• 13.06.2018
      19:15 Uhr
      Werner Heisenberg (4/6) Die Angst vor der Bombe | ARD-alpha
       

      Ende 1938 gelingt Otto Hahn und Fritz Straßmann die Kernspaltung im Uran. In Experimenten zeigt sich, dass es möglich ist, im Uran eine Kettenreaktion in Gang zu setzen. Damit ist klar: In den Kräften des Atoms ist Sprengstoff von unvorstellbarer Gewalt verborgen. Nun wird die lange als 'jüdisch' verunglimpfte moderne Physik auch für die Nationalsozialisten interessant.

      Deutschland unter den Nationalsozialisten ist das Gegenteil des Guten, Wahren, Schönen, das für den Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg Richtschnur seines Lebens ist. Trotzdem beschließt er, die Angebote aus den USA abzulehnen und in Deutschland auszuharren.

      Mittwoch, 13.06.18
      19:15 - 19:30 Uhr (15 Min.)
      15 Min.
      Stereo

      Ende 1938 gelingt Otto Hahn und Fritz Straßmann die Kernspaltung im Uran. In Experimenten zeigt sich, dass es möglich ist, im Uran eine Kettenreaktion in Gang zu setzen. Damit ist klar: In den Kräften des Atoms ist Sprengstoff von unvorstellbarer Gewalt verborgen. Nun wird die lange als 'jüdisch' verunglimpfte moderne Physik auch für die Nationalsozialisten interessant.

      Deutschland unter den Nationalsozialisten ist das Gegenteil des Guten, Wahren, Schönen, das für den Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg Richtschnur seines Lebens ist. Trotzdem beschließt er, die Angebote aus den USA abzulehnen und in Deutschland auszuharren.

       

      Ende 1938 gelingt Otto Hahn und Fritz Straßmann die Kernspaltung im Uran. In Experimenten zeigt sich, dass es möglich ist, im Uran eine Kettenreaktion in Gang zu setzen. Damit ist klar: In den Kräften des Atoms ist Sprengstoff von unvorstellbarer Gewalt verborgen.

      Nun wird die lange als 'jüdisch' verunglimpfte moderne Physik auch für die Nationalsozialisten interessant. Heisenbergs Arbeiten rücken in den Fokus des Rüstungsministeriums. 1941 baut Heisenberg mit seinen Mitarbeitern an der Universität Leipzig die Vorform eines Atomreaktors - der Weg zum Bau von Atombomben ist vorgezeichnet.

      In dieser Situation besucht Heisenberg seinen Lehrer Niels Bohr im besetzten Kopenhagen. Durch Bohrs Vermittlung hofft er, einen Pakt der Physiker auf beiden Kriegsseiten zu ermöglichen - gegen den Bau von Atombomben. Der Plan schlägt fehl. Bohr und Heisenberg finden in der angespannten Lage keine Gelegenheit, sich zu verständigen.

      Aber Heisenberg baut keine Bombe für Hitler: "Wir hatten dann während des Krieges das Glück, dass sich Arbeiten an der Atombewaffnung im Krieg als unmöglich herausgestellt hatten, weil sie viel zu lange gedauert hätten. Ich konnte ganz ehrlich berichten: Im Prinzip kann man schon Atombomben machen, aber alle Verfahren, die wir bisher kennen, sind so ungeheuer kostspielig, dass es Jahre dauern würde und einen ganz enormen technischen Aufwand von Milliarden brauchen würde".

      Heisenberg nimmt in Berlin regelmäßig an Treffen der so genannten Mittwochsgesellschaft teil. Das ist ein Kreis angesehener Männer aus Wissenschaft und Kunst, darunter sind aber auch Militärs und hohe Beamte. Sie treffen sich abwechselnd im Haus eines der Mitglieder zu Vorträgen. Am 18. Juli 1944 trifft sich die Gesellschaft in Heisenbergs Haus. Zwei Tage später, am 20. Juli 1944, findet ein Attentat auf Hitler statt. Zahlreiche Mitglieder der Mittwochsgesellschaft werden als Unterstützer des Attentats verhaftet und hingerichtet.

      Heisenberg überlebt diese Zeit in Haigerloch in Württemberg. In einem Felsenkeller betreibt er hier geheime Forschungen an einem Atomreaktor. Eilig haben es die Physiker nicht. Wie Bewohner berichten, übt Heisenberg lieber an der Kirchenorgel über dem Felsenkeller und gibt Konzerte für die Einheimischen.

      Als 1945 das Ende des Krieges absehbar ist, flieht Werner Heisenberg mit dem Fahrrad 270 Kilometer weit zu seiner Familie nach Urfeld am Walchensee. Dort wird er wenig später von einem amerikanischen Spezialkommando verhaftet.

      Mit seiner Quantenmechanik hat Werner Heisenberg (5.12.1901 - 1.2.1976) das Tor in eine neue Welt der Physik aufgestoßen. Heisenberg stellte das seit Isaac Newton dominierende mechanistische Weltbild der Physik auf den Kopf. Die Quantenmechanik bestimmt die Welt, in der wir leben. Ohne sie gäbe es keine Mikrochips und keine Computer, aber auch keine Atomkraftwerke und Atombomben. Heisenbergs Leben spiegelt auch die Brüche und Umwälzungen des 20. Jahrhunderts wider. Die sechsteilige Sendereihe stellt den Wissenschaftler und Philosophen vor.
      Was sind die kleinsten Bausteine der Natur? Was ist es, das die Welt im Innersten zusammenhält? Seit jeher versuchen wir Menschen, Antworten auf diese Fragen zu finden. Für den Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe ist das "Gute, Wahre und Schöne'"die geheime Natur unserer Welt.

      Der Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg ist seit frühester Jugend fasziniert von den Gedanken Goethes. Die Harmonie und Ästhetik der Natur begegnen ihm auch in der Mathematik. In Werner Heisenbergs Jugend ist die wissenschaftliche Denkweise noch von den Naturgesetzen geprägt, die der Engländer Isaac Newton im 17. Jahrhundert formuliert hatte. Die Physiker waren überzeugt, bald auch die letzten Rätsel des Lebens zu lösen. Der Siegeszug von Technik und Maschinenwelt schien unaufhaltsam. In diese Welt wird am 5. Dezember 1901 Werner Heisenberg geboren. Er begeistert sich früh für Naturwissenschaften und besonders für die neue Physik. Ebenso sehr liebt er Musik. Lange Zeit ist Heisenberg unentschlossen, ob er Musik oder Naturwissenschaften und Mathematik studieren soll. In seiner griechischen Schullektüre stößt Heisenberg auf Ideen des griechischen Philosophen Platon. Nach Platon bilden Dreiecke die Basis unserer Welt. Diese Dreiecke sind selbst keine Materie, aber sie gestalten das uns bekannte Universum, indem sie sich zu verschiedenen Formen zusammenfügen: den bekannten platonischen Körpern. Heisenberg ist irritiert von dieser ersten Begegnung mit der Philosophie der alten Griechen. Doch sie ist auch ein Schlüsselerlebnis für seinen weiteren Werdegang. Heisenberg will das Unbegreifliche der Ideenwelt Platons verstehen und er will für sich selbst die Frage klären, was die Welt im Innersten zusammenhält? Werner Heisenberg wird die Physik und unser Weltbild revolutionieren. Er wagt eine neue Sicht auf die Wirklichkeit. Sein Blick richtet sich auf die kleinsten Bausteine der Materie: die Quanten.

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