wie "Oliver Twist" oder "Huckleberry Finn".

      Mit Ende Zwanzig verließ Tolstoi den Militärdienst und bereiste mehrere Monate West- und Südeuropa. Als er auf sein Gut zurückkehrte, wollte er etwas für die russischen Bauern tun, die auf seinem Landgut lebten. Er richtete auf Jasnaja Poljana Dorfschulen ein. Und er versuchte die Bauern für eine Pacht statt für die Leibeigenschaft zu gewinnen. Daneben schrieb er weiter an seinen Romanen. An "Krieg und Frieden" arbeitete er mehr als sechs Jahre lang. Und bis "Anna Karenina" fertig war, verfasste er noch viele Erzählungen, Fibeln, Traktate und Aufklärungsschriften.

      Im Jahr 1862 heiratete Tolstoi die 18-jährige deutschstämmige Sofja Andrejewna Behrs, mit der er 13 Kinder hatte. Sie unterstützte ihn bei seiner Arbeit, indem sie allein die 1.650 Seiten von "Krieg und Frieden" sieben Mal abgeschrieben haben soll. Aufgrund seiner Anschauungen in religiösen Fragen wurden Tolstois Schriften auf den Index gesetzt und der Autor exkommuniziert. Als er die Rechte an seinen Werken dem russischen Volk vermachen wollte, und damit seine Familie praktisch enterbte, kam es zu familiären Konflikten. Nach Tolstois Tod und trotz eines gültigen Testaments wurden die Rechte an den literarischen Werken wieder seiner Frau Sofja zugesprochen.

      Wie kam die Schildkröte auf den Kopf des Aischylos? Wie wurden Charles Dickens Romane zuerst publiziert? Von wem und warum wurde schon früh in der Literatur der "Cliffhänger" erfunden, also das hochdramatische abgebrochene Ende einer Geschichte? Warum war der 16. Juni 1904, der "Bloomsday", für James Joyce so wichtig? Antworten auf diese und viele, viele andere Fragen erhalten Sie in der Sendereihe "Klassiker der Weltliteratur". Hier werden Autoren von Homer bis Franz Kafka, von Dostojewski bis Molière und von Jane Austen bis Raymond Chandler vorgestellt werden. Der Moderator dieser Sendereihe ist der Schriftsteller Tilman Spengler, der den Zuschauern die Autoren aus rund 2.500 Jahren und ihre wichtigsten literarischen Werke näherbringt.

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