• 28.01.2015
      21:50 Uhr
      Max Linder - Mein Vater, der Filmstar Dokumentation Frankreich 2013 | arte
       

      Als Maud Linder 15 Monate alt war, tötete ihr Vater ihre Mutter und dann sich selbst. Maud erfuhr erst mit 18 Jahren, dass ihr Vater ein einstmals erfolgreicher, inzwischen vergessener Filmstar und Meister des Slapstick war. Von diesem Moment an bemühte sie sich, das Werk ihres Vaters wiederzufinden, zusammenzuführen und zu restaurieren. Das gefundene Material schneidet sie 1963 zu einer Filmcollage mit dem Titel "In Gesellschaft Max Linders". 20 Jahre später folgt "Der Mann mit dem seidenen Hut": Und rettete so das Lebenswerk ihres Vaters.

      Mittwoch, 28.01.15
      21:50 - 22:45 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo HD-TV

      Als Maud Linder 15 Monate alt war, tötete ihr Vater ihre Mutter und dann sich selbst. Maud erfuhr erst mit 18 Jahren, dass ihr Vater ein einstmals erfolgreicher, inzwischen vergessener Filmstar und Meister des Slapstick war. Von diesem Moment an bemühte sie sich, das Werk ihres Vaters wiederzufinden, zusammenzuführen und zu restaurieren. Das gefundene Material schneidet sie 1963 zu einer Filmcollage mit dem Titel "In Gesellschaft Max Linders". 20 Jahre später folgt "Der Mann mit dem seidenen Hut": Und rettete so das Lebenswerk ihres Vaters.

       

      Max Linder war einer der ersten Filmautoren der Stummfilmzeit, Freund und Vorbild von Charlie Chaplin und der erste internationale Star der Kinogeschichte. Mit nur 42 Jahren, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, tötete er seine junge Frau und nahm sich dann selbst das Leben.

      Seine Tochter Maud war zum Zeitpunkt des Unglücks 15 Monate alt. Wer ihr Vater war, sollte sie erst mit 18 Jahren erfahren, denn nach der Erfindung des Tonfilms war dessen Schaffen völlig in Vergessenheit geraten. Seither setzt Maud ihr ganzes Leben und all ihre Kraft daran, ihrem Vater jene Anerkennung zurückzugeben, die einem großen Filmschaffenden gebührt.

      Die Dokumentation, die Jean-Michel Meurice mit Maud Linders wertvoller Unterstützung gedreht hat, nimmt deren abenteuerliche Kindheit als Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch Max Linders Lebenswerk. Maud Linders schwungvolle und sehr berührende Erzählung, die mit zahlreichen Filmausschnitten und Zeichentricksequenzen illustriert ist, macht deutlich, wie modern und beschwingt Linders Filme sind. Kaum zu glauben, dass seit ihrem Entstehen bereits hundert Jahre vergangen sind. Man versteht, warum Max Linder als Erfinder der leichten Komödie gilt und wieso Charlie Chaplin ihn als "seinen Lehrmeister" bezeichnete.

      Max Linder dreht ab 1907 kleine filmische Skizzen, für die er Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich ist. Bald produziert er einen Film pro Tag. In Windeseile erobert er auch international die Leinwand. Seine Filme verkaufen sich bis nach Russland, Hongkong und Australien. 1911 ist Max Linder der berühmteste Filmstar der Welt. Er gilt als Vorbild und Wegbereiter für Charlie Chaplin, Harold Lloyd, Mack Sennett und Buster Keaton.

      Im Jahr 1916 geht er nach Hollywood und verpflichtet sich für 16 Filme. 1923 heiratet er die 17-jährige Ninette, und ein Jahr später kommt die kleine Maud zur Welt. Doch Linder ist krankhaft eifersüchtig. Er versinkt in Depressionen, klagt über mangelnde Inspiration. Ninette ahnt, dass sie in der Falle sitzt, verfasst ihr Testament und gibt die kleine Maud in die Obhut einer Kinderschwester in Monte Carlo. Da ist Ninette gerade 20 Jahre alt.

      1924 gründet Max Linder mit Kollegen die Urheberrechtsgesellschaft "Société des auteurs de films" und wird zu ihrem Präsidenten gewählt. Doch weder der berufliche Erfolg noch seine kleine Tochter und seine junge Frau können ihn vor dem Abgrund retten, auf den er unweigerlich zusteuert. Am 1. November 1925 vergiftet er Ninette in einem Pariser Hotelzimmer und durchtrennt ihr die Pulsadern, dann tötet er sich selbst auf die gleiche Art.

      Als Kind weiß die kleine Maud lediglich, dass ihr Vater sich umgebracht hat. Im Jahr 1941, kurz vor ihrem 18. Geburtstag, liest sie auf einem Filmplakat die Worte: "Sieben Jahre Unglück - Ein Film von Max Linder". Sie macht sich auf die Suche nach Spuren ihres Vaters. Man führt sie in die Rue de Messine. Dort hortet Henri Langlois in unordentlichen Stapeln das, was später einmal die Sammlung der Cinémathèque française werden soll. Und auch wenn Maud in dem Mann auf der Leinwand kaum ihren Vater erkennt, so schlägt sein Spiel sie unweigerlich in seinen Bann.

      Von diesem Moment ist Maud wie besessen von der Idee, Max' gesamtes Werk wieder aufzufinden. Sie macht sich auf die Suche, fragt bei Sammlern nach und kauft, restauriert und rettet rund hundert Filme. Geduldig rekonstruiert sie Max' Filmografie, füllt Lücken und spürt jene Werke auf, von denen sie noch keine Kopie besitzt. Das gefundene Material schneidet sie 1963 zu einer ersten Filmcollage mit dem Titel "In Gesellschaft Max Linders". 20 Jahre später folgt "Der Mann mit dem seidenen Hut": Max Linders Lebenswerk ist gerettet.

      Film von Jean-Michel Meurice

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