• 17.06.2018
      06:00 Uhr
      mein ausland: Alltag in Asien Zwischen Ozean und Regenbogen | PHOENIX
       

      Asien ist anders und zuweilen auch äußerst kurios. Korrespondent Uwe Schwering und das Fernsehteam aus dem Studio Tokio begeben sich auf eine spannende Entdeckungstour zwischen Last und Lust im asiatischen Alltag.

      Sonntag, 17.06.18
      06:00 - 06:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Asien ist anders und zuweilen auch äußerst kurios. Korrespondent Uwe Schwering und das Fernsehteam aus dem Studio Tokio begeben sich auf eine spannende Entdeckungstour zwischen Last und Lust im asiatischen Alltag.

       

      Es geht ihm nicht gut, dem Thunfisch. Die Bestände des Schnellschwimmers sind massiv überfischt - weltweit, vom Pazifik bis zum Mittelmeer. Denn nicht nur in Japan gilt er als absolute Delikatesse, als Porsche unter den Edelfischen. Aber nun sind japanische Forscher dabei, den Nachschub fürs Maguro-Sushi komplett nachzuzüchten, von der befruchteten Eizelle bis zum erwachsenen Fisch. Es könnte des Thunfischs Rettung sein. Dabei bedienen sich die Wissenschaftler nur scheinbar einer aberwitzigen Methode: Makrelen als Leihmütter.

      Und noch eine Spezies im Pazifik kämpft im Wortsinne mit dem Untergang: der Mensch. Insel-Bewohner von Kiribati bis zu den Marshall Islands haben einen übermächtigen Gegner - den Klimawandel. Der Meeresspiegel steigt, ihre Eilande und Atolle saufen ab, das Trinkwasser versalzt. Kiribati wird wohl schon bald Klimaflüchtlinge hervorbringen. Fidschi bietet den betroffenen Bewohnern Land zur Umsiedelung an. Auf der zweitgrößten Insel Fidschis, Vanua Levu, hat Kiribati Landflächen gekauft. Hier sollen seine vertriebenen Insulaner einmal eine neue Heimat finden.

      Mona ist Studentin in Manila, in einer echten Männerdomäne: Sie möchte Ingenieurin werden. Kein Widerspruch zu dem, wonach sie sonst noch strebt: der Krone einer Schönheitskönigin. Damit ist Mona nicht allein auf den Philippinen, denn Schönheitswettbewerbe sind hier Volkssport - für Weiblein und Männlein!

      Japan ist da reservierter. Das zeigt sich auch im Kontrast zwischen traditionellen Gewohnheiten und modernen Technologien. Klapphandys ("Galapagos"-Phones), Faxgeräte, Taschenrechner: Vieles, was der internationale Wettbewerb anderswo schon weggefegt hat, ist auf der "Insel" noch up to date. Hier ist der Papiertiger noch Mensch, hier darf er sein - in "Low-Tech Japan".

      Nachbar Südkorea hingegen ist brutal digital: höchste Smartphone-Dichte auf dem Globus. Sung-joon Song ist Bankangestellter und im Nebenjob jetzt so was wie Hilfspolizist. Denn mithilfe einer speziellen App ("Smart Citizen") informiert er die Polizei über Ordnungswidrigkeiten seiner Mitmenschen - gefilmt mit Handy oder Dashcam im Auto. Doch ist das wirklich smart oder gefährlich? Menschenrechtler wie Chang Ik-oh sorgen sich: "In Südkorea gelangen viele persönliche Daten an die Öffentlichkeit, auch durch staatliche Behörden. So kann also jemand im ganzen Land denunziert werden. Keine nette Gesellschaft."

      Robert Ibarra steht am Sarg und sagt: "Seitdem ich im Projekt des Bürgermeisters bin, habe ich endlich Arbeit. Es war gut, dass ich mich gestellt habe." Im philippinischen Olongapo bauen reumütige Drogenabhängige jetzt Särge, denn gestorben wird immer. Und seitdem Präsident Duterte an der Macht ist, noch viel mehr. Denn in dessen berüchtigtem Anti-Drogen-Krieg kamen bislang mehr als 10.000 Menschen um - durch Kugeln der Polizei oder durch Killerkommandos. Manch einer geht da lieber freiwillig in den Knast. Oder man macht es wie Robert Ibarra und verschreibt sich selbst eine Therapie: Aufgabe, Arbeit, Verantwortung.

      Und Opa geht zum Regenbogen: Der Taiwaner Yong-Fu Huang, Ex-Soldat und Autodidakt, hat auch mit Mitte 90 noch Arbeit satt - er schwingt den Pinsel. Um seine Siedlung, ein ehemaliges Militärdorf, vor der Abrissbirne zu bewahren, hat er sie einfach angemalt und ein Gesamtkunstwerk daraus gemacht. So bunt, dass seine Fans ihn jetzt den "Regenbogen-Opa" nennen. Der kleine farbige Planet ist nun eine Attraktion – für tausende Besucher täglich. "Viele Leute kommen zu mir und sagen: ‚Opa, ich liebe es!’ – Ehrlich gesagt: Ich verstehe das nicht“, so der Pensionär. - Fast 900 Militärdörfer gab es mal in Taiwan für zwei Millionen Menschen, nur 13 sind geblieben. Doch keines ist so verstörend betörend wie das von Meister Huang.

      Film von Uwe Schwering

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